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Im Kiez rund um den Klausenerplatz

Eine Gegend zum Wohlfühlen

Wohnhäuser mit kleinen Läden bestimmen das Bild der Nehringstraße.
Wohnhäuser mit kleinen Läden bestimmen das Bild der Nehringstraße.
Erschienen in Gazette Charlottenburg Juni 2017
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Grüne Kastanien und duftende Linden vor liebevoll restaurierten Wohnhäusern, kleine Geschäfte, die jedem Anspruch gerecht werden. Zwischen Spandauerdamm und Kaiserdamm, Sophie-Charlotten- und Schloßstraße zieht sich ein Netz von heimeligen Straßen, in denen Alt und Jung, Menschen mit und ohne Migrationshintergrund leben, und wo Gewerbetreibende wie Künstler ihren Platz in Charlottenburg gefunden haben. Wie kleine grüne Lungen liegen die einstigen dunklen und inzwischen zu ruhigen Wohlfühloasen und Begegnungszonen umgestalteten offenen Hinterhöfe zwischen den Häusern und bieten einen Vorgeschmack auf die eigentliche grüne Lunge dieser Gegend, den Klausenerplatz.

Das Miteinander der Kiezbewohner spiegelt sich in vielfältigen Aktionen wider, die vom Kiezbündnis Klausenerplatz e.V. organisiert und begleitet werden und Gäste aus anderen Wohnquartieren anlocken.

Miteinander leben und füreinander arbeiten

Schlendert der Besucher an liebevoll bepflanzten Baumscheiben der Nehringstraße vorbei, präsentiert sich ihm eine bunte Gewerbeszene, die dem Bewohnerbild des Kiezes in nichts nachsteht: Da liegt der gut sortierte Asia-Markt neben dem Geschäft für Tauchtechnik, wenige Schritte weiter ein Schmuckatelier, ein Kindertheater. Künstler fühlen sich in der multikulturell reizvollen Gegend wohl.

Durch blitzblanke Scheiben sieht man den Schuhmacher an Reitstiefeln arbeiten, während gegenüber die Fahrschule ihren Fahrschüler einweist. Die Gastronomie bietet für jeden Geschmack etwas. Rund 45 Prozent der Anwohner besitzen Migrationshintergrund. Sie und die übrigen Bewohner leben in harmonischem Miteinander und bereichern sich kulturell.

Vor kleinem aber besonderem Lokal genießt manch Handwerker in der Sonne seine Mittagspause, eine junge Mutter mit Baby tauscht sich mit der Ladenbesitzerin des Kinder-Second-Hand-Ladens aus. Die Frau gegenüber gießt die Blumenkästen auf dem Fensterbrett ihrer Erdgeschosswohnung.

Und wer genau hinhört, vernimmt die alten Geschichten, welche viele Mauern der Häuser, die alten Straßenlaternen und die erhaltene Fassade der einstigen Gebr.-Manns-Filiale erzählen.

Auch Lieselotte Klotzsch ist an diesem Mittag mit dem Rollator in ihrem Kiez unterwegs. Vor fast 85 Jahren wurde sie unweit des Klausenerplatzes geboren und wohnt seit dem Jahr 1951 in der Neufertstraße.

Längst sind die beiden Töchter erwachsen. Ihre Mutter freut sich, dass die Häuser in der Gegend so behutsam saniert wurden und ihre Wohnung nun „tipptopp“ ist. Nie war sie weg von hier, auch nicht während der Modernisierung, erzählt sie stolz. „Ich gehe noch jeden Tag im nahen Schlosspark spazieren und die Schloßstraße entlang oder fahre auch mal zum Zoo. Die gute Busverbindung macht´s möglich.“ Ihrem Kiez will sie treu bleiben: „In den letzten Jahren sind hier viele junge Familien dazugekommen, unsere Zukunft“, freut sich Lieselotte Klotzsch. Den üppig grünen Klausenerplatz mit den weißumzäunten Erholungsinseln meidet sie jedoch. – Zu tief sitzt die Erinnerung an Bombennächte mit Sirenengeheul des 2. Weltkriegs. Unzählige davon verbrachte sie damals im Bunker auf dem Platz; dort, wo heute vom weitläufig angelegten Spielplatz fröhliches Kinderlachen schallt.

Kiezbündnis Klausenerplatz e.V.

„KiezBüro“- in großen Lettern steht es über dem kleinen Laden mit der Bank davor. Hier, in der Seelingstraße 14, schlägt das Herz des Wohnviertels. Den rhythmischen Takt gibt der gemeinnützige im Jahr 1999 gegründete „Kiezbündnis Klausenerplatz e.V.“ an, der hier seit 2001 berät, diskutiert und plant. Unterstützt wird er von der Gewobag nicht nur durch die zur Verfügung gestellten Räumen, für die er lediglich die Betriebskosten entrichten muss.

An Vereinsspitze als Vorsitzender steht Gründungsmitglied Klaus Betz, der, inzwischen im Ruhestand, die Fäden sortiert in der Hand hält. 80 Mitglieder zählt der Verein, 30 davon – überwiegend Geschäftsleute - sind Fördermitglieder. Das jährliche Kiezfest bringt zwar Standmiete ein, doch die reicht längst nicht aus, um die Kosten für die gemietete Technik, Gagen, Versicherung und Straßengebühr zu decken.

Vieles hat der selbstlose Einsatz des Vereins bereits erreichen können, wenn es um konkrete Verbesserungen im Kiez in den Bereichen Wohnen, Gewerbe, Kultur, Wohnumfeld und Verkehr ging. Im regelmäßig vom Redaktionsteam herausgegebenen KiezBlatt berichtet er darüber:

Da ist die Verkehrsberuhigung im Kiez. „Hier ist die erste verkehrsberuhigte Zone Deutschlands eingerichtet worden“, betont Betz, der sich mit dem Verein nicht zuletzt wegen des vermehrten Zuzugs junger Familien weitere Verbesserungen auf diesem Gebiet wünscht, – gerade im Bereich der Knobelsdorffstraße, die gerne als Abkürzung genutzt wird.

Auch um die geflüchteten Menschen kümmern sich der Verein und die Bewohner rund um den Klausenerplatz. Die Flüchtlingsinitiative engagiert sich in der Übergangseinrichtung am Kaiserdamm, begleitet Behördengänge und bringt die Menschen beim ungezwungenen Get-Together im Stadtteilzentrum zusammen. Im Repair-Café wird manches Teil wieder in Schwung gebracht, Sperrmüll- und Grünpflegeaktionen vereinen Anwohner, und bei den alljährlich im Frühjahr und Herbst stattfindenden Flohmarkt-Wochenenden vor den Haustüren (das nächste Mal am 7. Oktober 2017) findet manches Lieblingsstück einen neuen Besitzer.

Vielfältige kulturelle Highlights und die überwiegend eintrittsfreien Veranstaltungen im Kiez sind inzwischen weit über die Bezirksgrenzen hinaus bekannt.

Anlässlich der Fête de la Musique, geht es auch um die Ecke vom Klausenerplatz musikalisch zu. Am 21. Juni 2017 von 18-22 Uhr findet auf dem „Ziegenhof“ in der Danckelmannstraße 16 auch in diesem Jahr wieder das vom Verein initiierte Kiezsingen im großen Zelt statt. Wo sonst zur Freude der Kinder Ziegen meckern und Gänse schnattern, erklingen dann aus alten und jungen Kehlen an den Biertischen alte Schlager und Volkslieder zu Akkordeon und Gitarre. Tonangebend ist der Musiker Olaf Maske. Zu zivilen Preisen gibt es Getränke, um die Kehle geschmeidig zu halten.

Nur drei Tage später, am 24. Juni 2017 von 14-22 Uhr, lädt der Verein auf dem Klausenerplatz zum diesjährigen Kiezfest ein. Ein kunterbuntes Bühnenprogramm von Bauchtanz und Blues über Kinderband bis Rock´n´Roll wird das Publikum begeistern. Als Höhepunkte erwarten kleine Leute ein ganz besonderes Bootsrennen im 5x20 Meter Wasserbecken, das von der Friedenskirche Charlottenburg organisiert wird, sowie Fußball mit Soccer-Käfig und Bobby-Car. Auch Bratwurst- und Getränkestand stehen bereit, wie es sich beim zünftigen Kiezfest gehört.

Und so wird auch dieser Tag wieder ein Stück mehr dazu beitragen, was Klaus Betz und der Kiezbündnis Klausenerplatz e.V. mit ihrem selbstlosen Einsatz erzielen möchten: Die Identifikation der Kieznachbarn mit ihrem Wohngebiet durch ihr Zusammengehörigkeitsgefühl.

Weitere Informationen, Termine und Spendenkonto unter www.klausenerplatz.de

Jacqueline Lorenz

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