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Eine Villa für die ganze Familie

Am Tag des offenen Denkmals steht die Villa Bernadotte allen Besuchern offen

Erschienen in Gazette Steglitz September 2017

Hier ist was los: Töpfern, Lachen, Spielen, Gespräche und mehr – das große gelbe Haus nahe dem Bahnhof Lichterfelde Ost bietet ein buntes Spektrum. Die beeindruckende Villa mit großem Garten am Jungfernstieg 19 in Lichterfelde Ost wurde im Jahr 1885 nach Entwürfen von Reinhold Richard Hintz gebaut. Bauherr war Emil Drenker. Als erster hat der Rentier Lüdecke im Jahr 1887 in der neu erbauten Villa gewohnt. Anfangs war sie wohl als Sommersitz geplant, denn das Berliner Adressbuch verzeichnet neben dem Namen des Bewohners den Zusatz „im Winter Berlin“. Der ehemalige Apotheker konnte seinen schönen Wohnort elf Jahre lang genießen und starb 63-jährig am 22. März 1898. Der nächste Bewohner war der Fabrikbesitzer und Königliche Hoflieferant M. Otto.

Im Auftrag der Forschung

Nach mehreren weiteren Besitzwechseln diente die Villa der Forschung. Der junge Physiker Manfred von Ardenne zog ein und gründete sein Forschungslaboratorium für Elektronenphysik. Bereits als Schüler interessierte sich der 1907 geborene von Ardenne für Naturwissenschaften. Obwohl er das Gymnasium noch vor dem Abitur abbrach, ermöglichten ihm familiäre Beziehungen den Zugang zur Universität. Nach einigen Semestern verließ er die Universität jedoch, um sein Laboratorium im Haus Jungfernstieg 19 zu gründen. Hier gelang ihm unter anderem die erste vollelektronische Fernsehübertragung der Welt mit Kathodenstrahlröhre. Viele bedeutende Erfindungen in der Funk- und Fernsehtechnik wurden in seinem Forschungslaboratorium gemacht. Er betrieb es bis 1945. Nach Kriegsende wurde er gemeinsam mit anderen deutschen Forschern zwangsverpflichtet, an der sowjetischen Atombombe mitzuarbeiten. 1954 zog er in die DDR und führte ein Forschungsinstitut in Dresden. Er starb 1997 in Dresden.

Treffpunkt für alle Generationen

Nach Kriegsende nutzten die amerikanischen Soldaten die Villa zunächst als Jazzclub. Im Jahr 1958 übergaben sie das Haus an den Bezirk Steglitz. Dieser nutzte es als Kinder- und Jugendeinrichtung und benannte es nach Graf Folke Bernadotte (1895 – 1948), Präsident des schwedischen Roten Kreuzes und Vermittler der Vereinten Nationen.

Seit 2006 hat der Mittelhof e. V., der hier ein Kinder-, Jugend- und Kulturzentrum eingerichtet hat, die Trägerschaft. Heute gibt es ein vielfältiges Angebot für so ziemlich jede Altersstufe wie Computerkurse, Sprachkurse, Beratungen, Sport für Kinder und Erwachsene, Aktivitäten für die ganze Familie und vieles mehr. Von Montag bis Freitag gibt es ein Nachbarschaftscafé. Eine Besonderheit ist das Kletterlabor. In dem acht Meter hohen, ehemaligen Laborraum befinden sich jetzt zwei Kletterwände mit insgesamt acht Kletterrouten. Der Klettersport wird hier unter professioneller Anleitung vermittelt. Im Rahmen von Kindergeburtstagen kann ein Kletterevent für bis zu zehn Kinder ab sechs Jahren gemietet werden. Das gesamte Programm der Villa Folke Bernadotte ist unter www.mittelhof.org zu finden.

Engagement von Ardennes Nachfahren

Auch die Remise im Garten ist ganzjährig nutzbar. In ihr stand übrigens der erste Mercedes von Manfred von Ardenne. Die Sanierung der Remise wurde von den Nachfahren Ardennes großzügig finanziell unterstützt. In dem weitläufigen Garten steht ein weiteres kleines Haus, das vom Pfadfinderstamm Burgund genutzt wird.

Tag des offenen Denkmals am 10. September

Am Tag des offenen Denkmals steht die Villa Bernadotte für alle interessierten Besucherinnen und Besucher von 14 bis 18 Uhr offen. Eine Ausstellung informiert über die Geschichte des Hauses. Je nach Bedarf werden Führungen angeboten. Kontakt: Annette Gowin, Mittelhof e. V., Tel. 77059975, gowin@mittelhof.org .

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