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Ist eine Versöhnung nach dem Holocaust möglich?

Gymnasiasten diskutieren mit deutsch-jüdischem Gast aus den USA

Dr. Geoffrey S. Cahn und Phorms-Schulleiterin Valérie Hardt bei der Veranstaltung am 7. November. Foto: Phorms
Dr. Geoffrey S. Cahn und Phorms-Schulleiterin Valérie Hardt bei der Veranstaltung am 7. November. Foto: Phorms
Erschienen in Gazette Zehlendorf Dezember 2019
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Das Gymnasium des Phorms Campus Berlin Süd am Osteweg fand sich am 7. November zu einer besonderen Veranstaltung zusammen: dem „Holocaust Reconciliation“-Vortrag von Dr. Geoffrey S. Cahn. Die Schülerinnen und Schüler sind mit dem englischen Begriff „Reconciliation“ vertraut: Er bedeutet „Versöhnung“. Als Kind deutsch-jüdischer Holocaustüberlebender hat sich Dr. Cahn vor allem der Aufarbeitung dieser Thematik gewidmet. Er reist heute an eine Vielzahl von Schulen, um die Versöhnung der Völker, aber auch der Deutschen mit ihrer eigenen Geschichte voranzutreiben.

Geboren in London und aufgewachsen an der amerikanischen Ostküste bei deutsch-jüdischen Eltern, denen durch glückliche Umstände die Flucht aus Nazi-Deutschland gelang, kommt Dr. Cahn zu einem ganz besonderen Identitätsgefühl. Er selbst definiert sich als jüdischer Amerikaner, aber auch als Deutscher, schließlich hat er die doppelte Staatsbürgerschaft. Eindrucksvoll schilderte er den Gymnasiasten seine Familiengeschichte anhand von alten Fotos und Dokumenten.

„Gibt es unter euch jemanden, der in Bezug auf den Holocaust noch immer so etwas wie Verantwortlichkeit empfindet?“, fragte Dr. Cahn die Gymnasiastinnen und Gymnasiasten. Denn dies sei das Gefühl, auf das er bei seinen Deutschlandreisen immer wieder gestoßen sei. Er begann sich zu fragen, ob eine Aussöhnung mit dem Holocaust, die Holocaust Reconciliation, möglich sei, und gab seinem Beruf folglich diese Richtung.

Dr. Cahn berichtete den aufmerksam zuhörenden Schülerinnen und Schülern nicht nur über seine persönliche Geschichte, sondern auch über das Judentum selbst und wie unterschiedlich dieses gelebt wird. Der Vortrag mündete in eine rege Diskussion über Israel, den Antisemitismus und die Radikalisierung der heutigen Politik in Europa und in den USA.

„Für die Schülerinnen und Schüler war dies eine einmalige Gelegenheit, um Fragen über das Judentum und über den US-Präsidenten aus erster Hand beantwortet zu bekommen“, freut sich Schulleiterin Valérie Hardt, die sich als Geschichtslehrerin für regelmäßige Zeitzeugenbesuche in ihrem Gymnasium engagiert. Sie empfand den Besuch von Dr. Cahn als „nachhaltig prägend“ für die Schülerschaft und für das Kollegium. „Positiv stimmt uns: Wenn Dr. Cahn trotz seiner tragischen Familiengeschichte solch Sympathie und positive Gefühle für das Heimatland seiner Eltern hegt, dann sollte auch die Holocaust Reconciliation nicht ausgeschlossen sein.“

Natalie Bauer/Elke Brumm

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