Gazette Verbrauchermagazin

Gedächtniskirche feiert Jubiläum

Das Gotteshaus wurde vor 125 Jahren eingeweiht

Erschienen in Gazette Charlottenburg September 2020
Anzeige
KneffelRehbein
Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche
Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche

Drei Gedächtniskirchen ließ der von Kaiser Wilhelm II. ins Leben gerufene Evangelische Kirchenverein bauen: Die Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche im Andenken an seinen Vater befindet sich am heutigen Hansaplatz. Allerdings als Neubau, das Original wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Die Kaiserin-Augusta-Gedächtniskirche für seine Großmutter – heutige Gnadenkirche – steht an der Invalidenstraße. Die bekannteste ist die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche auf dem heutigen Breitscheidplatz, die Wilhelm II. zum Andenken an seinen Großvater bauen ließ. Darüber hinaus baute der Evangelische Kirchenverein zwischen 1884 und 1908 allein in Berlin 38 neue Kirchen. Der Beschluss für die Gründung des Evangelisch-Kirchlichen Hilfsvereins kam auf der sogenannten Waldersee-Versammlung zustande. Dort hatte der damalige Prinz Wilhelm „Einsatz gegen die Verwahrlosung der Massen“ und die „Zurückführung der glaubenslosen Menschen zum Christentum und zur Kirche und damit zur Anerkennung der gesetzlichen Autorität und der Liebe zur Monarchie“ gefordert, um damit „der drohenden Gefahr von Seiten der Sozialdemokratie und des Anarchismus entgegenzutreten“. So sollte die zunehmende Abkehr der Bevölkerung von der Kirche gestoppt und der Rückhalt der Herrschenden gestärkt werden.

Betonung der Herrscherwürde

Den Bauplatz für die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, die nach Plänen von Franz Heinrich Schwechten erbaut wurde, gab der Magistrat der Stadt Charlottenburg nicht gerne her. Für das Filetgrundstück am aufstrebenden Kurfürstendamm waren lukrativere Bauten geplant als eine Kirche. Doch der Kaiser setzte sich durch. Die monumentale Kirche im romanischen Stil mit dem mächtigen Turm und zwei Nebentürmen wurde zunächst am 1. September 1895 eingeweiht, zu diesem Zeitpunkt war der Chor fertig. Erst 1906 war der gesamte Kirchenbau mit der kompletten Innenausstattung abgeschlossen. Im Innenraum befanden sich unter anderem 1500 Sitzplätze, eine Loge für die kaiserliche Familie und einer Vielzahl von Mosaiken, von denen viele die Hohenzollern zeigen, um die von Gott gegebene Herrscherwürde zu betonen. Nur zwölf Jahre später war das Kaiserreich Geschichte.

Mahnmal in der City West

Im Zweiten Weltkrieg, genauer gesagt in der Nacht vom 22. auf den 23. November 1943 wurden die Kaiser-Wilhelm Gedächtniskirche und ihre Umgebung von zahlreichen Bomben getroffen. Die Kirche wurde stark beschädigt. Der achteckige Hauptturm stand nur noch zur Hälfte. Die Berliner tauften ihn schnell „Hohler Zahn“. Eine Diskussion um Abriss oder Wiederaufbau begann. Schließlich blieb die Ruine als Mahnmal stehen, neben ihr entstand die neue Gedächtniskirche nach Plänen von Egon Eiermann.

Feierlichkeiten zum Jubiläum

Zur Feier des 125. Bestehens der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche organisiert die Gemeinde verschiedene Veranstaltungen:

Bis Sonntag, 6. September, abends: Per Laser werden die ursprüngliche Form des Turms und die alte Fensterrosette visualisiert.

Bis Freitag, 4. September: Thematische Friedensgebete und Abendandachten in der Kirche, Kirchen- und Turmführungen sowie 30-minütige Orgelmusiken in der Kirche.

Donnerstag, 3. September, 19 Uhr: Vortrag und Lesung zum Romanischen Café im Literaturhaus Berlin, Fasanenstraße 23, 10719 Berlin. Eine Anmeldung unter kw125@gedaechtniskirche-berlin.de ist unbedingt erforderlich.

Samstag, 5. September tagsüber: Kirchencafé vor der Kapelle sowie Kirchen- und Turmführungen. Um 18 Uhr findet ein Orgelkonzert mit Christoph Schöner mit Werken von Bach und französischer Orgelromantik statt. Für das Konzert ist eine Anmeldung unter kw125@gedaechtniskirche-berlin.de unbedingt erforderlich.

Sonntag, 6. September, 10 Uhr: Festgottesdienst in Kirche und Gedenkhalle, per Videoübertragung miteinander verbunden und als Livestream online erlebbar. Anschließend Begegnungsmöglichkeiten im Freien. Kirchen- und Turmführungen. Eine Anmeldung unter kw125@gedaechtniskirche-berlin.de ist unbedingt erforderlich.

Sonntag, 6. September 18 Uhr: Friedensgottesdienst in der Kirche mit dem Kammerchor Karlshorst. Eine Anmeldung unter kw125@gedaechtniskirche-berlin.de ist unbedingt erforderlich.

Teilnahme am Tag des offenen Denkmals

Samstag, 12. September von 13 bis 21 Uhr stündlich Führungen ins Innere der Turmruine. Um 13, 15, 16, 17, 19, 20 und 21 Uhr Führungen unter dem Motto „Blaues Licht“ in den Gang zwischen den Glaswänden der Kirche von Egon Eiermann. Außerdem eine Orgelführung um 20.15 Uhr. Anmeldung für die Führungen unbedingt erforderlich bis 10. September unter fuehrungen@gedaechtniskirche-berlin.de.

Sonntag, 13. September von 12 bis 16 Uhr stündlich Führungen ins Innere der Turmruine und Führungen unter dem Motto „Blaues Licht“ in den Gang zwischen den Glaswänden der Kirche von Egon Eiermann. Außerdem eine Orgelführung um 13.15 Uhr. Anmeldung für die Führungen unbedingt erforderlich bis 10. September unter fuehrungen@gedaechtniskirche-berlin.de

© Gazette Verbrauchermagazin GmbH 2020