Gazette Verbrauchermagazin

Wort der Bezirksbürgermeisterin

Steglitz-Zehlendorf Mai 2020

Erschienen in Gazette Steglitz und Zehlendorf Mai 2020
Cerstin Richter-Kotowski
Cerstin Richter-Kotowski. Foto: Uwe Steinert

Liebe Leserinnen und Leser,

normalerweise würde ich Ihnen in der Mai-Ausgabe der Gazette einen Überblick über die 68. Steglitzer Woche mit all ihren vielfältigen, auch dezentralen, Veranstaltungen und Bühnen-Highlights geben. Aber es ist eben so gut wie nichts mehr normal in Zeiten dieser Corona-Pandemie-Krise und so haben wir auch die beliebte Steglitzer Woche, die vom 21. Mai bis zum 7. Juni im Park am Teltowkanal geplant war, absagen müssen. Und dies ist nur eine Maßnahme von sehr, sehr vielen zur Eindämmung von Covid 19, von dem Virus, das unser aller Leben in den vergangenen Wochen beherrscht und eingeschränkt hat und auch – bei schrittweiser Lockerung bestimmter Maßnahmen – weiter beherrschen wird: sei es eben durch das Vermeiden von Menschenansammlungen, Kontaktbeschränkungen, Absage kultureller Veranstaltungen, Schließungen von Geschäften, Restaurants und Dienstleistungen u.v.m. Auf der einen Seite in einigen Bereichen enorme Mehrarbeit bis an die Grenzen des Leistbaren, auf der anderen Seite Existenzängste, geschlossene Kitas, Spielplätze, Schulen und Universitäten, auf unbestimmte Zeit verschobene Treffen mit Freunden und Bekannten, abgesagte Familienbesuche, Ängste um die eigene Gesundheit und die seiner Liebsten und und und.

Man hatte oftmals den Eindruck, dass das Leben nahezu stillsteht. Aber der Schein trügt, wenn auch eher unbemerkt hier und da Neues entsteht, Arbeiten vorangehen und Kleinigkeiten unser Auge erfreuen:

So wurde Anfang des vergangenen Monats der Containerbau an der Grundschule am Königsgraben in der Lankwitzer Gallwitzallee fertiggestellt. Nach nur gut vier Monaten Bauzeit entstand dort im Rahmen der Berliner Schulbauoffensive ein hochwertig und optisch ansprechender zweigeschossiger Neubau, der nun die zu erwartenden steigenden Schülerzahlen in diesem Gebiet abfedern kann. Er beherbergt insgesamt vier Klassenzimmer und vier Horträume auf zwei Etagen für ca. 200 Schülerinnen und Schüler. Die hellen und luftigen Räume sind mit Smartboards ausgestattet. Die Treppen sind freischwebend, wodurch Vibrationen vermieden werden. Bei entsprechender Sonneneinstrahlung regulieren sich die Jalousien automatisch und das Erdgeschoss ist barrierefrei mit einer Behindertentoilette.

Und ebenfalls im April begannen in zwei Bauabschnitten die dringend erforderlichen Sanierungsarbeiten zur Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit in der Hildburghauser Straße von der Bezirksgrenze zu Tempelhof-Schöneberg bis Steinheilpfad. Dabei handelte es sich um eine provisorische Ertüchtigung nur der obersten Fahrbahndecke. Diese Arbeiten wurden notwendig, weil sich der Fahrbahnzustand der Hildburghauser Straße ständig weiter verschlechterte und zu befürchten war, dass bis zur endgültigen Instandsetzung der Straße, die voraussichtlich nicht vor 2022 fortgesetzt werden kann, die Fahrbahn nicht mehr durchgehalten hätte.

Und vielleicht ist dem einen oder anderen aufgefallen, dass unsere Brunnen im Bezirk, für deren Kontrolle und Wartung seit 2016 die Berliner Wasserbetriebe im Auftrag der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz zuständig sind, wieder sprudeln? Einer der ersten, mit denen die Brunnensaison eröffnet wurde, war der sogenannte Märchen- oder Zeli-Brunnen am Sderotplatz, unweit des Rathauses Zehlendorf. Dieser außergewöhnlich vielfältig gestaltete bronzene und etwa fünf Meter hohe Zierbrunnen wurde 1982 von der Künstlerin Brigitte Haacke-Stamm geschaffen. Er ist mit unterschiedlichen, ineinander verschlungenen, teils wasserspeienden Tier-, Menschen-, Fabel-und Phantasiegestalten bestückt, darunter z. B. Schildkröten, Frösche, Gänse und Schnecken. In seinem Zentrum steht eine hohe von Schlangen umwundene und mit weiteren Tieren bestückte Stele.

Der Name des Brunnens erinnert übrigens an das einstige Zeli-Kino, das 1918 in der Potsdamer Straße 50 A im Tanzsaal des Lokals „Kaiserhof“ als erstes Kino Zehlendorfs eröffnet wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurde das „Zeli“ teilweise zerstört und -Sie werden es kaum glauben- der Kinobetrieb wurde deshalb 1943 zeitweise in den Bürgersaal des Rathauses ausgelagert, wo er sich bis 1958 als Rathaus Lichtspiele etablierte. Das traditionsreiche „Zeli“ stellte den Spielbetrieb 1972 ein, und 1975-1980 wurde das Grundstück „Zeli-Eck“ neu gestaltet. Der alte Saalbau wurde im Zuge der Umgestaltung abgerissen und heute erinnert nur noch die Kaiserhof-Apotheke mit ihrem Namen an das Lokal „Kaiserhof“.

Im Juni 2009 wurde in Anwesenheit von Delegationen aus den beiden israelischen Partnerstädten Sderot und Kiriat Bialik der bis dahin namenlose Platz, auf dem sich der zuvor beschriebene Brunnen befindet, in Sderot-Platz benannt. Mit dem im Süden Israels in der Negev-Wüste gelegenen Sderot mit seinen knapp 30.000 Einwohnern unterhält Steglitz-Zehlendorf seit 1975 eine internationale Städtepartnerschaft, übrigens der erste offizielle Vertrag zwischen einer israelischen und einer deutschen Gemeinde überhaupt. Bis heute entwickelte sich daraus u. a. ein regelmäßiger Jugendaustausch, aber es fanden auch zahlreiche Bürgerreisen und Begegnungen von Kommunalpolitikern statt.

Zum Abschluss noch eine Bitte: werfen Sie keine Abfälle in die Brunnen. Denn leider erhalten wir als Bezirksverwaltung allzu häufig Hinweise auf entsprechende Verschmutzungen, die arbeitsintensiv beseitigt werden müssen und zum Teil sogar die Funktionalität beeinträchtigen – ganz abgesehen von dem unschönen Erscheinungsbild.

Lassen Sie uns unseren Blick auch an solchen Kleinigkeiten wie sprudelndem, klaren Wasser und sauberen Brunnen erfreuen. Und vor allen Dingen: bleiben Sie gesund!

Ihre
Cerstin Richter-Kotowski
Bezirksbürgermeisterin

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