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„Kiez-Hausmeister“ bald auch in Tempelhof-Schöneberg?

Projekt aus Neukölln mit Vorbildfunktion

Im Einsatz gegen illegalen Müll: Das Neuköllner Kiez-Hausmeister-Team. Foto: IB
Im Einsatz gegen illegalen Müll: Das Neuköllner Kiez-Hausmeister-Team. Foto: IB
Erschienen in Gazette Schöneberg & Friedenau Juli 2020
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Dreckecken, an denen sich Bürger und Unternehmen unerlaubt ihres Mülls und Unrats entledigen, gibt es in jedem Bezirk. Auch Tempelhof-Schöneberg kann einiges davon erzählen, von Mengen illegal entsorgter Dachpappe aus Gewerbemüll bis hin zum alten Schlafsofa, das nun in einer nahen Grünanlage vor sich hin schimmelt.

Nun hat sich die CDU-Fraktion am Nachbarbezirk Neukölln und seinem vielversprechenden Projekt der „Kiez-Hausmeister“ orientiert. Mit ihrem beschlossenen Antrag will die CDU das Neuköllner Projekt erst einmal begleiten. Antragsteller, der CDU-Verordnete und Sprecher für Gesundheitspolitik und Inklusion sowie für Sozialpolitik Guido Pschollkowski erklärt dazu: „Sofern sich die Neuköllner Kiez-Hausmeister zu einer Erfolgsgeschichte entwickeln, sollten sie zeitnah auch in Tempelhof-Schöneberg geschaffen werden.“ Dreck, Unrat und Müll auf den Straßen und Plätzen, in Parks und Grünanlagen seien auch dort ein großes Problem, das die Menschen bewege.

Der CDU-Antrag war bereits mehrfach im Ausschuss für Bürgerdienste und Ordnungsangelegenheiten sowie im Ausschuss für Stadtentwicklung beraten worden, bevor eine Mehrheit der Bezirksverordneten am 27. Mai 2020 für die Initiative der Union stimmte.

Um den beschlossenen Antrag zügig voranzubringen und Transparenz zu zeigen, soll im Tempelhof-Schöneberger Ausschuss für Bürgerdienste und Ordnungsangelegenheiten regelmäßig über die Begleitung des Neuköllner Projektes Bericht erstattet werden.

Guido Pschollkowski setzt dabei auf Prävention: Zuerst müsse man mit den Bürgern ins Gespräch kommen und möglichst viele erreichen, – als solide Grundlage für ein später auch in Tempelhof-Schöneberg erfolgreiches Projekt der „Kiez-Hausmeister“. – Darüber irgendwann auch die besonders unvernünftigen Müllrowdies erreichen zu können, ist ein wichtiges Projektziel.

Das Problem an der Wurzel packen

Dass ein derartiges Projekt bis zum Erfolg viel Zeit und Geduld benötigt, das bestätigt der Pilotprojekt-Bezirk Neukölln. Projektleiterin Daniela Tadesse vom internationalen Bund (IB) Berlin-Brandenburg, der seit 2019 freier Träger des Projektes „Kiez-Hausmeister“ ist, betont, dass permanente Kommunikation auf allen Ebenen dringend notwendig sei, um ein derartiges Projekt auf stabile und erfolgreiche Beine zu stellen. Sie fährt fort: „Nicht zu verachten ist dabei die Netzwerkarbeit im Social Media-Bereich, über Facebook und Instagram. Das benötigt großen Einsatz. Wir haben extra dafür eine neue Kollegin eingestellt.“

In Neukölln, einem der müllreichsten Bezirke Berlins, sind seit Februar 2019 werktags fünf angestellte „Kiez-Hausmeister“ – zwei Frauen und drei Männer – als Teil der Kampagne „Schön wie wir“ im Bezirk unterwegs. Das Projekt, das 2016 unter der Federführung der damaligen Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey entstand, wird aus dem Senatsprogramm „Saubere Stadt“ finanziert. Die ganz besonderen „Hausmeister“ sind täglich im Gespräch unterwegs, beraten Privatleute und Firmen rund um das Thema Müll, zur Mülltrennung und zur Sperrmüllentsorgung und packen so das Problem illegaler Müllentsorgung an der Wurzel. Entdecken sie selbst eine illegale „Müllhalde“ oder werden sie von Bürgern darauf hingewiesen, fotografieren sie diese und melden sie dem Ordnungsamt. Selbst sammeln die „Kiez-Hausmeister“ auch Utensilien des Drogenkonsums auf, wie Spritzen und Kanülen.

Nachhaltigkeit auf ganzer Linie

Die Kiez-Hausmeister beraten aber auch zur kostenfreien Ausleihe der fünf Lastenfahrräder, die der Bezirk Neukölln zur Verfügung stellt.

Genutzt werden können sie für projektbezogenen Transporte: zum Transport von Müll zum BSR-Betriebshof ebenso wie zur Lieferung eines nicht mehr benötigten Tisches an jemanden, der das Stück noch gut gebrauchen kann.

„Denn auch Nachhaltigkeit spielt im Projekt eine wichtige Rolle“, erklärt Daniela Tadesse. So gibt es in Neukölln immer wieder projektbezogenen Aktionen, die helfen, Müll zu vermeiden oder zu beseitigen, – wie Sperrmüll-Tauschaktionen oder das gemeinsame Kiezputzen. Und auch die Frühjahrs-Aktion zum Baumscheiben-Putz hat viele Anhänger gefunden, die mit dazu beigetragen haben, dass manch vernachlässigte Baumscheibe nun blühend die Stadtlandschaft schmückt.

Aktionen, mit deren Erfolge sich Bürger und Anwohner identifizieren. Diese Identifikation führt dazu, dass sie für ihren Kiez ein stärkeres Verantwortungsbewusstsein entwickeln – bis hin zur durchdachten Müllentsorgung. In Neukölln schreitet die erfolgreiche Etablierung des Projektes „Kiez-Hausmeister“ indessen gut voran. Man darf gespannt sein, was Tempelhof-Schöneberg für sich daraus entwickelt – und bald vielleicht noch weitere Berliner Bezirke?

Denn das Problem „illegaler Müll“ betrifft alle.

Jacqueline Lorenz

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