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Im Einklang von Handel und Kultur

Zehlendorfs Mitte und seine Zukunft

Archiv HVZ
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Erschienen in Gazette Zehlendorf September 2017
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Die Zehlendorfer Mitte bietet ihrem Besucher ein buntes Angebot: Einkaufsläden, medizinische Einrichtungen sowie Kulturtreffpunkte und mittendrin die Dorfaue als Ruhepol sind über kurze Wege erreichbar und verbinden das Angenehme mit dem Nützlichen.

Doch eine behutsame Attraktivitätssteigerung rund um die Dorfaue ist zu überlegen, um auch zukünftig die Bezirksmitte als spannenden Anziehungspunkt für Alt und Jung bestehen lassen zu können. – Darin sind sich Bürger, Bezirksamt und Fraktionen einig. Nur über das realisierbare und wirklichkeitsnahe WIE besteht nach wie vor reger Diskussionsbedarf, der die unterschiedlichsten Ideen und Ansichten ins Rennen wirft.

Es tut sich was…

Erste Erfolge sind bereits sichtbar, während andere auch weiterhin auf sich warten lassen: Da erfreut sich der hochwertige Wochenmarkt an der Anhaltiner Straße wachsender Beliebtheit, und die Aussicht auf einen zweiten S-Bahnausgang Richtung Postplatz lässt Vorfreude aufkommen. Dank des laufenden Planungsverfahrens dürfte bis zur Realisierung genügend Zeit vergehen, diese Vorfreude weiter auszubauen.

Ein bald sichtbarer Erfolg kündigt sich beim Kunstgewerbehaus an, das bereits 2010 die Dach- und Fassadensanierung erfolgreich abschließen konnte: Bei laufendem Verkauf wird in einem zweiten Sanierungsschritt nun im Erdgeschoss der rechte Ladenteil denkmalgerecht restauriert, in einem dritten Schritt folgt Anfang 2018 die Sanierung des linken Ladenteiles.

Nur wenn alteingesessene Einzelhändler vom Bezirk Unterstützung erfahren, kann das Gesicht von Zehlendorf Mitte für die Zukunft nachhaltig geprägt werden. Eher entgegen wirkt dem die Eröffnung weiterer Ladenketten-Filialen, Optiker und Apotheken, woran am Teltower Damm der Bedarf längst gedeckt ist.

Für eine lebendige Mitte von morgen trägt auch ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Handel und Kultur bei. Einrichtungen mit Geschichte – wie beispielsweise das BALI-Kino und der KulturKiosk an der Dorfaue – sorgen mit ihrem jeweiligen Alleinstellungsmerkmal dafür, dass auch Besucher anderer Stadtteile und aus dem Umland Interesse an Zehlendorf und seinem Ortskern finden.

…auch am KulturKiosk

Derzeit wird die Zukunft des denkmalgeschützten, 1957 nach den Plänen des Künstlers Kurt Kurfiss erbauten KulturKiosk im Bezirksamt entschieden. Zehn Konzepte gingen auf die auflagenreiche Ausschreibung um einen neuen Mieter des Kiosks ein, der zu Redaktionsschluss noch nicht bekannt war.

Doch wurde in der Vergangenheit aus einflussreichen Kreisen immer wieder erklärt, einem Eisverkauf Vorschub leisten zu wollen. – Für viele fragwürdig, geht es doch darum, den Kiosk mit seiner eigentlichen Aufgabe als Kulturtreffpunkt zu erhalten.

Diese Aufgabe erfüllte über Jahre der gemeinnützige Verein „Kultur in Zehlendorf“, der sich um eine Fortsetzung des Mietverhältnisses beworben hat. Doch in letzter Zeit wurde – geprägt von Spekulanten – die Kulturleistung der Betreiber immer wieder nur unvollständig dargestellt. Christine Wehner, ehrenamtlich nachmittags im Kiosk mit einem breiten Angebot rarer Buchexemplare und Kulturtipps aus allen Bereichen anzutreffen, weiß um die wunden Stellen des Kiosks, dem u. a. Vertreter aus Tiefbauamt, Denkmalschutzbehörde und Bezirksamt kürzlich auf den Zahn fühlten. So laufen Toiletten und Handwaschbecken bereits nach einmaliger Benutzung über, die im Boden liegenden und von Baumwurzeln umschlossenen Rohre müssen umfangreich erneuert werden, um ihrer Aufgabe wieder gerecht werden zu können. Baulichen Veränderungen und der Kiosk-Nutzung setzt der Denkmalschutz deutliche Grenzen. Sein derzeitiger Zustand scheint wenig geeignet, um hier einem Handel mit Lebensmitteln, besonders wenn sie keimanfällig sind, Vorschub zu leisten.

Mit einer noch immer am Kiosk ausliegenden Unterschriftenliste meldeten sich inzwischen zahlreiche prominente Befürworter des vom Kulturverein betriebenen Kiosks zu Wort, denen im Vorfeld nur wenig Beachtung geschenkt worden war. Sie wollen den Kulturauftrag des Baus auch zukünftig erfüllt sehen.

Einiges zum Erhalt des Kiosk – so beispielsweise die Entrostung und regelmäßige Graffiti-Beseitigung – hat der betreibende Verein bereits in der Vergangenheit aktiv bewerkstelligt. Derzeit beschäftigt ihn die Reparatur der vom Kiosk-Dach aus weit sichtbaren Uhr. „Viele Bürger wünschen sich ihre Instandsetzung“, erklärt Christine Wehner. Doch die auf rund 3000 Euro geschätzten Reparaturkosten übertreffen das Budget des kleinen Vereins. Für sachbezogene Spenden (gegen Spendenbescheinigung) wäre der „Kultur in Zehlendorf e. V.“ daher sehr dankbar. Unterstützungsbereite Einzelsponsoren, Stiftungen, Initiativen und Einrichtungen können sich diesbezüglich montags bis freitags in der Zeit zwischen 16 und 19 Uhr direkt an Christine Wehner im KulturKiosk wenden.

…und bleibt zu bedenken

Gedanken um die Zukunft eines insgesamt attraktiven Ortskernes macht sich in regelmäßigen Treffen die interne Arbeitsgruppe um Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski. Vertreter aus Tiefbauamt, Ordnungsamt, Stadtplanung und BVV-Ausschüssen diskutieren darin die an sie herangetragenen Ideen vor dem Hintergrund des Förderprogramms Wirtschaftsdienliche Maßnahmen (WdM).

Die Zukunft der Dorfaue spielt dabei eine wichtige Rolle.

Indessen bewegen Überlegungen zur eventuellen Umwandlung des an der Dorfaue gelegenen Taxistandes in eine Parkraumbewirtschaftung die Anwohner.

Vermehrt wird der Wunsch nach einem Dorfteich inmitten des Angers laut, wie es ihn noch vor 100 Jahren gegeben hatte. Doch betrachtet man den derzeitigen Zustand der Dorfaue, stellt sich die Frage, wie und von wem die Pflege und Instandhaltung dann realisiert werden soll. Immerhin wartet die marode Auenumrandung und die stetig bröckelnde Steinfassade hinter dem Kiosk seit Langem geduldig auf ihre Instandsetzung und steht in groteskem Gegensatz zum malerischen Standesamt dahinter. Und auch der traurige Bauzustand des Rathaus Zehlendorf lässt die Frage nach Prioritäten deutlich werden.

Die an der Dorfaue wartenden Taxifahrer zeigen nur wenig Verständnis für eine Umgestaltung und können sich keinen verkehrsgünstigeren und für die Fahrgäste zugänglicheren Halteplatz vorstellen, auf den besonders ältere und von der nahen ambulanten Augenklinik kommende Fahrgäste angewiesen sind.

Im „Casablanca“ gleich nebenan sieht man es ähnlich: „Es sollte im Großen und Ganzen an der Aue so bleiben wie es war, nur alles zur Attraktivitätssteigerung deutlich mehr in Ordnung gehalten werden“, ist man sich da einig und fürchtet, „dass der letzte Rest vom bekannten Ortskern durch überzogene Neuerungen verdrängt wird, anstatt ihn zu pflegen und zu erhalten im Rahmen der vorhandenen finanziellen Möglichkeiten.“

Jacqueline Lorenz

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