Gazette Verbrauchermagazin

Großer Bahnhof für die Gustav-Heinemann-Oberschule

Modellbahn-AG begeistert Schüler, Lehrer und Ehemalige

Michel Fink und Wolfgang Peißker (Mitte) mit AG-Mitgliedern.
Michel Fink und Wolfgang Peißker (Mitte) mit AG-Mitgliedern.
Erschienen in Gazette Schöneberg & Friedenau Januar 2020
Anzeige
MesserschmiedemeisterSchlüssel- und SchloßdienstEckard Kanold GmbH & Co. KGStahl-HartAutotechnik KoyImmanuel-Miteinander Leben GmbH

AGs gibt es viele, eine ganz besondere aber kann man in der Gustav-Heinemann-Oberschule an der Marienfelder Waldsassener Straße finden: Schüler und Ehemalige geben sich da begeistert das Stellpult an die Hand und bringen auch manchen Besucher mit ihrer analogen Anlage in Modulbauweise bei öffentlichen Veranstaltungen ins Schwärmen.

Begleitet wird die freiwillige Modellbahn-AG von zwei inzwischen pensionierten Lehrern der Schule, Michael Fink (Mathematik, Erdkunde, Geschichte) und Wolfgang Peißker (Mathematik, Physik und ehem. stellvertretender Schulleiter). Sie waren es, die 1982 ihre Idee von der Modellbahn-AG in der Lehrerkonferenz vorstellten und dann in die Tat umsetzten, mit einigen Schienenfahrzeugen und Werkzeug aus dem Fundus von Michael Fink. Den anfangs 12 interessierten Schülern folgten bald mehr.

Jeden Freitag ab 14 Uhr wird heute von den 25 Aktiven der Oberschule, von denen zehn relativ frisch dabei sind, an der rund 70 Meter langen Anlage mit Namen „Rund um den Bahnhof Zoo“ in der Schulwerkstatt in ihrer Freizeit geplant, gewerkelt, verkabelt, repariert und gelötet, 60 Module wollen gepflegt sein. Fahren und steuern ist dann in der aufgebauten Phase des Modells während der Wintermonate angesagt.

Schulleiter Carsten Hintze, der die AG gerne unterstützt, erklärt dazu: „Die AG hat ein großes Altersspektrum. Interessierte zwischen 9 und 75 Jahren bringt die Modellbahn zusammen. Und auch viele Ehemalige halten darüber den Kontakt zur Schule, sowohl Schüler als auch Lehrer.“

Per Bahn von „Heinefelde“ bis Potsdam-Süd

Die Modellbauanlage in der Gustav-Heinemann-Oberschule verbindet geschickt Realität mit künstlerischer Freiheit: So sucht man den Abstellbahnhof „Heinefelde“ mit Autozugverladung in und um Berlin vergebens, vielmehr ist die Namensgebung eine liebevolle Hommage an die Oberschule und an Marienfelde. Da fahren aus Privat- und Schulbesitz rund 30 Züge und 10 S-Bahnen der Spur HO (1:87) im Zweileitergleichstrom-System u. a. über Bahnhof Alexanderplatz, Hansaviertel, Tiergarten, Zoologischer Garten, Uhlandstraße, Charlottenburg, Bahnhof Grunewald, Spreebrücken, Griebnitzsee bis S-Bahnhof Potsdam-Süd. Lebensnahe Szenen sind längs der Strecke in liebevoller Kleinarbeit dargestellt: Dazu gehört ein Verkehrsunfall ebenso wie die Demo „Erhaltet den Bahnhof Zoo“ oder die Anlegestelle am Griebnitzsee. Es grüßen der Fernsehturm und der Schlachtensee, der Liter Benzin kostet noch ganze 58 Pfennige, und sogar der Schultheiss-Brauerei wird im Modell gedacht.

Nach den Weihnachtsferien lassen die Schüler und AG-Mitglieder jedes Jahr ihre „neuen“ Schienenfahrzeuge im großen Modell der AG fahren. Ein Angebot, das immer gern angenommen wird.

Finanziert wird die Anlage aus Spenden öffentlicher Ausstellungen und Veranstaltungen und aus Mitgliedsbeiträgen. Und dann sind da noch die Sachspenden: „Von einem älteren Herrn haben wir vier Schränke voll mit Schienenfahrzeugen geschenkt bekommen, von der Lok bis zum Tender“, erzählt Wolfgang Preißke. Der Modellbahn-Freund habe seine über die Jahre aufgebaute Sammlung lieber in gute Hände abgegeben, damit sie einmal nicht auf dem Müll lande. Derartige Zuwendungen sind nicht selten, denn nicht immer frönen die Kinder von Modellbaufans demselben Hobby wie ihre Eltern und schätzen die Schienenfahrzeuge kaum wert.

„Was wir in der AG nicht verwenden können, geben wir für kleines Geld an unsere Schüler oder verkaufen es auf einer unserer öffentlichen Ausstellungen zugunsten der AG-Kasse an interessierte Besucher“, erklärt Preißke. – So wie mehrere noch originalverpackte Schienensätze, die eine Modellbahn-Freundin jahrelang im Schrank aufbewahrt hatte, in der Hoffnung, dass ihr Mann ihr einmal eine Anlage bauen würde. Diese Hoffnung gab sie in fortgeschrittenem Alter schließlich auf und die Schienensätze an die Schule „in gute Hände“.

Vom Hobby zum Beruf

Was oftmals in der AG begann, hat einige der „Ehemaligen“ zu ihrem Beruf finden lassen, bringen sie doch bemerkenswertes Grundwissen mit. So ist am jährlichen Berufsparcours-Tag der Oberschule auch die Deutsche Bahn regelmäßig vertreten.

Auch Jens Keller, der bis heute die Modellbahn-AG mit einer Begeisterung begleitet, die man ihm bei jedem Satz anmerkt, fand über die AG zu seinem Beruf.

Bis zum Abitur im Jahr 2014 ging er auf die Gustav-Heinemann-Oberschule, studiert heute Eisenbahnwesen, begeisterte sich schon früh für Bahnen. „Am Tag der offenen Tür im Jahr 2005 hier in der Schule war ich sofort fasziniert von dem Schulmodell und dem AG-Angebot.“ Ab 2006 besuchte er dann die Oberschule. Er wählte Japanisch als 2. Fremdsprache und ist seitdem aus der Modellbahn-AG nicht mehr wegzudenken. Und dann erzählt er von der ersten festinstallierten Anlage, die im Jahr 1998 aufgrund von Sanierungsarbeiten der Schule zerstört werden musste. Mit dem Campus-Neubau entschied man sich dann für die mobile analoge Modellvariante, wie sie bis heute besteht und bei der nur die Straßenbahn digital fährt. Derzeit bleibt die Anlage von Mitte November bis Mitte Februar temporär im Theaterzentrum im Erdgeschoss der Schule komplett aufgebaut, was die Theater- und Musikschüler in die Mensa zwingt. Eine bessere Lösung wünschen sie alle für die Zukunft: Wenn demnächst der Schulneubau entsteht, hoffen sie auf die Berücksichtigung des Raumbedarfs ihrer Modellbahn-Anlage. Doch man vermutet, dass die Räume eher kleiner werden und die Anlage vor Ort dann nur noch mit einzelnen Modulen aufgebaut werden könne.

Jens Keller bereitet derzeit den Modellbahn-Erlebnistag in Leipzig vor, an dem das Schul-Modell auch teilnehmen wird, und zählt die regelmäßigen AG-Exkursionen und Veranstaltungen auf, welche die zunehmende Schulkooperation mit der Deutschen Bahn beweisen: Schulpraktika der 9. Klassen werden bei der DB absolviert, Stellwerke besucht sowie verschiedene andere Einrichtungen der DB. „Um den Schülern zu zeigen, wie es in der Wirklichkeit rund um die Schiene zugeht“, betont Jens Keller. Mehr als einmal habe die DB dabei den AG-erfahrenen Schülern eine spätere Zusammenarbeit in Aussicht gestellt. Aber auch unterschiedlichste Modellbahn-Ausstellungen besuchen die Mitglieder zum Austausch mit Gleichgesinnten.

Besucher von außen erhalten an Veranstaltungstagen die Gelegenheit, die AG-Modellbahn-Anlage zu bestaunen. Sei es beim Tag der Offenen Tür oder – Save The Date – an den Modelleisenbahntagen, die in diesem Jahr in der Gustav-Heinemann-Oberschule in der Marienfelder Waldsassener Straße 62 am 1. Februar von 13-18 Uhr und am 2. Februar von 10-17 Uhr stattfinden.

Unterstützt wird die Schule auch an diesem Tag von den mit der Schule kooperierenden Trix Express Freunden Berlin unter Dieter Weißbach, die zum Berliner Sammlerkreis für historische Modelleisenbahnen und Spielzeug gehören. In der Gustav-Heinemann-Oberschule halten sie ihre regelmäßigen Treffen ab, und einmal im Jahr – in diesem Jahr am 17. und 18. Oktober – findet dort auch die Große Historische Modellbahnausstellung statt, die sich zur größten dieser Art in Deutschland entwickelt hat.

Weitere Informationen unter www.modellbahn-gho.de

www.trixstadt.de und www.maetrix.net

Jacqueline Lorenz

Anzeige
Zahnärzte am Bundesplatz G. RömhildLette Verein BerlinRehbeinTanzschule TraumtänzerBad Meisterei Zock UG haftungsbeschränktDiakoniestation Schöneberg gGmbH

© Gazette Verbrauchermagazin GmbH 2020