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Entdeckungen im Heimatmuseum Zehlendorf

Erschienen in Gazette Zehlendorf August 2020
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Foto: Lothar Beckmann
Foto: Lothar Beckmann

Es lohnt sich, mehr als einmal hinzusehen. Manches, was vom Besucher wenig beachtet wird, hat eine reiche Geschichte. Als „Exponat des Monats“ stellen wir Besonderheiten aus der Dauerausstellung vor.

Das Heimatmuseum Zehlendorf öffnet wieder: Ab Sonntag, dem 9. August, können Sie die Dauerausstellung und die Sonderausstellung über den Grunewald besuchen. Natürlich unter Berücksichtigung aller geltenden hygienischen Auflagen und Abstandsregeln für die Besucher des Heimatmuseums, aber auch für die dort ehrenamtlich tätigen Vereinsmitglieder. Leider können zunächst nur eingeschränkte Öffnungszeiten angeboten werden. Weitere Informationen unter www.heimatmuseum-zehlendorf.de .

Exponat des Monats: Die Handramme

Der eilige Besucher des Heimatmuseums übersieht sie schon mal: die blau-weiße Handramme der Firma Puhlmann. Dabei kann sie viel über die Pflasterscheine und die Handwerksbetriebe in Zehlendorf erzählen. Mit der Handramme, in Norddeutschland auch „Jungfer“ genannt, stampften die Arbeiter im Straßenbau die frisch gelegten Pflastersteine fest.

Bereits 1791 baute man die Landstraße von Berlin über Zehlendorf nach Potsdam als Chaussee aus. 1867 erhielt die Fahrbahn innerhalb Zehlendorfs eine Pflasterung. 1852 wurde die Chaussee nach Teltow angelegt, die innerhalb Zehlendorfs ebenfalls gepflastert war. Viel Arbeit für die Pflasterer brachte die Erweiterung des Dorfes nach Süden in den 1870er- und 1890er-Jahren. Damals entstanden die Anhaltiner-, Burggrafen-, Hohenzollern-, Ahorn-, Düppel- und Neue Straße.

Steinmetzmeister Gottfried Puhlmann (1862-1938) machte sich 1893 in Zehlendorf selbständig. 1898 erfolgte die Eintragung der Firma Gottfried Puhlmann ins Handelsregister der Industrie- und Handelskammer. Seine erste Pflasterer-Truppe bestand aus 13 Arbeitern. Neben öffentlichen Straßen waren private Höfe und Zufahrten zu den Häusern und Villen der neuen Bewohner zu pflastern. Die Pflasterung von Gehwegen mit Mosaiksteinen, 1883 erstmals genannt, setzte sich überall durch.

Im Ersten Weltkrieg und danach gab es keine Aufträge für die Steinsetzer. Die Firma Gottfried Puhlmann gab sich eine neue Gesellschaftsform. Die Offene Handelsgesellschaft (OHG) von 1929 war die Grundlage für später erfolgte Geschäftserweiterungen, für Fusionen und die Ausdehnung auf Standorte außerhalb Zehlendorfs. Als der Straßenbau zwischen 1933 und 1940 vorangetrieben wurde, wuchs das Geschäftsvolumen in nie wieder erreichtem Ausmaß. Die zu Reichsstraßen umgewandelten und ausgebauten Provinzstraßen erhielten Kleinsteinpflaster-Fahrbahnen, zum Beispiel die Reichsstraße 1, in Zehlendorf also die Berliner Straße, die Potsdamer Straße und Chaussee.

Die Firma Gottfried Puhlmann Holding GmbH und Co. KG hat ihren Sitz nach wie vor in Zehlendorf, in der Potsdamer Straße 16/17. Im Heimatmuseum ist die Firma Puhlmann mit einem Pflasterhammer und der Handramme präsent. Beide Werkzeuge sind Zeichen eines traditionsreichen Handwerks.

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