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Fairkauf mit Herz im Steglitzer Gewerbegebiet

Wo der Mensch im Mittelpunkt steht

Für Store Manager Mario Luhm steht der Mensch an erster Stelle. Foto USE
Für Store Manager Mario Luhm steht der Mensch an erster Stelle. Foto USE
Erschienen in Gazette Steglitz August 2017
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Derzeit ist die Zukunft des Steglitzer Gewerbegebietes rund um die Goerzallee in aller Munde. So verkündigte Wirtschaftssekretär Henner Bunde kürzlich, der Berliner Senat werde es gegen den Wohnungsbau verteidigen. Als Arbeitsgebiet erhalten wollen es auch Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski und das Regionalmanagement Berlin SÜDWEST.

Gerade zum rechten Zeitpunkt hat da die „Union Sozialer Einrichtungen gemeinnützige GmbH (USE) im Unternehmensverbund des Unionhilfswerk“ ihr Berliner Fairkauf Sozialkaufhaus an den Stichkanal 2-4 in Zehlendorf verlegt, schafft neue Arbeitsplätze an attraktivem Wirtschaftsstandort und trägt zur Aufwertung des Areals bei. Begonnen hatte sie das Verkaufs-Projekt bereits in kleineren Räumen direkt an der Goerzallee, konnte sich nun aber vergrößern.

Seite an Seite mit ansässigen traditionellen Handwerksbetrieben, Ergotherapeuten und anderen gemeinnützigen Einrichtungen bildet Fairkauf mit seinen Nachbarn einen sozialen „Hotspot“, der neben dem wirtschaftlichen Aspekt auch den menschlichen im Steglitzer Gewerbegebiet ein gutes Stück vorantreibt. – Schließlich ebnet das Kaufhaus Menschen den Weg, in eine regelmäßige Beschäftigung und auf den Ersten Arbeitsmarkt zu gelangen.

Die angebotenen, gespendeten Waren werden zu fairen Preisen, mit bedingtem Rabatt, angeboten, so dass auch Menschen mit wenig Geld sich hier das ein oder andere Stück leisten können. Das praktizierte humanistisch geprägte Verkaufskonzept rettet darüber hinaus so manches durchaus noch ansehnliche Stück vor dem Aus durch unsere Wegwerfgesellschaft und gibt ihm ressourcenschonend eine zweite Chance. „Nicht nur ums Geld soll es an diesem Ort gehen, sondern besonders um Nachhaltigkeit, behutsames und rücksichtsvolles Wirtschaften und um den Menschen, der hier im Mittelpunkt steht“, erklärt Store-Manager Mario Luhm, der seit 2013 zum Team gehört.

Schnäppchenjagd mit gutem Gewissen

In zwei Etagen auf über 1000 Quadratmetern Verkaufsfläche, direkt über dem traditionsreichen „Rumpelbasar“ und in Synergie mit ihm, präsentiert das Sozialkaufhaus in großzügigen Abteilungen ein breites, ständig wechselndes Gebrauchtwaren-Angebot an Kleidung – von der Mütze bis zum Schuh – und Haushaltsgegenständen, aber auch an Elektrogeräten, Büchern, Schallplatten, Spielzeug und Einrichtungsgegenständen. Und das an vier Tagen in der Woche und an jedem 1. und 3. Samstag im Monat.

Funkelndes Kristall und edles Geschirr in Vitrinen schaffen wahre Kaufhausatmosphäre, doch auch der einfache Keramikbecher und das schlichte Salatsieb finden ihre dankbaren Abnehmer. Kunden sind Privatleute, Studenten, aber auch Theater- und Filmausstatter, die im Fairkauf ihre Requisiten erwerben und nach Nutzung wieder zurückbringen. – So leisten sie ihren wichtigen Beitrag zur sinnvollen Umverteilung der Ware. Kunden kommen auch von weiter her, um das qualitativ hohe Angebot zu nutzen; mit dem Wissen, außerdem Gutes zu tun.

Möbel aller Art werden von der USE kostenlos beim Anbieter abgeholt, Kleinentsorgungen und Haushaltsauflösungen können gegen günstige Gebühr in Auftrag gegeben werden. Ebenfalls gegen Gebühr kann sich der Käufer die gekauften Möbel liefern und ggf. montieren lassen. Ein breites Netzwerk der USE zieht sich durch Berlin und ist darüber hinaus aktiv.

Als Träger von Integrationsfachdiensten, Träger der Jugendhilfe und Ausbildungsbetrieb bietet die USE etwa 900 psychisch kranken und behinderten Menschen Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten in Berlin-Brandenburg.

Gemeinsam zu neuen Perspektiven

Für den Verkauf aufbereitet werden die gespendeten Möbel unter der Fahne der 22-jährigen sozialen USE-Einrichtung in der hauseigenen Teltower Werkstatt für behinderte Menschen, die über 25 Gewerke und Dienstleistungsbereiche abdeckt. U.a. Tischlerei, Malerei, Trockenbau, Druckerei und Teppichaufarbeitung sowie Floristik, Garten- und Landschaftsbau, Confiserie, Patisserie und sogar eine Tierpension gehören dazu. Die dort arbeitenden Menschen sind es auch, die die ehemaligen Büroräume am Stichkanal in freundlich helle Verkaufsflächen verwandelt haben und jetzt – unterstützt von Vermieter – daraufhin arbeiten, dass das Sozialkaufhaus bald durchgehend barrierefrei ist.

Einer von ihnen, der vollen Einsatz im Sozialkaufhaus zeigt, ist Thomas aus Teltow. Seit 2014 ist er dabei, erst an der Goerzallee, jetzt am Stichkanal. „Ich habe ehrenamtlich angefangen, dann über den Bundesfreiwilligendienst weiter gemacht und bin jetzt als Midi-Jobber im Team“, erklärt er stolz. Mit dem Fahrrad ein Katzensprung sei das von Teltow bis zum Kaufhaus. Und auch Frau Sellke, die „Grande Dame“ der Bücherabteilung, ehemalige Abteilungsleiterin einer größeren Verkaufseinrichtung und eigentlich schon längst im Ruhestand, wird hier noch gebraucht. – Als Mensch mit viel Sachverstand und Erfahrung.

In jeder Abteilung arbeiten im integrativen Team ehrenamtlich tätige Fachkräfte mit psychisch oder physisch beeinträchtigten Menschen der USE- Beschäftigungsmaßnahmen zusammen. Diese Gebrauchtwerden, das jedem hier im Team seinen Platz bereitet, ist es, was ihn aus der Isolation holt, ihm Perspektive und Selbstvertrauen gibt.

Mario Luhm betont: „Die Leistung unserer Mitarbeiter wird anerkannt, führt zu ihrer Rehabilitation und Teilhabe an der Gesellschaft und am Arbeitsleben.“ Von hochqualifizierten Fachkräften mit Zusatzausbildung werden die beeinträchtigten Menschen allmählich an anspruchsvollere Arbeiten herangeführt. Eine professionelle Betreuung ist da stets gegeben. Folgt schließlich der Schritt in den Ersten Arbeitsmarkt, bleibt die USE sozial begleitend am Menschen, solange der dieser Unterstützung bedarf.

Im Fairkauf achtet Luhm streng darauf, dass die Menschen, die hier arbeiten, nicht mehr geben müssen, als sie können. Er achtet auf regelmäßige Pausen, hat für jeden ein anerkennendes Wort und geht auf ihn ein. Gedankt wird es durch eine Arbeitsbegeisterung, wie sie im Arbeitsalltag eher selten geworden ist.

Davon profitieren auch die Kunden: Zuvorkommende Beratung ist im Fairkauf an der Tagesordnung und angesichts des in großen Kaufhäusern eher knappen Personalangebotes besonders wohltuend. – Da schlendert der Kunde dann gerne noch ein bisschen länger durch die entspannte Atmosphäre der Abteilungen und entdeckt das ein oder andere Schnäppchen für sich.

Jacqueline Lorenz

Fairkauf Sozialkaufhaus

Am Stichkanal 2-4
14167 Berlin

Telefon 030 84 72 72 27

E-Mail fairkauf.berlin@u-s-e.org

Öffnungszeiten: Di, Do, Fr: 9-16 Uhr, Mi: 12-18 Uhr und jeden 1. und 3. Samstag im Monat: 10-14 Uhr

www.u-s-e.org

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