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1. FC Wacker 1921 Lankwitz e. V.

Ältester Fußballverein von Lankwitz töppt wacker auf die 100 zu

Conny Fullerton und ihre Jungs. Foto: Clifford Fullerton/Lorenz
Conny Fullerton und ihre Jungs. Foto: Clifford Fullerton/Lorenz
Erschienen in Lankwitz Journal Juni/Juli 2017
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Erst um1880 gelangte der Fußballsport im Gepäck englischer Industrieller nach Deutschland. Bis er sich bei uns zum Volkssport entwickelt hatte, sollte es noch etliche Jahrzehnte dauern, bevor er sein inoffizielles Dasein in Turnvereinen offiziell machen durfte.

Einst…

Bereits früh die Fußballschuhe bereitgestellt hat der Verein Wacker Lankwitz, als sich fußballbegeisterte Mitglieder am 1. August 1921 im Restaurant „Pilz“ an der Kaiser-Wilhelm-Straße aus der „Freien Turnerschaft“ loslösten und den Verein gründeten.

Als Vereinsfarben wählten sie Grün-Weiß, gespielt wurde „Auf der Brake“ am Königsgraben und im Gemeindepark Lankwitz. Als Verein dem „Arbeiter, Turn- und Sportbund“ untergeordnet, wurde er nach der Machtübernahme Hitlers im Jahr 1933 verboten, sein Eigentum beschlagnahmt und erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs wieder als „Sportgruppe Lankwitz“ aus der Taufe gehoben. 1949 durfte er seinen herkömmlichen Namen wieder annehmen. Die Spieler trafen sich nun auf dem Preußengelände im Gemeindepark und auf dem Polizei-Gelände an der Gallwitzallee. Im Jahr 1952 schließlich erhielt der Verein in der Seydlitzstraße eine eigene Spielfläche. Sechs Jahre später folgte der Umzug auf den heutigen Platz an der Gallwitzallee 146, der damals noch ein richtiger „Hartplatzacker“ war.

Auch sportlich ging es nun bergauf: Viele Staffelmeisterschaften und Aufstiege sind in Erinnerung geblieben, besonders aber die Endspielteilnahme der 1.B-Junioren um die Berliner Meisterschaft in der Saison 1965/66. Die Pokalendspielteilnahme der 1.A in der Saison 1971/72 und der 3.Herren 1990 und 1996 setzte die Erfolgsreihe fort, die 1992 als Höhepunkt den Pokalsieg der Jungligamannschaft feiern konnte.

Viel zu erzählen aus diesen Tagen weiß Klaus Bergmann, ältestes Vereinsmitglied, und seit 70 Jahren dabei.

…und heute

Spielfreude, sportliche Erfolgserlebnisse und besonders der Gemeinschaftssinn stehen auch heute noch ganz vorne im Verein, dessen 1. Vorsitzender Gerhard Rotter ist. Den inzwischen rund 650 Mitgliedern werden auf dem Kunstrasen und mit der Lichtanlage sehr gute Spielmöglichkeiten geboten. Erwachsene – auch über 60 noch aktiv – und Jugendliche halten sich dabei zahlenmäßig die Waage. Am Spielbetrieb, für den allein an den Wochenenden 12 Schiedsrichter im Einsatz sind, nehmen in der laufenden Saison 11 Seniorenmannschaften und 19 Juniorenmannschaften teil, die alle Altersbereiche abdecken. – Im Gegensatz zu früher sind heute auch Mädchen und Frauen zwischen 18 und 47 Jahren dabei. Thorsten Leuschel, Trainer bei den Frauen und 2.Jugendleiter, erklärt schmunzelnd: „Die Fußball-Frauen sind in allen Belangen feinfühliger als Männer, die dafür weniger nachtragend sind. Ich muss da als Trainer schon vorsichtig sein, was ich wie sage.“ Dabei begeistert ihn besonders das Temperament, mit dem die jungen Frauen im Ballsport aufgehen.

Auch geflüchtete Menschen, die oft vom „Straßenfußball“ erstaunliches Potential mitbringen, erhalten hier in der großen Fußballfamilie des Vereins die Möglichkeit, beitragsfrei und voll integriert Fußball zu spielen. Doch oft leben sie für eine viel zu kurze Zeit in ein und derselben Unterbringung und kommen in anderen Bezirken unter, so dass der gerade frisch aufgebaute Kontakt wieder abreißt, bevor er richtig beginnen konnte.

Die Herzlichkeit, die im Verein herrscht, wird in Jürgens Casino zwischen Eis und Bockwurst ebenso wie auf dem Platz deutlich spürbar, in dem junge und alte Fußballfreunde zusammentreffen und ins Gespräch kommen, das sich nicht nur um Fußball dreht. An der einen Wand der Fanshop, für Fans und solche, die es werden wollen – alles in Grün-Weiß versteht sich, vom Wacker-Schal bis zur neu im Sortiment angebotenen Collage-Jacke. Gegenüber Pokale und Fotos von Fußballgenerationen, keiner wird vergessen, egal welcher Fußball-Generation er angehörte. Der Ton ist freundlich, die Jüngeren übernehmen ihn automatisch. Rücksicht zählt nicht nur im Spiel.

wacker dazugehören

Halbherzig läuft hier nichts. Da dem Verein allein der Sportplatz an der Gallwitzallee zur Verfügung steht und es keinen Platzwart gibt, ist logistische Weitsicht für den geregelten Spiel- und Trainingsbetrieb unverzichtbar. Gewährleistet wird der durch die stattliche Zahl an ehrenamtlichen Trainern, Betreuern und Helfern neben dem kontinuierlich im Sinne des Vereins arbeitenden Vorstand. Dabei wird Kinderschutz und Sorgfaltspflicht großgeschrieben: jeder Trainer, der mit Kindern arbeitet, muss ein Führungszeugnis vorlegen, das alle vier Jahre aktualisiert wird. Regelmäßige Lehrgänge – auch für die Betreuer – sind ebenfalls selbstverständlich, um stets auf dem neuesten Wissensstand zu bleiben.

Gemeinsame, auf eigene Kosten durchgeführte Renovierungs- und Aufräumungsarbeiten auf dem Vereinsgelände, aber auch unterschiedlichste Veranstaltungen schweißen zusätzlich zusammen.

Im vierten Jahr dabei ist Conny Fullerton, die über ihre Söhne eher zufällig zum Fußball und in den Verein fand. Als lizensierte Mannschaftsbetreuerin des Nachwuchses Jahrgang 2006 (1.E), der zweimal wöchentlich trainiert, schätzt sie im Verein besonders das freundschaftliche, fast schon familiäre Miteinander und den Teamgeist. Als „Mutti für alles“, wie sie liebevoll genannt wird, ist sie Erst-Helferin, Seelsorgerin und Schiedsrichterin. Sie kümmert sich um die Pressearbeit des Vereins und war bis zum vorigen Jahr 2. Vereinsvorsitzende. Dieses Amt gab sie ab, „weil es einfach mit Familie zu viel wurde.“ „Leistung ist gut, aber Freude ist besser“, weiß Conny, die schnell mitbekommt, wenn ein Kind Kummer hat, der weit über den Fußball hinaus geht. Den Verein will sie auch weiterhin in seinem Ziel unterstützen, mithilfe des Fußballs Jugendliche von der Straße zu holen und ihnen ein sportliches Zuhause zu geben. Damit der sozialen Verantwortung nachzukommen und einen kleinen, aber wichtigen Beitrag für die Allgemeinheit zu leisten, liegt auch Conny am Herzen.

Den leisten auch die beiden Sommerferien-Fußballcamps für Kids von 6-12 Jahren auf dem Wacker-Sportplatz vom 24. Juli bis zum 28. Juli und vom 31. Juli bis zum 4. August 2017, zu denen sich Interessierte für 90 Euro/Camp jetzt im Vereins-Casino bis zum 31. Mai 2017 anmelden können. Von jeweils 8-16 Uhr ist Betreuung in altersgerechten Gruppen sowie Verpflegung garantiert, inkl. Spiele und Training rund um den Ball. Aber auch sonst sind Alt und Jung zum Probetraining in passender Runde willkommen.

Wer „Fußball in Aktion“ erleben möchte, kann das auf dem Wacker-Sportplatz an der Gallwitzallee am 8./9. Juli 2017 beim großen Turnier des Bezirkssportbundes, zu dem G-E-Mannschaften eingeladen werden. Dazu Spielstände und Leckeres von Grill und Büffet versprechen ein spannendes Wochenende für die ganze Familie.

- Und vielleicht stimmt ja bald ein neues Wacker-Mitglied in den Vereinsruf ein: „Wer sind wir? – Wacker Lankwitz, Wacker Lankwitz, Wacker Lankwitz Berlin – ein Team!“

Weitere Infos zu Verein und Mannschaften unter www.wacker1921.de

Jacqueline Lorenz

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