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Rhoda-Erdmann-Park am Koenigssee

Park nach Berliner Forscherin benannt

Idyllischer Koenigssee.
Idyllischer Koenigssee.
Erschienen in Gazette Wilmersdorf Juni 2020
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2012 erhielt die Grünanlage am Koenigssee im Grunewald den Namen „Rhoda-Erdmann-Park“. Damit wird an eine Wissenschaftlerin erinnert, die als eine der ersten Frauen einen Professorenrang in Deutschland innehatte: Die 1870 geborene Rhoda Erdmann setzte Zeichen in einer fast reinen Männergesellschaft. Erst im Jahr 1896 durften die ersten Frauen das Abitur machen – da arbeitete Rhoda Erdmann bereits als Lehrerin. Schon früh hatte sie sich für Naturwissenschaften begeistert – dieser Weg war Frauen aber bisher verschlossen. Um den ersehnten Hochschulzugang zu erlangen, musste sie eine Oberlehrerprüfung absolvieren. Nach der bestandenen Prüfung studierte sie Zoologie, Botanik und Mathematik an den Universitäten in Berlin, Zürich, Marburg und München. Das geforderte Abitur holte sie 1907 nach. Rhoda Erdmann promovierte 1908 über zytologische Studien an Seeigeleiern und war von 1909 bis 1913 wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Infektionskrankheiten unter Leitung von Robert Koch. Enttäuscht schrieb sie im Jahr 1913: „Diese Krönung (sie meinte die ordentliche Professur) der Ausbildung, die wenige Männer erreichen, kann also heute von den Frauen überhaupt nicht erlangt werden. Für die Frau schließt vorläufig die wissenschaftliche Laufbahn als Biologin mit der Anstellung einer Assistentin oder Abteilungsleiterin ab.” (Quelle: Frauen an der Humboldt-Universität 1908–1998).

Aufenthalt in den USA

Die Frau, die später als Mitbegründerin der experimentellen Zellbiologie in Deutschland galt, zog die Konsequenzen und ging in die USA. Dort erhielt sie eine Stelle als Dozentin für Biologie und arbeitete anschließend für das Rockefeller Institut, wo sie über den Erreger der Geflügelpest forschte. Diese Forschung wurde ihr zum Verhängnis, denn sie wurde verdächtigt, als feindliche Ausländerin die Geflügelbestände der USA als Nahrungsgrundlage vernichten zu wollen. Sie wurde 1919 nach Deutschland abgeschoben.

Professorin in Berlin

Zurück in Berlin baute sie am Institut für Krebsforschung der Charité eine Abteilung für experimentelle Zellforschung auf. Außerdem gründete sie die Fachzeitschrift „Archiv für experimentelle Zellforschung“. 1924 wurde Rhoda Erdmann nichtbeamtete außerordentliche Professorin, die Verbeamtung erfolgte fünf Jahre später. 1933 verhaftete sie die Gestapo unter dem Verdacht, Juden bei der Emigration unterstützt zu haben. Nach Protesten ihrer amerikanischen Freunde und aufgrund der Unterstützung ihres Dekans wurde sie entlassen. Gerüchte, nach denen sie Jüdin sei, kursierten. Das entsprach zwar nicht der Wahrheit, trotzdem durfte sie ab 1934 „aus prinzipiellen Gründen“ keine Vorlesungen mehr halten. Sie starb bereits ein Jahr später. 1997 rief die FU das „Rhoda-Erdmann-Programm“ ins Leben, das wissenschaftlich tätigen Frauen während ihrer Qualifizierungsphase professionelle Unterstützung sichert.

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