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Jugendkunstschule Tempelhof-Schöneberg

Junge Künstler hinter alten Mauern

Kunsthistorikerin Paulina Kasprzyk sammelt im JuKS Praxiserfahrung.
Kunsthistorikerin Paulina Kasprzyk sammelt im JuKS Praxiserfahrung.
Erschienen in Gazette Schöneberg & Friedenau Juni 2017
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In der inspirierenden Atmosphäre der ehemalige Feuerwache Nord in Schöneberg hat die Jugendkunstschule Tempelhof-Schöneberg (JuKS) den passenden Ort gefunden, an dem Kinder und Jugendliche kreativ sein und ihren künstlerischen Ideen freien Lauf lassen können. Vor fast 25 Jahren zog die JuKS als Einrichtung des Bezirksamtes ins Erdgeschoss des denkmalgeschützten roten Gebäudes ein, das 1906 vom namhaften Stadtbaumeister Paul Egeling als Feuerwache erbaut und bereits 16 Jahre später zum Wohnhaus umgestaltet worden war.

Wo Kunst erfahrbar wird

Hinter den großen Toren der hellen Backsteinhalle, in der einst die ersten motorisierten Feuerwehrleiterwagen auf ihren Einsatz warteten, geht es heute nicht weniger spannend zu. Regale voller Materialien, wie sie keine Schule bieten kann, bunte Kinderstühlchen dazwischen, und von den Wänden schauen Masken und Pappmache-Figuren auf die Kinder und Jugendliche, die vom Kitaalter bis zum Alter von 20 Jahren in den beiden Werkstatt-Räumen willkommen sind. Sie finden hier inmitten von Farben, Stoffen, Papier, Keramik und Holz die Möglichkeit, sich mit den unterschiedlichsten Techniken vertraut zu machen und ihre eigene Kreativität zu entdecken. Da wird unter der professionellen Anleitung von Künstlern und Kunstpädagogen die Kunst erfahrbar und greifbar gemacht. Es wird gemalt, gedruckt, gefilzt, gehämmert, und Tonfiguren erhalten im Brennofen den letzten Schliff. Unzählige Scherben von Fliesen und Kacheln warten darauf, dass sie unter den manchmal noch etwas ungeübten Händen zu kleinen Kunstwerken zusammengefügt werden.

So, wie an diesem Vormittag, an dem 12 Schülerinnen und Schüler der Klasse 6B aus der Schöneberger Teltow-Grundschule mit ihrer Lehrerin die Werkstatt als Ausflugsziel gewählt haben. Nur ein Euro für Material muss jeder zahlen, die übrigen Kurskosten trägt das Bezirksamt. Im Unterricht haben die Schüler bereits von antiken Mosaikarbeiten gehört und sie im Museum kennengelernt. Jetzt versuchen sie sich selbst in dieser Kunst und erfahren bald, wie viel Arbeit darin steckt, bis ein Mosaik fertiggestellt ist. Zuerst zeichnen die jungen Künstler nach eigenen Ideen das Motiv, das sie dann mit Scherben modellieren, später kommt der Hintergrund dazu.

Die richtige Farbzusammenstellung, akkurates Anordnen der Scherben und schließlich das Aufkleben erfordern höchste Konzentration. Alle sind mit Rieseneifer dabei, wie ihn sich ihre Lehrerin für so manche Unterrichtsstunde in der Schule nur wünscht… Doch in der lockeren Atmosphäre der Werkstatt ist ein flexibleres und ungezwungeneres Lernen als im Schulalltag möglich, da bei kleinerer Schülerzahl auf jeden Einzelnen individuell eingegangen werden kann.

„Hilfestellung“ und wertvolle Tipps für erfolgreiches Handwerken gibt es von Kunstlehrerin und Schulberaterin Maria Möcklinghoff, die für wöchentlich mehrere Stunden dazu vom Schuldienst freigestellt ist, sowie von der ehrenamtlichen JuKS-Mitarbeiterin Uta Herzog. Innerhalb von vier Stunden sind an diesem Vormittag kleine, erstaunlich aussagekräftige Mosaik-Kunstwerke mit Blumen und Fischen als Motiv entstanden.

Ein kurzer Erfahrungsaustausch, alle sind sich einig: Es hat super viel Spaß gemacht. Sarah* aus der 6b erklärt: „Toll war, dass wir die Farben selbst zusammenstellen konnten und dass es so eine riesige Scherbenauswahl gab.“ Auch sie will ein zweites Mal wiederkommen, um ihr Mosaik noch fertig zu verfugen, und will es dann mit nach Hause nehmen.

Viele der jungen JuKS-Nutzer haben die Kunstschul-Projekte ursprünglich über Kita, Grund- oder Mittelschule kennengelernt und nutzen später auch das vielfältige Workshop-Angebot, das für die Nachmittage, Wochenenden und Ferien besteht, dann jedoch auf Voranmeldung und kostenpflichtig. Besonders beliebt und daher schnell ausgebucht sind bei Klein und Groß die Kurse „Abenteuer Zeichnen“ und „Kinderatelier I“. Weitere Kursthemen sind u. a. Schmuckwerkstatt, Druckwerkstatt, Malen und Keramik. Gut angenommen wird auch das Angebot an Kunstprojekttagen, besonders das „unter freiem Himmel“, welches – in Kooperation mit der Gartenarbeitsschule Tempelhof-Schöneberg – im Freien stattfindet. Da werden neuerdings schon mal Bäume umhäkelt oder ein Käfermosaik wird gestaltet, um eine sonst eher langweilige Grünfläche attraktiver werden zu lassen.

Auch an die Erwachsenen wird in der JuKS gedacht: Zur Lehrerfortbildung wird da beispielsweise der Kurs „Holzbildhauerei für Erwachsene“ angeboten, der über vier Abende geht.

Die diesjährigen Sommerferien-Workshops, für die sich Interessenten zeitnah anmelden sollten, können sich sehen lassen: u. a. Fahrzeuge aus Recyclingmaterial werden da entstehen, Modeoutfits aus ungewöhnlichen Materialien kreiert, Handpuppen gebaut sowie Landschaften und Porträts nach expressionistischen Vorbildern gemalt.

Im Einsatz für JuKS und den Nachwuchs

Um eine derartiges Projekt wie die Jugendkunstschule über so viele Jahre erfolgreich zu führen, bedarf es zahlreicher Engagierter.

Aufgebaut wurde die Schule 1993 von Wilfried Müller-Maurer, der – inzwischen im Ruhestand – dennoch weiterhin engagiert im gemeinnützigen Förderverein „Freunde der Jugendkunstschule e. V.“ tätig ist. Ohne die finanzielle und beratende Unterstützung des Vereins wären viele JuKS-Projekte wohl kaum durchführbar. Ein breites Netzwerk für Kooperationsprojekte mit bezirklichem Kunstamt, Musikschule, Museen, VHS sowie mit überregionalen Institutionen existiert und soll unter der neuen Schulleiterin Yasmin Dandorfer, die seit September 2016 im Amt ist, weiter ausgebaut werden.

Viermal jährlich erscheint das bunte JuKS-Programm. 15 freischaffende Honorarkräfte, vier Kunstpädagogen sowie etliche ehrenamtlich Aktive gewährleisten die professionelle Begleitung der kunstsuchenden Kinder und Jugendlichen.

„Durch die Möglichkeit, sich über die Kunst individuell auszudrücken, wird ein wichtiger Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung der jungen Kursteilnehmer geleistet“, betont Kunsthistorikerin Paulina Kasprzyk, die über den Bundesfreiwilligendienst im JuKS für ein Jahr in den Praxisalltag der JuKS Einblick nehmen kann und sich aus dieser Erfahrung viel für ihre berufliche Weiterorientierung verspricht.

Jacqueline Lorenz

*Name von der Red. geändert

JuKS Tempelhof-Schöneberg

Martin-Luther-Straße 46

10779 Berlin

Tel. 902 77 63 24

E-Mail: juks.schoeneberg@gmx.de

www.juks-ts.de

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