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Filmgeschichte in Steglitz

Internetseite des Kulturamtes erinnert an wenig bekannte Vergangenheit

Erschienen in Lichterfelde West Journal Juni/Juli 2016

Ein Hauch von Hollywood in Steglitz? Ja – aber das ist seit Jahrzehnten vorbei. Doch im Internet ersteht diese Zeit wieder auf, wenn man die Adresse www.filmportal.de anwählt oder der Verlinkung auf der Seite des Kulturamtes folgt. Die Filmgeschichte von Steglitz hat der Filmwissenschaftler Jeanpaul Goergen im Auftrag des Kulturamtes recherchiert.

Der im Südwesten Berlins gelegene Bezirk Steglitz entstand 1920 bei der Bildung von Groß-Berlin aus den Landgemeinden Steglitz, Lichterfelde, Lankwitz und der Villenkolonie Südende. Der traditionell bürgerliche Charakter, der Villensiedlungen manifestiert, darf nicht darüber hinweg täuschen, dass die stadtnahe Lage mit vielen Freiflächen zahlreiche Industrieansiedlungen begünstigte. In vielen der neuen Kolonien war Industrieansiedlung ausdrücklich verboten, jedoch nicht überall. Daher fand die Filmindustrie um 1910 in Steglitz günstige Bedingungen vor. Hier entstanden große Glasateliers und die unzersiedelte Landschaft bot sich für Außenaufnahmen an. So etablierten sich schnell kleinere Filmbetriebe, Kopierwerkstätten und Unternehmen für Film- und Kinozubehör genauso wie mittelständische Kultur- und Dokumentarfilmproduktionen. Das 1928 eröffnete Großkino Titania-Palast mit seiner vielseitigen Geschichte ist bis heute das wichtigste und größte Kino von Steglitz.

Facettenreiche Kinogeschichte

Die Seite bietet eine Übersicht über die wichtigsten Ereignisse rund um die Film- und Kinogeschichte des Bezirks. In Steglitz fand sich eine ungewöhnliche Dichte kleiner Programmkinos, von denen der Großteil vor vielen Jahren geschlossen wurde. Der lokalgeschichtliche Blick ergänzt und bereichert die „große” Filmgeschichte mit aufschlussreichen und spannenden Details, an die sich die älteren Leser sicher noch persönlich erinnern. 2001 wurde aus Steglitz und Zehlendorf der Bezirk Steglitz-Zehlendorf gebildet. Die Darstellung beschränkt sich auf die Ortsteile bzw. Ortslagen Steglitz, Lankwitz, Lichterfelde und Südende.

Profi für alles rund um den Film

Jeanpaul Goergen ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsprojekt „Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland (1945-2005)” vom Haus des Dokumentarfilms, Stuttgart, der Universität Hamburg und der Universität Konstanz. Er ist Mitglied von CineGraph Babelsberg, Berlin-Brandenburgisches Centrum für Filmforschung e. V. und Kurator der monatlichen Filmreihe Berlin Dokument im Berliner Zeughauskino.

Wer einmal in der Filmgeschichte stöbern möchte, findet die Seite unter www.filmportal.de/thema/film-und-kino-in-steglitz-eine-filmhistorische-chronik

Stele in der Berlinickestraße

Auch wenn Steglitz nicht als Hochburg der Filmindustrie gilt – auch hier befinden sich bedeutende Standorte der Geschichte des Films. Die ersten Langspielfilme wurden im Hinterhaus der Berlinickestraße 11, nahe S-Bahnhof Steglitz gedreht. Unter der Leitung von Heinrich Bolten (1871 – 1938) entstanden hier die Studios seiner Produktionsfirma. Diese hieß B.-B.-Film, nach Boltens Pseudonym Bolten-Baeckers. Um das Jahr 1912 waren die wichtigen Filmstudios zwar in Berlin-Mitte ansässig, doch auch die günstigeren Studios am Rande der Stadt waren gefragt. So wurden in den Studios von Bolten-Baeckers über 100 Filme gedreht. 1917 erweiterte er sein Unternehmen, mietet das Stockwerk unter seinen Studios und richtete dort Räume zum Kleben der Filme und zur Vorführung ein. B.-B.-Film wurde 1920 an die Ufa Verkauft. Zahlreiche Lehr- und Dokumentationsfilme entstanden in der Berlinickestraße. Eine 2008 aufgestellte Stele informiert über die Geschichte des Films im Steglitzer Hinterhaus.

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