Gazette Verbrauchermagazin

Digitale Bildung! Auch was für Seniorinnen und Senioren?

Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Charlottenburg-Wilmersdorf diskutiert

Mit dem „Digital-Zebra“ fördern Berliner Bibliotheken die digitale Inklusion und Teilhabe.
Mit dem „Digital-Zebra“ fördern Berliner Bibliotheken die digitale Inklusion und Teilhabe.
Erschienen in Gazette Charlottenburg und Wilmersdorf Januar 2026

Monatlich erscheint in der Gazette Charlottenburg und Wilmersdorf ein Thema, zu dem die in der BVV vertretenen Fraktionen Stellung nehmen. Das Thema wird „reihum“ von einer der Fraktionen bestimmt. In dieser Ausgabe hat die SPD-Fraktion das Thema vorgeschlagen.

CDU-Fraktion

Digitale Teilhabe entscheidet heute darüber, wie selbstständig Menschen ihren Alltag gestalten können. Auch und gerade für Seniorinnen und Senioren ist digitale Bildung deshalb kein „Nice to have“, sondern eine Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe. In Charlottenburg-Wilmersdorf gibt es bereits viele Angebote: In Seniorenfreizeitstätten werden Smartphone- und Tablet-Kurse angeboten, die Volkshochschule vermittelt digitale Grundkenntnisse und Bibliotheken unterstützen beim sicheren Umgang mit digitalen Medien. Zudem gibt es auch Angebote in den Kirchen und vieles mehr. Der Bedarf ist eindeutig da. Unsere Welt wird zunehmend digitaler und wir wollen alle mitnehmen. Das heißt: unterstützen, wo Hilfe nötig ist, und gleichzeitig bei Angeboten des Bezirksamtes dort, wo erforderlich, analoge Alternativen bereithalten. Digitale Bildung darf keine Frage des Alters sein. Der Bezirk ist da gut aufgestellt, doch Angebote erreichen nicht jeden. Deshalb müssen sie flächendeckend erreichbar und sichtbarer sein – damit niemand den Anschluss verliert, nur weil sich die Welt digital weiterdreht.

Sean Zielinski

B‘90/Grünen-Fraktion

Viele Menschen im höheren Lebensalter teilen das Gefühl, von der rasanten Digitalisierung überrollt zu werden, weil der Zugang zu wichtigen Informationen, zu Gesundheitsdiensten oder zu kulturellen Angeboten erschwert wird. Mit dem Projekt „Digital-Zebra“ haben die Bibliotheken des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf ein Gegenstück zur technischen Überforderung geschaffen. Geschulte Digital Lots*innen stehen zu festen Servicezeiten zur Verfügung. Sie unterstützen die Besucher*innen bei einfachen und komplexen Aufgaben. In Workshops und Veranstaltungen werden die digitalen Kompetenzen vertieft und gefestigt. Das „Digital Café“ dient nicht nur dem technischen Austausch, sondern fördert auch das soziale Miteinander. Viele Senior*innen haben bereits Erfahrungen im Umgang mit bestimmten Geräten und können ihr Wissen an andere weitergeben. So unterstützen beispielsweise „Omas For Future“, sich von veraltetem Windows zu verabschieden und den Umstieg auf Linux zu probieren, um den vorhandenen Computer länger nutzen zu können.

Corinna Balkow

SPD-Fraktion

Digitale Teilhabe ist längst nicht mehr nur ein Thema für Jüngere – gerade Senior:innen profitieren von neuen Angeboten. Da sie nicht mit digitaler Technik aufgewachsen sind, bieten Volkshochschule und Stadtbibliothek in Charlottenburg-Wilmersdorf zahlreiche Angebote für einen leichten Einstieg an. Die VHS vermittelt in niedrigschwelligen Kursen den Umgang mit Smartphone, Tablet, Online-Banking oder digitaler Kommunikation – mit viel Zeit zum Üben. In der Bibliothek gibt es zum Ausleihen Hörbücher, E-Books und Lesegeräte sowie Streamingdienste. Besonders hilfreich ist das Digitalzebra Max: Er berät kostenlos und ohne Anmeldung zu allen digitalen Fragen. Einmal im Monat findet samstags das Digital-Café statt. Hier kann man Ehrenamtlichen aller Altersgruppen Fragen stellen und Neues ausprobieren. Digitale Bildung macht den Alltag leichter, hält geistig fit und verbindet Menschen – in unserem Bezirk gibt es dafür schon heute zahlreiche Türen, die weit offenstehen. Bezirksstadträtin Heike Schmitt-Schmelz hat erkannt, dass digitale Bildung auch für Senior:innen eine wichtige Bedeutung hat.

Dr. Felicitas Tesch

Linksfraktion

Digitale Bildung ist für Senior:innen dringender denn je. Behörden, Banken und sogar Arztpraxen verlagern ihre Angebote ins Netz, während vielen Älteren der Zugang verwehrt bleibt. Nicht, weil sie „nicht wollen“, sondern weil passende Geräte, verständliche Nutzung und individuelle Unterstützung fehlen. Digitale Teilhabe ist aber eine Frage von Selbstbestimmung und sozialer Gerechtigkeit.

Dazu braucht es wohnortnahe Kurse und sichere Lernorte, an denen ohne Scheu gefragt und ausprobiert werden kann. Doch im Bezirk existieren nur vier Begegnungsstätten für Senior:innen. Zum Vergleich: in unserem Nachbarbezirk Tempelhof-Schöneberg sind es mehr als doppelt so viele. Das ist viel zu wenig! Mehr solcher Freizeitorte sind dringend nötig, um Einsamkeit vorzubeugen und digitale Kompetenzen zu stärken. Gleichzeitig müssen die Senior:innenvertretung sowie kieznahe und kostenlose Angebote für Ältere deutlich ausgebaut werden. Als Linke wollen wir die gesellschaftliche und vor allem politische Ignoranz gegenüber den Bedürfnissen älterer Menschen beenden – nicht nur im digitalen Raum.

Anne Zetsche

FDP-Fraktion

Digitale Bildung darf keine Frage des Alters sein. In einer liberalen Gesellschaft entscheidet nicht der Jahrgang über Chancen, sondern die Bereitschaft, Neues zu lernen. Gerade Seniorinnen und Senioren profitieren von digitaler Teilhabe. Sie ermöglicht ein selbstbestimmtes Leben, erleichtert den Zugang zu Behörden, medizinischen Informationen und sozialen Kontakten. Dafür braucht es barrierearme Lernangebote, die einen schnellen Einstieg ermöglichen. Statt starrer Kurse offene Lernräume, digitale Sprechstunden und Unterstützung durch geschultes Fachpersonal und Ehrenamtliche, die die Technologie verständlich und praxisnah erklären. Liberale Digitalpolitik schließt niemanden aus. Sie setzt auf Eigenverantwortung, Wahlfreiheit und verständliche Angebote. Ziel ist es, Menschen nicht zu zwingen und so auch ihren Ausschluss in Kauf zu nehmen, sondern ihnen die Fähigkeit zu geben, sich selbstbestimmt in der digitalen Welt zu bewegen. Denn wenn digitale Bildung alle Generationen erreicht, stärkt sie nicht nur individuelle Kompetenzen, sondern auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Stefanie Beckers

AfD-Fraktion

Offline im Alter – Untersuchungen zeigen, dass rund vier Millionen ältere Menschen nicht online aktiv und dadurch gesellschaftlich abgehängt sind. Die Gründe sind vielfältig: Berührungsängste mit etwas Unbekanntem, Unsicherheit im Umgang mit Technik, fehlende Geräte oder das Gefühl, für die digitale Welt zu alt zu sein. Volkshochschulen, Seniorenakademien, Bibliotheken bieten bundesweit Kurse speziell für Ältere an. Auch in unserem Bezirk. Es gibt PC- und Digital-Kurse in den bezirklichen Seniorenclubs, beim Seniorenprogramm „60plus“, an der VHS, bei der Stiftung Stadtkultur, in Kiez- und Stadtteilzentren.

Die digitale Welt stärkt die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, eröffnet Gesundheitsinformationen und Bildungszugang, macht Buchungen und Einkäufe leichter, manchmal überhaupt erst möglich. Die Verbindung zu Familie und Freunden wird gestärkt. Nicht zuletzt stehen im Netz Alternative Medien offen und man ist nicht auf Mainstream-Medien mit einseitiger Berichterstattung und Regierungspropaganda angewiesen.

Umfassend informiert zu sein: auch für Senioren nur ein Klick entfernt.

Michael Seyfert

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