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Mit Herz und Schnauze

Gedenktafel für Brigitte Mira an der Koenigsallee

Erschienen in Dahlem & Grunewald Journal Dezember/Januar 2017

Kaum eine Schauspielerin verkörperte die kesse Berlinerin so wie Brigitte Mira – und das, obwohl sie gebürtige Hamburgerin war. Nach dem Wunsch des Vaters, dem aus Russland stammenden Pianisten Siegfried Mira, hätte sie Musikpädagogin werden sollen. Doch Brigitte Mira, die in Düsseldorf aufwuchs, zog es unwiderstehlich auf die Bühne. Bereits im Alter von acht Jahren nahm sie Ballett- und Gesangsunterricht. Mit 19 Jahren stand sie dann auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Sie machte sich sowohl als Tänzerin als auch als Sängerin einen Namen.

Beliebt als „Miese“

Ihre ersten Berührungen mit dem Film hatte sie in der Rolle der „Miese“ in der Nazi-Propagandaserie „Liese und Miese“. Während die brave, blonde Liese, dargestellt von Gisela Schlüter die fehlerfreie Muster-Nationalsozialistin gab, war Miese das Gegenteil. Sie ließ sich von Spionen zu geheimen Informationen verleiten, hortete verbotenerweise Lebensmittel und hörte Feindsender. Doch Miese hatte dank der schauspielerischen Leistung von Brigitte Mira schnell mehr Fans als Liese und so wurde die Serie nach nur wenigen Folgen eingestellt.

Schlagerfilme und Drei Damen vom Grill

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs spielte sie unter anderem in der Nachkriegssatire Berliner Ballade, neben Gert Fröbe als Otto Normalverbraucher. Auch in den Schlagerfilmen der 50er-Jahre und in Komödien sowie Operetten und Singspielen war sie zu sehen. Eine ihrer bekanntesten Rollen gab ihr Rainer Werner Fassbinder im Jahr 1972 in dem Film Angst essen Seele auf. Putzfrau Emmi (Brigitte Mira) verliebt sich in einen zwanzig Jahre jüngeren Gastarbeiter und heiratet ihn. Auch die Vorabendserie „Drei Damen vom Grill“, die von 1977 bis 1991 im Vorabendprogramm ausgestrahlt wurde, machte Brigitte Mira zu einem Publikumsliebling. Wie kaum eine andere verkörperte die Serie, die unter anderem am Steubenplatz gedreht wurde, das alte West-Berlin.

Trio der Drei alten Schachteln

Ende der 1990er-Jahre tourte sie gemeinsam mit Evelyn Künneke und Helen Vita mit dem Chansonabend „Drei alte Schachteln“ durch Deutschland. Mit Selbstironie, Spaß und Pfiff begeisterten sie ihr Publikum. Das Trio zerbrach, als Helen Vita und Evelyn Künneke 2001 starben. Brigitte Mira tourte daraufhin mit einem Soloprogramm weiter. 2004 erlitt sie mit 94 Jahren einen Schwächeanfall, von dem sie sich nicht mehr erholte. Im März 2005 starb sie in Berlin. Sie bekam ein Ehrengrab des Landes Berlin auf dem Luisenfriedhof III am Fürstenbrunner Weg. Brigitte Mira lebte von 1970 bis zu ihrem Tod im Haus Koenigsallee 83. Dort erinnert eine Berliner Gedenktafel an die beliebte Schauspielerin.

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