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Was macht Norbert Kopp?

Ehemaliger Bezirksbürgermeister ist heute erfolgreicher Hobbyimker

Hobbyimker Norbert Kopp. Foto: Jacqueline Lorenz
Hobbyimker Norbert Kopp. Foto: Jacqueline Lorenz
Erschienen in Zehlendorf Mitte Journal August/September 2020
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Dass es an seinem ehemaligen Amtssitz im Rathaus Zehlendorf manchmal wie im Bienenhaus zuging, kann Norbert Kopp nur bestätigen.

Inzwischen hat sich der Naturfreund auch ohne Rathaus bestens arrangiert, sein Alltag ist straff durchorganisiert. Regelmäßig pendelt er zwischen seiner Wohnung in Steglitz und seinem Kleingarten nahe Ostpreußendamm. Als ausgebildeter Freizeitimker hat er inzwischen alle Hände voll zu tun, um seinen summenden Gartengenossen ein bienengerechtes Insektendasein zu bieten. Sie danken es ihm mit reichlich Honig, die sie von Frühjahr bis Herbst in acht Beuten sammeln. Im vergangenen Jahr lag der Honigertrag seiner Nützlinge für Norbert Kopp bei immerhin 210 Kilo. „Und das, obwohl einige Völker noch nicht ganz entwickelt waren“, erklärt der Bezirksbürgermeister a. D., der 31 Jahre in der Steglitz-Zehlendorfer Bezirkspolitik aktiv war, von 2006 bis 2016 als Bezirksbürgermeister. Am Herzen lagen ihm die Kleingärten mit ihrer Naturnähe schon immer: Nach Abzug der Amerikaner im Jahr 1995 hatte er als Baustadtrat den Erhalt von dreizehn Kleingartenkolonien abgesichert.

Mit seiner Pensionierung erfüllte sich Norbert Kopp den Traum vom eigenen Kleingarten. Reichlich Erfahrungen hatte er im Vorfeld im Gemeinschaftsgarten seiner Wohnanlage sammeln können, in der er für alle Mitbewohner gerngesehener „Gemüse-Lieferant“ ist und zuständig für Tomaten, Zucchini, Mangold & Co. 2016 begann der Naturfreund mit einem ersten Bienenvolk im neu erworbenen Kleingarten. Inzwischen stehen auch vier seiner insgesamt acht Bienenstöcke in der Wohngemeinschafts-Anlage. – Für den leckereren Haus-Honig findet Norbert Kopp begeisterte Abnehmer.

Herr der Bienen

Wer einmal Honig aus Norbert Kopps Hobbyimkerei probieren durfte, der findet nur noch schwer denn für sich passenden Honig in Supermarktregalen: Die Aromen erinnern an einen Frühlings- oder Sommerspaziergang – je nachdem, ob Honig aus der Frühjahrs- oder aus der Sommertracht auf´s Brötchen kommt.

Je nach Frühjahrstemperatur beginnt das Bienenjahr mit dem Reinigungsflug der Bienen, bei dem die Bienen ihre Kotblase entleeren. – Nachbarn sollten dann möglichst die Wäsche reinnehmen.

Danach werden von den Bienen erste Pollen von Frühblühern wie Krokus und Kornelkirsche gesammelt. Mit der Obstblüte der Bäume kommt der Nektar dazu.

„Da meine Bienenstöcke nicht weit von Brandenburger Gebiet entfernt stehen, sammeln die Bienen im Frühjahr auch vermehrt auf den benachbart liegenden Rapsfeldern, so dass der Rapsanteil den Honig dann etwas fester werden lässt“, erklärt Hobbyimker Kopp, der dreimal jährlich Honig schleudert.

Der Honig aus Spätfrühlings- und Sommertracht ist etwas flüssiger und noch aromatischer, da den fleißigen Bestäubern nun eine reich blühende Pflanzenauswahl in Kleingärten, auf Balkonen und in Vorgärten zur Verfügung steht: Rund um würzigen Thymian, duftenden Lavendel und pralle Pfingstrosen herrscht dann ein emsiges Summen und Sammeln. Norbert Kopp, der Bienenkenner, vermag inzwischen sogar zu unterscheiden, welcher Honig aus dem Garten der Hausgemeinschaft und welcher aus seinem Kleingarten stammt. Die Geschmacksunterschiede sind für den geübten Gaumen deutlich.

Erst die Arbeit, dann der Honig

Wenn seine Bienen fliegen, kontrolliert Norbert Kopp alle zehn Tage die Bienenstöcke. Er imkert „deutsch-normal“, mit erweiterungsfähigen Beuten. Eines seiner Völker ist ein eingefangener Schwarm, ein Wirtschaftsvolk hat er aus Hohen Neuendorf, und dann sind da die selbstgezogenen Völker, „Ableger“ der bereits vorhandenen Völker. Pro Volk leben bis zu 50.000 Bienen im Stock.

Wie geht es der Königin? Sind Schwarmzellen angelegt? Sind Waben verdeckelt? Wird es zu eng in der Beute? Sind die Bienen noch mit ihrer alten Königin zufrieden oder ziehen sie in länglicher Zelle eine neue? – Genaues Hinsehen ist angesagt, um möglichst verlustlos durch´s Bienenjahr zu kommen. Norbert Kopp ist der geeignete Herr der Bienen: Korrekt kontrolliert er regelmäßig und erzählt stolz: „Ich habe noch kein Volk meiner Bienen verloren. Aber ich lerne in Sachen Bienen täglich dazu.“ – So auch vor ein paar Wochen, als er in seinen Kleingarten kam und ein Schwarm Bienen im Kirschbaum hing. Es war ihnen wohl zu eng in der Beute geworden. Imker Kopp hatte bei der letzten Kontrolle einige Schwarmzellen am Rande der Zargen übersehen. Also blieb ihm nichts anderes übrig, als den Ausreißern mit Schwarmfangkasten und Kescher zu Leibe zu rücken. Als alle wieder im Kasten waren, gab´s in der Beute neue Leerwaben dazu, damit es den Bienen nicht langweilig und wieder zu eng in ihrer Behausung werde.

Imker Kopp weiß Wichtiges über seine Bienen: Dass im Sommer Flugbienen, die sammeln, auf Grund des höheren Energiebedarfs nur um die sechs Wochen leben, Winterbienen in wärmender Gemeinschaft im Bienenstock hingegen sparen Energie und leben bis zu fünf Monaten. Eine Königin lebt bis zu drei Jahre, dann wird sie vom Volk ausgetauscht – die Natur ist hart. Und sticht doch einmal eine Biene zu, dann schnell den Stachel mit Giftblase entfernen, damit das Gift nicht weiter in den Gestochenen fließen kann.

– Einiges über Bienen sollte man also schon wissen, bevor man sich an´s erfolgreiche Imkern wagt. Wertvolle Unterstützung leistet der Imkerverein. Drei Vereine gibt es im Bezirk: Den Imkerverein Steglitz, in dem Norbert Kopp Mitglied ist und seine Imkerausbildung machte, den Verein Lichterfelde und den Verein Zehlendorf.

Herbstputz

Nachdem die große Sommerpracht mit Lindenblüte durch ist, kümmert sich Norbert Kopp um die Gesundheitsvorsorge seiner Bienen: Mit 60-prozentiger Ameisensäure geht es der Varroa-Milbe, einem gefährlichen Parasit der Honigbiene, an den Pelz.

Ab Oktober füttert der Hobbyimker dann – wenn die eigentlich als Wintervorrat von den Bienen angelegte Honigreserve in Gläsern abgefüllt ist – mit Zuckersirup zu. Da bei Norbert Kopp nicht die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund steht, bezieht er den fertigen Sirup von Zuckerfabrikanten, während Berufsimker aus Kostengründen ihn oft selbst anrühren. Nach dem ersten Frost wird noch einmal Oxalsäure gegen besonders hartnäckige Milben in der Beute versprüht, dann ist Winterruhe.

Doch auch in dieser Zeit gibt es für den Kleingartenfreund Norbert Kopp viel zu tun, denn nicht umsonst gilt sein Garten in der Kolonie als beispielhaftes Vorzeige-Objekt.

Und wenn an Hochbeet, Kompost und in der Laube dann alles getan ist, gibt es für ihn noch die vielen ehrenamtlichen Aufgaben, die er nach seiner Pensionierung angenommen hat: Beispielsweise im Vorstand des Vereins für christlich-jüdische Zusammenarbeit, in der Kirchengemeinde, im Städtepartnerschaftsverein oder in der Bürgerstiftung Steglitz-Zehlendorf und der Gerhard Jaeck Stiftung.

So spricht Norbert Kopp für sich und seine Bienen, wenn er feststellt: „Beschäftigung ist wichtig und tut gut.“

Jacqueline Lorenz

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