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Erste Berliner Tausendfüßler unterwegs im Bezirk

Schulweg per pedes statt mit Eltern-Taxi

Erschienen in Zehlendorf Mitte Journal Dezember/Januar 2019
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Maxi, Liese und Nadia – erste Berliner Tausendfüßler.
Maxi, Liese und Nadia – erste Berliner Tausendfüßler.

Nastia geht in die erste Klasse und wird nur manchmal mit dem Auto zur Schule gebracht, Maxi aus der 2. Klasse läuft gerne, und Drittklässlerin Liese fährt am liebsten mit dem Fahrrad zur Schule.

An diesem sonnigen 22. Oktobertag aber haben sie sich zur Enthüllung der ersten Tausendfüßler-Haltestelle am Verbindungsweg zur Clayallee an der Flanaganstraße getroffen.

Mit ihnen freuen sich über den Projektstart vor Ort Bezirkstadträtin Maren Schellenberg, Bezirksstadtrat Frank Mückisch, die Vorsitzende des Bezirkselternausschusses (BEA) Ulrike Kipf sowie Vertreter des Verkehrsausschusses der Erich-Kästner-Grundschule, die als erste Berliner Schule mit der Gesamtelternvertretung und dem Bezirksamt das Projekt in Steglitz-Zehlendorf an den Start bringen konnten. Und sogar Elternvertreter aus Pankow waren gekommen, um sich daraus Anregungen für ihren Bezirk zu holen.

Die Umsetzung des Konzeptes zum Pilotprojekt erfolgte rein bezirklich – vom Senat kam psychologische Unterstützung.

Laufen macht fit

Was eigentlich ist das Tausendfüßler-Projekt? Schulkinder treffen sich zu zwei festgelegten Zeitpunkten an speziell dafür ausgewiesenen Tausendfüßler-Haltestellen. Gemeinsam mit Freunden und anderen Kindern läuft man dann – anfangs noch begleitet von Eltern – auf mit aufgesprühten Fußabdrücken markiertem Weg zur Schule. Dabei gibt es das Neueste zu besprechen, der Gesundheit tut der Weg gut, und man lernt ganz nebenbei, sich sicher im Straßenverkehr zurechtzufinden. So wird der Fußweg kurzweilig, und man kommt wach und fröhlich in der Schule an. Fit für den Unterricht, geht´s dann an konzentriertes Lernen, denn auch dem Kopf hat der Schulweg gut getan.

Jedes Tausendfüßler-Schulkind bekommt eine kindgerechte Info-Broschüre mit Routen und Tausendfüßler-Ausweis, auf dessen Rückseite der zurückgelegte Fußweg durch einen Stempel von der Schule bestätigt wird.

„Ich bin stolz, die erste Haltestelle im Programm der Tausendfüßler in unserem Bezirk eröffnen zu dürfen“, erklärte Maren Schellenberg. Nicht nur ihr ist schon lange das tagtäglich vor Schulbeginn rund um die Schulen herrschende Verkehrschaos der Eltern-Taxis ein Dorn im Auge. Allein an der Erich-Kästner-Schule wurden bisher etwa 40 Prozent der Schüler von den Eltern gebracht.

Weitere vier Tausendfüßler-Haltestellen für Schüler der Erich-Kästner-Schule sind in Planung: Am Hirschsprung/Finkenstraße, E.-Redlob-Straße/O.-Appel-Straße, Thielallee/Höhe Rostlaube und Taylorstraße/zwischen Kita und Museum werden sie liegen.

Am Starttag betont BEA-Vorsitzende Ulrike Kipf, Elternschaft, Schule mit speziell dafür gegründeter Eltern-AG und Kinder der Erich-Kästner-Grundschule hätten aktiv mitgemacht und über ein Jahr darauf hingearbeitet, dass nun ein funktionierendes Projekt auf die Beine oder besser „Tausendfüßler“ gestellt werden konnte, angedockt an den bezirklichen Präventionsbericht. Beratend bei der Wahl geeigneter Routen stand in Sachen Sicherheit die Verkehrspolizei zur Seite.

Erste Tausendfüßler machen Schule

Nachdem an dem strahlenden Herbsttag das Tuch über der ersten Haltestelle feierlich gelüftet ist, spazieren die ersten Tausendfüßler mit Begleitung gemeinsam die rund 700 Meter Fußweg zur Erich-Kästner-Grundschule. Immer wieder weisen gelbgrüne Fußabdrücke auf dem Pflaster den Weg, an der Ampel des Überganges Clayallee/Richtung Königin-Luise-Straße signalisieren die nebeneinander platzierten Fußabdrücke eindringlich „Warten!“. Etwa ein halbes Jahr soll die aufgesprühte Farbe halten. Die erste Farbportion hatte das Bezirksamt spendiert, zukünftig ist die Schule dafür verantwortlich.

An der Erich-Kästner-Schule angekommen, werden die letzten symbolischen Fußabdrücke gemeinsam auf das Pflaster gesprüht. Ulrike Kipf überreicht Michael Spahn vom Verkehrsausschuss der Schule die erste Tausendfüßler-Urkunde.

Einig sind sich alle mit Frank Mückisch: „Dieses Projekt soll im ganzen Bezirk und darüber hinaus Schule machen.“ – Zur Förderung der motorischen und sozialen Entwicklung der Kinder, zur Stillung von Gesprächs- und Bewegungsdrang vor Unterrichtsbeginn, für sicheres Verhalten und erhöhte Sichtbarmachung im Straßenverkehr – und nicht zuletzt gegen das durch Eltern-Taxis verursachte gefährliche Verkehrschaos vor dem Schultor.

Indessen freuen sich Nastia, Maxi und Liese auf ihren nächsten Schulweg, „weil es da gemeinsam immer was Neues zu entdecken gibt.“

Übrigens: In Vorbereitung zur nächsten Tausendfüßler-Schule im Bezirk ist die Schweizerhof Grundschule in Zehlendorf.

Weitere Informationen unter www.bea-sz.de

Jacqueline Lorenz

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