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Kleinod aus der Gründerzeit

Der Mexikoplatz zählt zu den schönsten Orten Berlins

1909 hatte der Platz noch keinen eigenen Namen.
1909 hatte der Platz noch keinen eigenen Namen.
Erschienen in Gazette Zehlendorf Juli 2020
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Ein Fest für die Augen, ein Ort, an dem man die Seele baumeln lassen kann: Der Mexikoplatz mit seinen beeindruckenden Häusern aus der Gründerzeit und den gepflegten Grünanlagen lässt die Herzen höher schlagen. Das zauberhafte Kleinod, das seine Ursprünge als Bahnhofsvorplatz hatte, ist immer einen Zwischenstopp wert. In der warmen Jahreszeit laden Bänke zum Verweilen ein und die beiden Springbrunnen bereichern das schöne Bild. Individuelle, zumeist inhabergeführte Geschäfte und mehrere gastronomische Anbieter säumen den Platz, den der samstägliche Wochenmarkt zusätzlich belebt. Anfang der 1980er-Jahre gründete Hartmut Brandstetter (†) die Künstlerstation am Bahnhof. Sie wurde zu einer Erfolgsgeschichte, besonders die Adventskünstlerstation war ein Magnet für die ganze Familie. Heute wird mehrmals im Jahr der Kunsthandwerkermarkt veranstaltet.

Wohnen für Wohlhabende

Angelegt wurde der Mexikoplatz als Vorplatz für den Jugendstilbahnhof. Das Ensemble aus dem 1903 erbauten Jugendstilbahnhof und dem Platz nach den Plänen des Gartenbaudirektors Emil Schubert kann nur als gelungen bezeichnet werden. An dem Bahnhof, der von den Architekten Alfred Lesser und Gustav Hart geplant wurde, hält seit 1905 die Wannseebahn. An dem Baustil des Bahnhofs orientierte sich auch Otto Kuhlmann, der die Wohnhäuser entwarf, die den Platz umranden. Wie bei so ziemlich allen Villenkolonien der Gründerjahre war der Bahnanschluss Voraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg. Dieser dürfte sich am Mexikoplatz schnell eingestellt haben. Auch die Geschäfte am Platz konnten sich über die wohlhabende Kundschaft freuen. Der Zweite Weltkrieg beendete die Idylle. Bomben zerstörten den Platz und er blieb lange ein Provisorium. Immerhin bekam der namenlose Bahnhofsvorplatz 1959 einen eigenen Namen. Die Entscheidung lautete: Mexikoplatz. Möglicherweise wurde dieser Name aufgrund der einmündenden Limastraße und der nahen Bogotastraße gewählt.

Kulturbahnhof und Künstlerstation

Der Bahnhof hingegen war wohl der am meisten umbenannte Bahnhof Berlins. Von anfangs „Zehlendorf Beerenstraße“ erfolgte die Umbenennung in „Zehlendorf West“. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er in „Lindenthaler Allee“ umbenannt – erst 1987 bekam er den Namen Mexikoplatz. Der Platz konnte nach dem Kriegsende nicht an seine frühere Schönheit anknüpfen. Der Bahnhof wurde in den 1980er-Jahren zum Kulturbahnhof. Der Buchhändler Manfred Kannenberg-Rentschler, dessen Geschäft sich im Bahnhof befand, befürchtete einen Rückgang der Kundschaft, als die Reichsbahn die Bahnhöfe schloss. Mit Kulturveranstaltungen brachte er den Bahnhof immer wieder ins Gespräch. Ungefähr zur gleichen Zeit begann Hartmut Brandstetter mit der Organisation der Künstlerstation. Mit dem Verkauf des Bahnhofsgebäudes 2001 endete die Geschichte des Kulturbahnhofs trotz aller Bemühungen der Initiatoren, dieses Angebot aufrecht zu erhalten.

Zurück zur Gründerzeit

Zur 750-Jahr-Feier Berlins gab es für Zehlendorf ein besonderes Geschenk. Der damalige Bezirksbürgermeister Jürgen Klemann setzte sich dafür ein, dass der Platz sein historisches Aussehen weitgehend zurück erhielt. Seitdem präsentiert er sich wieder symmetrisch mit Springbrunnen, Blumenrabatten, in Form geschnittenen Hecken und Bänken. Ein historischer Rauchmelder, ein blauer Briefkasten und die Litfaßsäulen im Stil der Gründerzeit komplettierten das Ensemble. Der Mexikoplatz wird als einer der schönsten Plätze Berlins bezeichnet – zu Recht.

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