24.09.2024: Wer war Johann Christian Gottfried Dressel (1751-1824)? Der ehemalige Pfarrer von Charlottenburg ist heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Fast 250 Jahre ist es her, dass er sein Pfarramt in der lutherischen Kirchengemeinde Charlottenburg (der heutigen Luisen-Kirchengemeinde) antrat: im Oktober 1778. 46 Jahre übte er sein Amt als Prediger aus, bis zu seinem Tod vor 200 Jahren, am 16. Oktober 1824. Dressel gehört sicherlich zu den bedeutendsten Pfarrern in der Charlottenburger Geschichte, denn in dieser Zeit hat er nicht nur in seiner Gemeinde, sondern auch in „seiner“ Stadt viel bewirkt und dazu beigetragen, dass sich Charlottenburg von einer ländlichen Ackerbürgerstadt zu einer von der Aufklärung geprägten, bürgerlichen Kleinstadt entwickelte.

Besonders wichtig war ihm die Bildung der Kinder. Mit dem Schulwesen sah es, als er sein Amt antrat, ziemlich „elendig“ aus und er reformierte es innerhalb von wenigen Jahren grundlegend. Er stellte ausgebildete Lehrer ein, sorgte für deren angemessene Bezahlung und bildete unterschiedliche Schulklassen. Dressel war ein Mann, der Probleme erkannte und sie löste, und verbesserte so die Lebensverhältnisse der Menschen in seiner Gemeinde. Er verschaffte der Kirche eine neue Orgel, sorgte für den Bau des ersten Schulhauses und eines Armenkrankenhauses und legte den neuen Friedhof in der Guerickestraße an.

Bekannt ist uns Dressels Leben und Wirken aus seinen Handschriften, die er der Nachwelt hinterlassen hat. In zwei Chroniken beschrieb er die Geschichte der Kirchengemeinde und der Stadt Charlottenburg: die Pfarrchronik von 1813 und die Stadtchronik von 1816/17. Die Pfarrchronik befindet sich im Besitz der Luisengemeinde, die Stadtchronik im Bestand des Verwaltungsinformationszentrums (VIZ), der Verwaltungsbibliothek des Bezirksamtes. Darüber hinaus besitzt das VIZ auch die ersten beiden Bände seiner Tagebücher von 1751 bis 1778. Seine sehr lebendig geschriebenen Werke sind authentische Zeugnisse des Alltags der Menschen vor rund zwei Jahrhunderten.

Heute erinnert noch eine Gedenktafel am Pfarrhaus Gierkeplatz 4 an sein Leben. Auch die kleine Dresselstraße und der Dresselsteg am nördlichen Ausgang des S-Bahnhofes Messe Nord / ICC erinnern an den Pfarrer. Seine Verdienste für Stadt und Gemeinde würdigt der Bezirk aus Anlass seines 200. Todestages. Das Projekt wird gefördert vom Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, von der Senatsverwaltung für Wirtschaft und dem Freundeskreis der Luisenkirchengemeinde.
Weitere Informationen und Aktuelles finden Sie unter: dressel-in-charlottenburg.de/.
Thomas Wolfes