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Der unerwünschte Prinz

Prinz Albrecht von Preußen musste den königlichen Hof verlassen

Denkmal für Prinz Albrecht von Preußen auf der Mittelpromenade der Schloßstraße in Charlottenburg.
Denkmal für Prinz Albrecht von Preußen auf der Mittelpromenade der Schloßstraße in Charlottenburg.
Erschienen in Gazette Charlottenburg Mai 2020
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Er war das zehnte und letzte Kind der beliebten preußischen Königin Luise. Prinz Albrecht von Preußen (1809 – 1872) war noch nicht einmal ein Jahr alt, als er seine Mutter verlor. Sein Geburtsort war Königsberg – dorthin war die Familie geflohen, als Napoleon Berlin besetzte. Als Prinz, der keine Aussicht auf den Thron hatte, schlug er die übliche Militärlaufbahn ein. So kam er bereits im Alter von zehn Jahren zur preußischen Armee: als Sekondeleutnant in das Garde-Regiment zu Fuß. Seine Laufbahn führte ihn zum General der Kavallerie. In dieser Funktion nahm er an am Krieg gegen Österreich und dem Krieg 1870/71 gegen Frankreich teil und bekam den Orden Pour le Mérite. Trotz dieser Verdienste war er am preußischen Hof nicht erwünscht. Schuld daran war sein Familienleben.

1830 hatte er die Prinzessin Marianne von Oranien-Nassau geheiratet. Sie bekamen fünf Kinder, von denen drei überlebten. Der Hang des Prinzen zu außerehelichen Abenteuern belastete die Beziehung. Nachdem er mit ihrer Hofdame Rosalie von Rauch anbändelte, verließ die Prinzessin im Jahr 1844 ihren Mann. Einer Scheidung wurde anfangs nicht zugestimmt. Weder der preußische, noch der niederländische Hof war damit einverstanden. Erst als Prinzessin Marianne 1848 von ihrem neuen Partner Johannes van Rossum schwanger wurde, durfte die Ehe geschieden werden. Albrecht ging mit Rosalie von Rauch eine morganatische – nicht ebenbürtige – Ehe ein. Als geschiedener Mann, der mit einer nicht standesgemäßen Frau verheiratet war, musste er den preußischen Hof verlassen. Er ließ bei Dresden das Schloss Albrechtsberg erbauen, in dem er mit seiner Familie lebte. Sein Berliner Wohnhaus – das Albrechtspalais – behielt er, später wurde es von seinem gleichnamigen Sohn als Wohnung genutzt. Das Palais wurde 1949 nach Kriegsschäden gesprengt. Das Schloss Albrechtsberg wird für Events wie Konzerte und Hochzeiten vermietet.

Auf der Mittelpromenade der Charlottenburger Schloßstraße steht ein Denkmal für Prinz Albrecht von Preußen, das ihn als General im Deutsch-Französischen Krieg darstellt. Zwei der vier Bronzetafeln auf dem Sockel zeigen Szenen aus dem Krieg. Geschaffen wurde das Denkmal von Eugen Boermel und Conrad Freyberg im Jahr 1901.

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