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Schöneberger Regenbogenkiez startet Pilotprojekt

Mit Nachtbürgermeister und Nachtlichtern deeskalieren

Infopoint im Regenbogenkiez.
Infopoint im Regenbogenkiez.
Erschienen in Gazette Schöneberg & Friedenau April 2020
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Das schillernde Regenbogenviertel in Schöneberg zieht Menschen aus der Szene und Touristen gleichermaßen an. Aber auch dunkle Gestalten mit Drogenhandel, Kriminalität, Homo- und Transphobie im Gepäck finden den Weg hierher und sind weniger gern gesehene Gäste bei Anwohnern, Club- und Barbetreibern sowie bei Besuchern des Viertels. Ein derzeitiger Brennpunkt im Kiez ist der Bürgerplatz an der Fugger-/Ecke Eisenacher Straße.

In Hinsicht auf die Entwicklung eines neuen Tourismuskonzeptes für den Regenbogenkiez will Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler mit einem zweiteiligen, in Berlin einmaligen Pilotprojekt, das sie und ihr Team erarbeitet haben, die bestehenden Verhältnisse nun verbessern. Wichtige Begleitarbeit dazu leistet der bezirkliche Präventionsrat, der Akteure wie das Bezirksamt, Anwohner, Lokal-Betreiber, Polizei und Ordnungsamt an einen Tisch holt und Probleme offen auf den Tisch bringt.

Den Anstoß für das erst einmal auf zwei Jahre angesetzte Modellprojekt mit „Nachtlichtern“ und „Nachtbürgermeister“ gab eine Reise Schöttlers nach Amsterdam, wo ein ähnliches Projekt mit „Night Mayor“ erfolgreich ist.

Nachtlichter gucken hin, wo andere weggucken

Wenn Bars und Clubs geöffnet sind, bringen weißbejackte „Nachtlichter“ als ein wichtiger Teil des Projektes rund um den Schöneberger Bürgerplatz Licht ins Dunkel. In Zweierteams ziehen sie zwischen 22 und 4 Uhr durch die nächtlichen Kiezstraßen und sind erster Ansprechpartner, wenn Streit und Straftaten drohen.

Dabei haben sie keine Befugnisse wie Polizei und Ordnungsamt; vielmehr handeln sie im Prinzip der sozialen Kontrolle, indem sie Konflikten vorbeugen, drohende Streitigkeiten schlichten und als Ansprechpartner, aber auch ggf. Zeugen präsent sind. Kommen die Nachtlichter an ihre Grenzen, garantiert die Polizei schnelles Einschreiten.

Besonders an Wochenenden, Feier- und Brückentagen, an denen verstärkter Besucherandrang im Regenbogenkiez zu erwarten ist, sind die zwei stets in Kontakt stehenden Deeskalationsteams unterwegs. Dabei ist immer ein Team am Infopoint im extra dafür von visitBerlin auf dem Bürgerplatz zur Verfügung gestellten mobilen Tiny-House (Holz-Minihaus) anzutreffen.

Die Nachtlichter agieren im Auftrag des Bezirksamtes und werden von der SI3 Unternehmergesellschaft organisiert. Finanziert wird dieser Projektteil mit 80.000 Euro aus Fördermitteln.

Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler erklärt dazu: „Mit den Nachtlichtern können wir das Nachtleben im Regenbogenkiez aktiv bereichern und für Anwohnende und Gäste gleichermaßen positiv und sicher gestalten.“

Nachtbürgermeister am Tag gesprächsbereit

Die Nachtlichter stehen in engem Kontakt mit dem am Tag tätigen Team „Nachtbürgermeister“, das ein weiterer Teil des Modellprojektes ist:

Um eine Verbesserung des Klimas im Regenbogenkiez erreichen zu können, ist eine Vermittlung zwischen Club- und Lokalbetreibern aus dem Nachtleben einerseits und Anwohnern andererseits wichtig.

Das Team Nachtbürgermeister ist tags im Einsatz, um Probleme im Regenbogenkiez und im nachbarschaftlichen Miteinander frühzeitig zu erkennen und zu schlichten. Es ist Anlaufstelle, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Erreichbar ist das Team über Telefon 0162 94 30 532 (AB) oder E-Mail nachtbuergermeister@manio.center

Weitere Aufgabe des Nachtbürgermeister-Teams ist es, im Kiez als Schnittstelle zwischen Initiativen, Vereinen, Gewerbetreibenden und Anwohnern zu fungieren und sie miteinander zu vernetzen. Dazu will das Team Gremien rund um den Regenbogenkiez organisieren und aktiv auf die Akteure im Bezirk zugehen, Anregungen aufnehmen und weitergeben.

Das Team Nachtbürgermeister steht im engen Austausch mit Ordnungsamt und Polizei, aber auch mit der neuen Stabstelle Dialog und Beteiligung des Bezirksamtes. So sollen die Interessen von Gewerbetreibenden und Anwohnern zu Entscheidungsprozessen im Regenbogenkiez herangezogen werden.

Dieser zweite Projektteil wird im Auftrag des Bezirksamtes organisiert durch MANEO – Das schwule Anti-Gewalt-Projekt in Berlin und aus Fördermitteln mit 85.000 Euro finanziert.

Bezirksbürgermeisterin Schöttler betont. „Das Team Nachtbürgermeister ist mein direkter Draht in den Regenbogenkiez, von Bezirksbürgermeisterin zu Nachtbürgermeister.“

Jacqueline Lorenz

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