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Jagdschloss mit wechselhafter Geschichte

Vom Großen Kurfürsten zur Sozialpädagogischen Fortbildung

Erschienen in Wannsee Journal Juni/Juli 2018
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Wo heute Sozialpädagogen lernen, traf sich der Adel früher zur Jagd. Das Jagdschloss Glienicke – nicht zu verwechseln mit dem Schloss Glienicke auf der gegenüberliegenden Seite der Königstraße – wurde ab 1682 erbaut. Bauherr war der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620 – 1688). Die Fertigstellung des Jagdschlosses erfolgte allerdings erst fünf Jahre nach seinem Tod. Neuer Besitzer war Friedrich I., der das Schloss gemäß dem Zeitgeschmack im Stil des Französischen Barock umgestalten ließ. Dessen sparsamer Sohn Friedrich Wilhelm I. nutzte das Gebäude als Lazarett. Auch sein Nachfolger, der legendäre Alte Fritz, hatte mit dem Jagdschloss im abgelegenen Glienicke nicht viel im Sinn. Sein bevorzugter Wohnsitz war Potsdam. Der Herrscher verschenkte das Schloss an Isaac Levin Joel, einem Wachstuch- und Tapetenfabrikanten. Der ließ dort seine Waren produzieren. Nach dem Tod des Fabrikanten verkauften die Erben das Schloss. Käufer war Wilhelm von Türk. Er mache aus dem Gebäude ein Waisenhaus.

Rote Fahne über weißem Schloss

1859 kam das Jagdschloss zurück in Adelshand. Prinz Karl von Preußen, der im Schloss Glienicke residierte, ließ das Jagdschloss für seinen Sohn Prinz Friedrich Karl umbauen. Dieser lebte hier bis zu seinem Tod im Jahr 1885. Das Schloss vererbte er an seinen Sohn Friedrich Leopold. Der zog sich durch viele Eskapaden den Unwillen des Adels zu. Zuletzt, als er, um Plünderungen zu verhindern, im Jahr 1918 die rote Fahne über dem Schloss hisste. 1919 siedelte der Prinz in die Schweiz über. Das Schloss begann zu verfallen.

Zankapfel gläserner Anbau

Im Jahr 1939 übernahm die Stadt Berlin das Gebäude. Zunächst diente das Jagdschloss als Lager für den Fundus der nahen Filmstudios Babelsberg. Nach Kriegsende brachte man dort Familien unter, deren Wohnungen wegen der Potsdamer Konferenz geräumt wurden. Anschließend wurde es als Jugendherberge genutzt. Besonders der Regierende Bürgermeister von Berlin, Ernst Reuter, setzte sich dafür ein, dass das Jagdschloss instand gesetzt wurde. Von 1964 bis 1985 war es eine Jugendbegegnungsstätte. In diese Zeit fällt auch der gläserne Anbau von Max Taut. Da das Jagdschloss von seiner alten Zufahrt von Klein-Glienicke aus abgeschlossen war, hatte man den Eingangsbereich verlegt und mit dem gläsernen Anbau versehen. Der Anbau war nach der Wende lange umstritten. Nach vielen Diskussionen blieb er jedoch bestehen. Seit 2003 dient das Jagdschloss als Sitz für das Sozialpädagogische Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg. Das Schloss und der ihn umgebende Park sind als Gesamtanlage in die Denkmaldatenbank des Landes Berlin eingetragen. Der Park ist für die Öffentlichkeit teilweise noch zugänglich.

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