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Max Liebermann und Lesser Ury

Zweimal Großstadt Berlin

Lesser Ury, Siegesallee mit Siegessäule im Sommer, ca. 1925, Galerie Ludorff, Düsseldorf. Foto: Achim Kukulies,
Lesser Ury, Siegesallee mit Siegessäule im Sommer, ca. 1925, Galerie Ludorff, Düsseldorf. Foto: Achim Kukulies,
Erschienen in Wannsee Journal April/Mai 2019

Erstmals zeigt die Liebermann-Villa am Wannsee eine Gegenüberstellung der beiden Berliner Impressionisten Max Liebermann und Lesser Ury. Dabei hätte Ury kaum eine Einladung in Liebermanns „Schloss am See“ erhalten, waren sich doch beide Künstlerkollegen in herzlicher Abneigung verbunden. Dabei erkannte Liebermann das Talent des jüngeren Ury durchaus und förderte ihn anfangs. Eine Anekdote wirft jedoch schlagartig Licht auf die Entfremdung der beiden Künstler: Ury hatte nämlich behauptet, dass die Lichteffekte in Liebermanns Meisterwerk „Flachsscheuer in Laren“ (1887) von ihm, Ury, gemalt seien. Darauf antwortete Liebermann in einem Brief an den Publizisten Maximilian Harden 1907: „Ich würde erst den Staatsanwalt anrufen, wenn er behauptete, ich hätte seine Bilder gemalt.“

Fortan behinderte Liebermann Urys Karriere wo er nur konnte. Erst nachdem Liebermann 1913 als Vorsitzender der Berliner Secession zurücktrat, konnte Ury dort regelmäßig ausstellen. Doch die beiden Berliner Impressionisten waren nicht nur gegensätzliche Persönlichkeiten und entstammten sehr verschiedenen jüdischen Milieus Deutschlands – auch ihre Kunst geht verschiedene Wege. Die Ausstellung geht den Impressionismen der beiden nach und stellt in Liebermanns Sommervilla ein neutrales Terrain her, auf dem sich beide mit rund 45 Gemälden und Papierarbeiten künstlerisch begegnen können. Der Fokus liegt dabei auf den Berliner Großstadtbildern der beiden Maler. Die Gegenüberstellung ist auch deshalb so lohnenswert, weil beide eine jeweils spezifische Sicht auf ihr Berlin haben. Malt Liebermann mit Vorliebe das Grün, immer wieder den Tiergarten und die Berliner Parks ist Ury mehr an der modernen Großstadt interessiert, setzt Nachtszenen mit Autoverkehr, Straßenbeleuchtung und typische Gebäude Berlins ins Bild. Im Aufeinandertreffen von Max Liebermann und Lesser Ury gewinnt die Ausstellung einen differenzierten Blick für beide Protagonisten der Kunstszene der Weltstadt Berlin zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Beiträgen von Chana Schütz, Martina Weinland, Margreet Nouwen, Sybille Groß und Alice Cazzola.

Max Liebermann und Lesser Ury Zweimal Großstadt Berlin

Liebermann-Villa, Colomierstr. 3, 14109 Berlin-Wannsee

19. Mai bis 26. August 2019

www.liebermann-villa.de

Ausstellungsführungen:
Sonntags 16 Uhr vom 26. Mai bis 25. August 2019 (Museumsticket + 4 Euro)
Sonderführungen auf Anfrage unter: 030-80585900

besucherdienst@liebermann-villa.de

Öffnungszeiten Liebermann-Villa:
April – Mai: Täglich außer dienstags 10 – 18 Uhr, an Feiertagen geöffnet

Eintritt: 8 Euro ermäßigt 5 Euro, Gruppen ab 8 Personen: 7 Euro p. P., Familienticket: 18 Euro, freier Eintritt für Jugendliche unter 14 Jahren

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