Gazette Verbrauchermagazin

Aktuelles von der Gartenarbeitsschule

Abwechslungsreiches Gartenvergnügen zu allen Zeiten

Lernen vor dem Schöneberger Weinberg.
Lernen vor dem Schöneberger Weinberg.
Erschienen in Gazette Schöneberg & Friedenau Oktober 2020
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Vielerorts kamen Aktivitäten in den vergangenen sechs Monaten ganz zum Erliegen.

Nicht so in der Gartenarbeitsschule Tempelhof-Schöneberg. Ihr engagiertes Team arbeitete auch in den heißen Corona-Wochen, unterstützt von selbstlos engagierten ehrenamtlichen Lehrern. Sie entwickelte attraktive Unterrichts- und Lernangebote mit Arbeitsmappen, organisierte erstmals den Ferienkurs „Vom Beet auf den Teller“ und steckte viel Energie in die im Jahr 1922 ins Leben gerufene Gartenarbeitsschule mit Freilandlabor.

Die Früchte daraus sind nun nicht nur am Schöneberger Weinberg erntereif, auch in den langsam kälter werdenden Tagen gibt es für Klein und Groß aus dem Bezirk auf der über zwei Hektar großen Anlage viel Interessantes zu entdecken, zu gärtnern oder aus Naturmaterialien zu basteln und zu bauen.

Gartenparadies dank engagierter Mitarbeiter

Schlendert man an letzten warmen Herbsttagen über die Streuobstwiesen der Gartenarbeitsschule, recken zwischen alten knorrigen Apfel- und Birnbäumen hier und da auch junge Bäume ihre noch dürren Äste in den Himmel. Bald schon werden sie knackige Walnüsse und süße Kirschen spendieren, die dann in manchem Kindermund verschwinden. Susanne Müller-Kahl, Leiterin der Arbeitsschule, erklärt, überwiegend Obstbäume wie Apfel, Birne, Pflaume, Kirsche und Walnuss würden im Baumwechsel nachgepflanzt, an deren reifen Früchten kleine Leckermäulchen Spaß haben. Viel Mühe werde aber auch darauf verwendet, die alten Bäume zu erhalten. Vermehrt weisen sie aus den letzten heißen Sommern resultierende Trockenschäden auf, so dass die Bäume auf der Anlage nun regelmäßig gewässert werden.

Am Boden raufen Wespen um reife Äpfel und Birnen. „Wir lassen das Obst abfallen, ernten es nicht vom Baum. So ist es wenigstens richtig reif, wenn wir es gemeinsam mit unseren jungen Gartenbesuchern zu Saft verarbeiten“, erklärt die mit einer 15-Stunden-Stelle verpflichtete Arbeitsschulleiterin, die außerdem als Gymnasiallehrerin der Fächer Französisch und Biologie am Rheingau-Gymnasium lehrt. – Wie viele Stunden ehrenamtlich sie aber zusätzlich in die Gartenarbeitsschule steckt, kann man nur erahnen. Mit ganzem Herzen ist sie dabei, hat als Kind der Mutter beim Gärtnern im Braunschweiger Garten oft über die Schulter geschaut und daraus vieles für ihren eigenen Garten im Tegeler Saatwinkel und für die Gartenarbeitsschule mitgenommen.

Ihre Aufgaben auf der Tempelhof-Schöneberger Gartenanlage sind vielfältig. Da gibt es zu organisieren, zu berechnen, neue Kräfte einzuarbeiten, Schul- und Hortklassen einzuweisen. Und ganz nebenbei – ganz Lehrerin – gibt sie Kita-Kindern da auch noch den ein oder anderen wertvollen Tipp beim Malen von Kaninchen und Hühnern nach lebenden Vorbildern in den Freigehegen.

Mit dem Rasenmäher an diesem Morgen zwischen den Schau- und Patenbeeten unterwegs ist Gartenmeister Manfred Höppner aus Beelitz, der gemeinsam mit zwei Gärtnerinnen auf der Anlage angestellt ist. Seit 1989 ist er dabei und sagt noch immer: „Jeder Tag hier ist besonders.“

Es gibt hier stets zu tun, zu wenig Personal steht der Gartenarbeitsschule derzeit zur Verfügung, weshalb sich die Leiterin gerade an Bezirksstadtrat Oliver Schworck gewandt hat. Zwar habe die Arbeitsschule in diesem Jahr mehr Honorar- und Sachmittel erhalten und nun ein gutes Budget, das die Einrichtung weiterer Kurse erlaube, aber wichtige Zusatzkräfte wie FÖJler (Absolventen eines Freiwilligen ökologischen Jahres) und MAE-Kräfte (Hartz-IV-Empfänger, die in öffentlichen Anlagen eingesetzt werden), auf die sich das Schulamt bei seiner Stellenplanung verlasse, fehlten dennoch, betont Susanne Müller-Kahl. Sie seien zwar bewilligt worden, doch die Zuweisung fehle.

Die drei festangestellten Gärtner geraten damit an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Neben der Pflege der Anlage, zu der Bewässerung, Mähen und Betreuung zählen, kümmern sie sich um immer wieder auftretende Fragen der kleinen und großen Besucher.

Viele der kleinen Gäste müssen erste wichtige Grundlagen lernen: Wie hält man einen Spaten, wie stellt man die Harke richtig ab oder warum schneidet das Messer nicht? Fragen gibt es da genug, weiß Manfred Höppner und erzählt: „Beim Obstschneiden kommt es immer wieder mal vor, dass ein Kind fragt, warum sein Messer nicht schneidet. Ich erkläre ihm dann erst einmal, dass eine Messerklinge eine stumpfe und eine scharfe Seite zum Schneiden hat.“

Gärtnern, Lernen, Genießen

Groß und Klein finden in der Gartenarbeitsschule viele spannende Lernbereiche: Beete, den Teich, Bienenhaus und Schmetterlingsabteilung, aber auch Barfuß-Schnecke, Gewächshaus, Klassenzimmer und Küche. Und natürlich gibt es auch den Spielplatz zum Toben – derzeit von Gruppen oder Klassen nur einzeln zu nutzen.

Besonderen Wert legt Susanne Müller-Kahl darauf, die Gartenarbeitsschule auch zukünftig überwiegend kleinen und großen Menschen aus dem Bezirk und der Umgebung der Anlage zu öffnen, aber auch Hilfseinrichtungen wie „VIA“ und „QUERBEET“, die mit großer Begeisterung auf der Schöneberger Anlage gärtnern und eine echte Bereicherung für die Gartenarbeitsschule sind.

Besonders stolz ist die Leiterin auf den Baumlehrpfad, der in den letzten Wochen eine neue, von „Natur im Bild“ nach Wunsch angefertigte Beschilderung und Infotafeln erhalten hat und in drei Stationen aufgeteilt ist. – Die Station der zwölf Stadt-Laubbäume erhält demnächst eine nachhaltige Bewässerung, da die Bäume zu nah an der Böschung zur Autobahn stehen und dadurch nicht genügend Wasser ziehen können. Zukünftig werden sie durch die automatische Bewässerung weniger Trockenschäden erleiden – von der Kastanie bis zur Platane. Da diese Bewässerung überwiegend in den Nachtstunden erfolgen wird, geht deutlich weniger Wasser durch Verdunstung verloren, die bei einer Tagesbewässerung mit dem Schlauch nicht zu vermeiden ist.

Der Schöneberger Weinberg – ein Stück Weinbaugebiet Nahe in Berlin

Bereits erfolgreich im Einsatz ist seit kurzem mit Zeitsteuerung und Feuchtigkeitsmesser ausgestattet ein automatisches, nachhaltiges Bewässerungssystem auf dem Schöneberger Weinberg, welcher der ganz besondere Stolz der Gartenarbeitsschule ist. Im Rahmen gelebter Städtepartnerschaft betreuen den Weinberg der Verein für Förderung des Weinbergs und der Gartenarbeitsschule in Schöneberg e. V. und Winzer des Kreises Bad Kreuznach (Nahe).

Seit 1988 wachsen hier im nördlichsten Teil der Gartenarbeitsschule 200 Rebstöcke der Sorte Riesling auf dem aufgeschütteten und mit einer Trockenmauer eingefassten Weinberg. Die ersten Weinstöcke pflanzte am 11. September 1988 anlässlich des 25-jährigen Bestehens der kommunalen Partnerschaft der damalige Bad Kreuznacher Landrat Hans Schumm gemeinsam mit dem Bezirksbürgermeister Rüdiger Jakesch und der amtierenden Weinkönigin.

In erster Reihe des ideell und materiell durch Spenden unterstützenden Fördervereins stehen auch heute noch die beiden ehemaligen Schöneberger Bezirksbürgermeister Rüdiger Jakesch und Michael Barthel. Zwischen Tempelhof-Schöneberg und Bad Kreuznach findet ein regelmäßiger Austausch mit gegenseitigen Besuchen der Städtepartner statt.

Nach der jährlichen Schöneberger Weinlese im Oktober, bei der auch die amtierende Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler gerne mit Hand anlegt, gehen die Trauben seit 1992 dann im Lkw in den Kreis Bad Kreuznach, wo sie unter fachgerechter Betreuung der Winzergenossenschaft Rheingrafenberg in Meddersheim als edler Riesling-Tropfen „Schöneberger Nahe-Freund“ auf Flaschen gezogen werden. Die Ernte eines Rebstocks ergibt etwa eine 0,7 Liter-Flasche Riesling-Wein, der vom Bezirk nur als besondere Gabe Spendern oder zu besonderen Anlässen kredenzt wird.

Jungfernwein auf Abwegen und Weinbau vor Ort

Vom „Jungfernwein“ aus dem Jahr 1992 existiert lediglich eine Flasche: Beim damaligen Transport der Flaschen nach Berlin wurde vor der Stadt der Lieferwagen samt Inhalt gestohlen – bis auf die eine Flasche, die in der Kreisverwaltung Bad Kreuznach verblieben war. Der Lieferwagen tauchte Wochen später leer wieder auf, der „Jungfernwein“ blieb verschwunden. Seitdem wird der Transport begleitet.

Jährlich ein ganz besonderes Event am Schöneberger Weinberg ist für die Weinpartner und für die Gartenarbeitsschule der Rebschnitt im Januar. Im Rahmen der Berliner „Grünen Woche“ kommt dazu jeweils eine Gruppe aus der Gemeinde der Nahe-Weinkönigin in die Hauptstadt und verbindet das Nützliche mit dem Angenehmen: Dabei führen die Gäste im Weinberg den fachgerechten Rebschnitt durch, begleitet von Alphornbläsern aus der Schöneberger Musikschule. Und auch sonst finden regelmäßig gegenseitige Besuche der Partner statt – für Fachgespräche und zur Pflege der kommunalen Partnerschaft.

Einiges an Arbeit bleibt für die Schöneberger Gärtner der Gartenarbeitsschule, um einem reichen Weinertrag mit reichlich Oechsle den Weg zu ebnen: Zwischen den Rebstöcken müssen immer wieder Gras und Wildkräuter kurzgehalten werden. In diesem Jahr wurden außerdem 35 alte Rebstöcke ausgetauscht, die Pilzbefall und Holzfrüchte aufwiesen. Ihre jungen Nachfolger wachsen in Schöneberg nun zu kräftigen Weinstöcken heran.

Indessen warten pralle Riesling-Trauben auf die diesjährige Lese, Zauneidechsen sonnen sich in letzten warmen Herbstsonnenstrahlen auf der Trockenmauer, und im Büro der Gartenarbeitsschule werden für Groß und Klein die spannenden Kursangebote für die Herbstferien und die kalte Jahreszeit erarbeitet – darunter Basteln mit Naturprodukten und Cyanotypie, auch als Eisenblaudruck bekannt, ein altes fotografisches Edeldruckverfahren mit blauen Farbtönen.

Interessierte finden weitere Informationen, Kurs-Angebote und Anmeldungsmöglichkeiten unter www.berlin.de/ba-tempelhof-schoeneberg/gartenarbeitsschule .

Jacqueline Lorenz

Gartenarbeitsschule Tempelhof-Schöneberg

Matthäifriedhofsweg 15
10829 Berlin

☎ 90277 – 4389

E-Mail gasts@gmx.de

www.berlin.de/ba-tempelhof-schoeneberg/politik-und-verwaltung/aemter/schul-und-sportamt/gartenarbeitsschule/

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