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„Im Moment“ und „Was war Europa“

Kunsthaus Dahlem mit zwei neuen Ausstellungen

Ewald Mataré: Kleine Liegende Kuh (1929), Copyright: Museum Kurhaus Kleve – Ewald Mataré-Sammlung, Kleve, Deutschland.  Foto: Annegret Gossens, Kleve, VG-Bild-Kunst, Bonn 2018.
Ewald Mataré: Kleine Liegende Kuh (1929), Copyright: Museum Kurhaus Kleve – Ewald Mataré-Sammlung, Kleve, Deutschland. Foto: Annegret Gossens, Kleve, VG-Bild-Kunst, Bonn 2018.
Erschienen in Dahlem & Grunewald Journal Oktober/November 2018
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Das Kunsthaus Dahlem hat in den nächsten Monaten gleich zwei Ausstellungen in ihren Räumen am Käuzchensteig 12. „Im Moment“ zeigt Werke des Künstlers Karol Broniatowski. Das künstlerische Schaffen des Bildhauers Karol Broniatowski, geboren 1945 in Łódź, kreist um die figürliche Plastik. Ausgehend vom künstlerischen Material liegt sein Interesse auf dem Prozessualen, der Haptik und dem Erleben von Skulptur.

Die Ausstellung „Im Moment“ zeigt aktuelle Bronzeskulpturen und großformatige Gouachen. Werkgruppen zu klassischen Bildhauerthemen wie „Kontrapost“ und „Wappenträgerin“ beginnen mit einem spontanen Moment, werden weiter bearbeitet und in verschiedene Situationen geführt.

Karol Broniatowski studierte 1964-1970 Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in Warschau. Mit seiner Abschlussarbeit „Zeitungspapierfiguren“, einer Gruppe lebensgroßer schreitender Figuren aus Pappmaché, erregte er erste Aufmerksamkeit und wurde 1972 als Vertreter Polens zur 26. Biennale in Venedig eingeladen. Nationale und internationale Ausstellungen und Auslandsaufenthalte machten ihn zu einem der wichtigsten polnischen Bildhauer seiner Zeit.

Als Stipendiat des DAAD bezog Broniatowski 1976 ein Atelier in den heutigen Räumen des Kunsthaus Dahlem. Dort nahm er den Zyklus „Big Man“ auf, den er im gleichen Jahr im Neuen Berliner Kunstverein zeigte. Es folgten konzeptuelle, handlungsbasierte Arbeiten, wie 1978 die Weiterführung der „Big Man“-Serie und die Vorführung der Zahlen 1 bis 93 als Morsealphabet, entsprechend der Anzahl der Einzelfiguren innerhalb der Skulpturengruppe. Ferner beschäftigte Broniatowski sich mit der Idee einer auf- und abbaubaren Skulptur, die den bildhauerischen Prozess verdeutlichen sollte. Sie markierte 1981 den Beginn seiner Arbeit in Bronze, der als Hauptwerke die „Gruppe 93“ oder die großen „Schreitenden“ angehören. Auch im öffentlichen Raum realisierte Broniatowski skulpturale Arbeiten, unter anderem 1991 das „Mahnmal für deportierte Juden Berlins“ am S-Bahnhof Grunewald und 1996 „Fuß von Bendern“ für die LGT Bank in Liechtenstein.

Die Ausstellung wird bis zum 5. November 2018 gezeigt.

„Was war Europa?“

Die zweite Ausstellung trägt den Titel „Was war Europa?“. Die erstmals im Jahr 1950 in München eröffnete Ausstellung „Werke Europäischer Plastik“ war der erste Versuch deutscher Bildhauer nach 1945, sich in einen direkten Vergleich zur westeuropäischen Moderne zu stellen.

Gezeigt wurden in dieser ersten europäischen Schau über 70 Werke von 35 deutschen sowie elf französischen, englischen, italienischen und schweizerischen Bildhauern, darunter so prominente Vertreter ihres Faches wie Henry Moore und Aristide Maillol. Im Rahmen der Ausstellung „Was war Europa?“ werden die Werke der Münchner Schau – sofern sie zu identifizieren sind und auszuleihen waren – erneut versammelt. Die Ausstellung stellt dar, wo sich die junge Bundesrepublik aus Sicht der Münchner Bildhauer im internationalen, westeuropäischen Kontext verortete.

Anhand von rund 40 Skulpturen zeigt die Ausstellung „Was war Europa?“ nicht nur die Vielfalt bildhauerischen Schaffens in einer figurativen Formensprache nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, sie lässt auch die Kunst- und Künstlergeschichte des ersten Nachkriegsjahrzehnts und die Bemühungen um eine Wiederanbindung an eine internationale, westeuropäische Moderne Revue passieren. Berühmte, aber auch weniger bekannte Bildhauerinnen und Bildhauer, darunter Ernst Barlach, Hermann Blumenthal, Wilhelm Lehmbruck, Priska von Martin, Toni Stadler und andere sind mit Werken aus öffentlichen Sammlungen und aus Privatbesitz vertreten. Zahlreiche Arbeiten werden erstmals seit 1950 wieder der Öffentlichkeit präsentiert.

Die Ausstellung ist bis zum 2. Juni 2019 zu sehen.

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