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Philosophen am ehemaligen Gymnasium

Platon und Aristoteles schmücken historisches Gebäude

Der griechische Philosoph Platon sein Schüler Sokrates.
Der griechische Philosoph Platon sein Schüler Sokrates.
Erschienen in Gazette Wilmersdorf Juli 2020
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Aus den Nischen über dem Haupteingang des ehemaligen Joachimthalschen Gymnasiums an der heutigen Bundesallee blicken die griechischen Philosophen Platon und Aristoteles auf den Besucher herunter. Geschaffen wurden sie von dem Bildhauer Max Klein 1874 – 1908. Der in Ungarn geborene Künstler war einer der ersten Bewohner der Villenkolonie Grunewald.

Der griechische Philosoph Platon (latinisiert Plato) lebte von ca. 428 – 348 v. Chr. in Athen. Er war Schüler von Sokrates, der seine geistige Entwicklung maßgeblich prägte. Das Todesurteil gegen seinen Lehrer sah Platon als Zeichen moralischer Verkommenheit. Nach dem Tod seines Lehrers ging er gemeinsam mit anderen Schülern des Sokrates zunächst zu Euklid von Megara, ebenfalls ein Schüler von Sokrates. Von da aus brach er zu einer Bildungsreise auf, deren Route allerdings umstritten ist. Möglicherweise unternahm er bereits damals seine erste Reise nach Sizilien. Während der Reise besuchte er Gelehrte und begegnete auch dem Tyrannen Dionysios I.. Am Ende dieser Reise geriet er in Gefangenschaft und sollte als Sklave verkauft werden. Er wurde jedoch freigekauft und gründete nach seiner Rückkehr beim Akademeia Hain seine erste philosophische Schule. Aus dieser Schule ging die erste Akademie hervor. Trotz großer Bedenken reiste Platon noch zweimal nach Sizilien. Einmal, um der Einladung von Dionysios II. zu folgen, der jedoch zu Platons Enttäuschung nicht bereit war, einen Staat nach dem Ideal der Philosophenherrschaft einzurichten. Bei der dritten Reise versuchte Platon, bei Dionysios II. eine Begnadigung seines Freundes Dion zu erreichen, was aber misslang.

Platons Schüler Aristoteles lebte von 384 – 322 v. Chr. Er zählt zu den einflussreichsten Naturforschern und Philosophen. Der Sprössling einer Arztfamilie kam mit 17 Jahren an die Akademie von Platon. Dort fing er schon früh an, eigene Werke zu verfassen und nahm eine Lehrtätigkeit an. Nach Platons Tod verließ er die Akademie und wurde Lehrer von Alexander dem Großen. Etwa im Jahr 335 v. Chr. ging er zurück nach Athen, nahm seine Forschung an der Akademie aber nicht mehr auf. Stattdessen forschte und lehrte er mit seinen Schülern an einem Gymnasium, dem Lykeion. Dieses Wort bildet den Ursprung von Lyzeum. Dort gründete er eine eigene Schule. Er beschäftigte sich mit Naturlehre, Rhetorik, Logik, Metapysik, Dichtungstheorie und mehr.

Das Joachimthalsche Gymnasium wurde ursprünglich 1607 als Fürstenschule für begabte Knaben gegründet, die auch in der Schule wohnten. 1656 zog die ursprünglich in Joachimsthal ansässige Schule nach Berlin, da das Schulgebäude während des Dreißigjährigen Kriegs zerstört wurde. 1880 erfolgte der Umzug an die Kaiserallee – die heutige Bundesallee. Von dort zog die Schule aufgrund finanzieller Probleme nach Templin in der Uckermark. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Schulgebäude von der sowjetischen Armee genutzt, die Schule gab es nicht mehr. 2024 soll das Joachimsthalsche Gymnasium in den historischen Gebäuden in Templin als Europaschule wieder öffnen. In dem Berliner Gebäude sind Abteilungen der Universität der Künste untergebracht.

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