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Gartenarbeitsschule und Freilandlabor Tempelhof-Schöneberg

Natur zum Kennenlernen, Anfassen und Begreifen mitten in der Stadt

Foto: BA Tempelhof-Schöneberg
Foto: BA Tempelhof-Schöneberg
Erschienen in Gazette Schöneberg & Friedenau Mai 2018
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Rund 270 Schulgärten und 12 Gartenarbeitsschulen in Berlin richten sich mit ihrem Angebot an Schüler, um den Umgang mit der Natur und biologische Zusammenhänge anschaulich zu vermitteln.

Darunter auch die Gartenarbeitsschule mit Freilandlabor in Tempelhof-Schöneberg, die in direkter Nachbarschaft zu Kleingärten und dem Schöneberger Südgelände auf rund 22.000 Quadratmeter großem Gelände Arbeitsgarten, Freilandlabor und den Tier- und Spielhof vereint.

Schaubeete zu erkunden, Garten­erde durch die Hände rieseln zu lassen, selbstgezogene Tomaten zu naschen, am Weinberg Schöneberger Beeren zu pflücken oder die Luftsprünge übermütiger Kaninchen zu bestaunen und anschließend auf dem Spielhof rund ums Weidentippi nachzumachen – das alles und viel mehr erwartet Stadtkinder aller Klassenstufen und Schultypen, die diesen grünen, gesunden Lernort als Ausgleich zum oft eher tristen Klassenzimmer-Dasein von März bis Oktober wöchentlich besuchen dürfen. Dabei werden alle Sinne angesprochen, spannende Unterrichtsthemen und biologisch-ökologische Zusammenhänge spielerisch ganz nebenbei behandelt. Mit Mikroskop, Lupe und Kescher geht es da auf die Jagd, an deren Ende interessante Ergebnisse stehen.

Im Arbeitsgarten wollen – fachlich betreut – 18 Schülerfelder beackert werden; im Gewächshaus vorgezogene Pflanzen, Samen und Zwiebeln warten nur darauf, von fleißigen Händen in die kühle Erde gesetzt zu werden, um nach zuverlässiger Pflege stattliche Salatköpfe und knackige Möhren hervorzubringen. Die werden im Oktober gemeinsam geerntet. Da strahlen dann rotwangige Äpfel und saftige Birnen mit Schüleraugen um die Wette, um als leckerer Apfelsaft oder frischer Birnenkuchen aus Küche und großem Lehmofen die kleinen Gärtner für ihre Mühe zu entlohnen.

Vom Frühlingserwachen bis zum Winterschlaf

Zu beobachten, wie Pflanze und Tier über den Winter gekommen sind, steht in diesen Tagen im Vordergrund: Sind schon alle Knospen an den Obstbäumen aufgebrochen oder kündigen sie mit fröhlichem Knallen ihre zarte Blüte erst an? Welche Blüte sieht wie aus, und wozu gehört sie eigentlich? Reckt bereits ein vorwitziger Löwenzahn sein gelbes Köpfchen gen Frühlingshimmel, und wie weit sind die Jungpflanzen in den Gewächshäusern?

Und was tut sich nicht alles im Gartenboden! An warmen Tagen umkreisen hungrige Bienen die Frühlingsblüher, und dicke Hummeln brummen ein fröhliches Lied, begleitet vom melodischen Gesang der Vögel. Teich und Frosch erwachen, und im Tierhof kuscheln sich nackte Kaninchenbabys und flauschige Küken an ihre Mütter. Wie viele Eier legt ein Huhn täglich im Hühnerstall? Und wie oft säugt eine Kaninchen-Mama eigentlich ihre Kinder? – Alles Fragen, die es richtig zu beantworten gilt.

Der Sommer ist nun nicht mehr fern und bietet in Gartenarbeitsschule und Freilandlabor mit seinen über zwanzig verschiedenen Biotopen eine Fülle an freilandbiologischen Angeboten von Teichbeobachtungen über das Kennenlernen von im und am Boden lebenden Tieren bis hin zu Schmetterlingsexkursionen und Kompostuntersuchungen. Zwischendurch locken der kleine Fußballplatz und das Basketballfeld die Älteren und der Spielhügel mit Rutsche und Spielgeräten die Jüngeren zum Kräftemessen.

Gleichgewichtssinn kann auf dem Balancierpfad trainiert werden, außerdem soll der geologische Aspekt dabei nicht zu kurz kommen. Dass dabei nicht die Zeit vergessen wird, dran erinnert die Sonnenuhr. Der Paläontologische Lehrpfad liefert währenddessen auf einer Länge von 60 Metern Wegstrecke mithilfe von Info-Tafeln einen Überblick der erdgeschichtlichen Epochen der letzten 600 Millionen Jahre.

Ist der Herbst gekommen, kann man besonders gut das Sozialverhalten der nützlichen Honigbiene beobachten und endlich die Früchte des Sommers ernten, zubereiten und genießen. Dabei lernen die jungen Besucher Wichtiges über gesunde Ernährung und Heilpflanzen, wovon die Natur reichlich bereithält – besonders auf der Wildblumenwiese.

Im Winter schließlich warten die drei beheizten Klassenräume als Werk- und Bastelräume darauf, dass an ihrem großen Arbeitstisch mit Säge und Schraubstock Vogelhäuschen und gemütliche Nistkästen für die gefiederten Freunde gezimmert werden. Draußen aber ist es nun besonders spannend, wenn im Schnee Tierspuren gelesen werden.

Vom Samen zur blühenden Pflanze

Im Jahr 1922 wurde die Gartenarbeitsschule Tempelhof-Schöneberg im Rahmen der Reformschulbewegung initiiert vom Reformpädagogen Friedrich Haak gegründet. Zuerst hatte sie ihren Sitz am Auguste-Victoria-Krankenhaus, der 1924 an den Sachsendamm verlegt wurde.

Nach der Einführung des verbindlichen Gartenarbeitsunterrichts und unter wechselnder Leitung entwickelte sich das Gelände um 1952 zum Versorgungsgarten mit hohen Erträgen an Gemüse und Obst.

Mit dem Bau des Südgüterbahnhofes drohte der Gartenarbeitsschule 1979 die Schließung, die dann jedoch aufgehoben wurde.

1986 vielmehr erfuhr sie mit der Erweiterung auf 20.200 Quadratmeter, dem Bau des Gewächshauses und Einbau einer Zentralheizung einen Wachstumsschub.

1987 – bereits unter Leitung von Norbert Winkler – kamen Freilandlabor und Grünlandpavillon dazu, Gebäude und Gartenflächen wurden saniert.

Zusätzlich wurden wenig später Lehrerinnen angestellt, um die Unterrichtsangebote ausbauen zu können, und der Weinberg wurde angelegt.

1995 kamen im Autobahnbereich 1.000 zusätzliche Quadratmeter hinzu, so dass ein Baumlehrpfad angelegt werden konnte. Ein Jahr später wurden die sanitären Anlagen saniert unter Einbau einer Heizung.

1997 wurde der Förderverein der Gartenarbeitsschule gegründet, der u. a. auch die regelmäßige Pflege des Weinberges übernommen hat. Damit trägt er zu besseren Lern- und Arbeitsmöglichkeiten der Schüler bei. Er unterstützt die Partnerschaft zum Kreis Bad Kreuznach und trägt aktiv zur Gestaltung des jährlichen „Tag der offenen Tür“ bei.

Seit 1998 konnte das pädagogische Angebot stetig erweitert werden, Lehrerfortbildungen kamen hinzu sowie 1999 der Tier- und Spielhof.

Wenig später wurde Hühnerhaltung hinzugenommen, das Lehmhaus konnte fertiggestellt werden.

Mit der Fusion der Bezirke Tempelhof und Schöneberg im Jahr 2001 wurde das Bienenhaus errichtet, vier Jahre später gesellte sich Kaninchenhaltung dazu.

Nach 2010 bereicherten Sonnenuhr, Balancierpfad, Teepflanzen- und Hochbeet das Gelände; das Lehmhaus erhielt eine Heizung.

Seit 2015 obliegt die Leitung der Gartenarbeitsschule Susanne Müller-Kahl, mit der auch weitere Angebote Einzug hielten.

Seit 2016 ist die Sicherung der Gartenarbeitsschulen mit der Verankerung im Schulgesetz gegeben, so dass Sondermittel eine Ergänzung der Ausstattung ermöglichen.

So trugen im vergangenen Jahr u. a. bauliche Sanierungen sowie die Errichtung einer Schülerwerkstatt und eines Lehmofens zum weiteren Aufschwung der Einrichtung bei.

Ausgearbeitete Unterrichtshilfen zu zahlreichen Unterrichtsthemen liegen zu jeder Jahreszeit bereit. Um rechtzeitige Anmeldung zu Gartenarbeit und Nutzung der Angebote wird gebeten.

Siehe auch das „Wort der Bürgermeisterin“ auf Seite 3 mit Hinweis zum „Tag der offenen Tür“ am 13. Mai 2018!

Jacqueline Lorenz

Gartenarbeitsschule und ­Freilandlabor Tempelhof-Schöneberg

Matthäifriedhofsweg
10829 Berlin

Informationen und Anmeldungen:
Telefon: 030 – 90277-4389

E-Mail: gasts@gmx.de

www.berlin.de/ba-tempelhof-schoeneberg/gartenarbeitsschule

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