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Dexter & Co mit Sattel und Uniform gut angekommen

Reiterstaffel der Bundespolizei im neuen Stahnsdorfer Domizil

Polizeihauptkommissar Stefan Adam und Dexter fühlen sich wohl auf der großzügigen Anlage in Stahnsdorf.
Polizeihauptkommissar Stefan Adam und Dexter fühlen sich wohl auf der großzügigen Anlage in Stahnsdorf.
Erschienen in Gazette Wilmersdorf Oktober 2017
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Seit März diesen Jahres starten von Stahnsdorf aus die vier- und zweibeinigen Kollegen der Reiterstaffel der Bundespolizei zu ihren Einsätzen (die Gazette berichtete in der Mai-Ausgabe 2016 darüber).

Für rund sieben Millionen Euro ist auf dem drei Hektar großen Gelände an der Alten Potsdamer Landstraße, einem ehemaligen Truppenübungsplatz, ein Domizil entstanden, das nach kraftfordernden Einsätzen den notwendigen Ausgleich für Pferd und Reiter bietet.

Unter hippologischen Aspekten erbaut, birgt die Anlage deutlich mehr Platz als das alte Areal an der Koenigsallee im Grunewald und ist mit seiner Nähe zur Autobahn 115 verkehrsgünstiger gelegen.

Auf drei Hektar Land sind Dienstgebäude und Stellplätze für den Fuhrpark, Stallungen, Reithalle, überdachte Führanlage und Longierzirkel sowie Schmiede und rund 8.000 Quadratmeter Weidefläche entstanden und lassen manch vorbeitrabendes Privatpferd neidisch durch den hohen Zaum auf seine dem Volke dienenden Artgenossen blicken.

Doch es ist nur recht und billig, dass zum Wohle der als „polizeitaktisch unverzichtbares Element“ geltenden Reiterstaffel die Qualitäten des Areals den Bedürfnissen ihrer Nutzer zeitgemäß angepasst worden sind. Bei Wind und Wetter sind sie als Teileinheit der Bundespolizeiinspektion Polizeiliche Sonderdienste stets einsatzbereit und als Zwei- oder Vierbeiner dabei trotz umfangreicher Sicherheitsvorkehrungen, Visier und Gelenkschutz nicht davor gefeit, im Einsatz doch einmal Schaden zu nehmen. Den Unruhen des vergangenen Hamburger G20-Gipfels konnten die Vierbeiner jedoch entkommen, da die zu diesem Zeitpunkt in Norddeutschland nachgewiesene Equine Infektiöse Anämie (EIA) ihren Einsatz verhindert hatte.

Nun bereiten die Pferde und ihre Reiter sich in der neuen mensch- und tiergerechten Umgebung auf ihre Einsätze vor, die sie zum Flughafen Schönefeld ebenso führen wie auf Patrouillen entlang der Bahnanlagen, zum Bundespräsidialamt, zum Gästehaus der Bundesregierung nach Meseberg oder zu Einsätzen außerhalb Berlins, bei denen einerseits ihre deeskalierende Wirkung als Sympathieträger Pferd, andererseits aber auch ihre respekteinflößende Ausstrahlung gefragt ist. Landespolizeilich gibt es derzeit 12 Reiterstaffeln in Deutschland; nicht jedes Bundesland unterhält eine Staffel.

Zwischen Einsatz und Weidegang

Stellvertretender Leiter der Berliner Reiterstaffel ist der „berittene“ Polizeihauptkommissar Stefan Adam, der jahrelange Pferdeerfahrung mitbringt und als Pferdemensch genau weiß, was seinen vierbeinigen Kameraden guttut und zuzumuten ist.

Dunkelfuchs Dexter, „der Abi und Studium hat“, wie Adam zwinkernd bemerkt, lässt sich an einem warmen Vormittag im 40 Quadratmeter großen Paddock vor seiner Box die Sonne auf´s Fell brennen und schnaubt Adam freundlich entgegen. Seine 20 Artgenossen, alles Wallache, stehen währenddessen noch am Trog ihrer geräumigen 3,5 x 3,5 Meter-Box und kauen am Mittagsfutter. Sie lassen sich auch nicht mit guten Worten für ein Gruppenfoto aus der Kühle des Stalls nach draußen locken. Bester Quetschhafer, Kraftfutter, duftendes Heu, staubfreies Stroh und regelmäßig Saftfutter wie Möhren und Äpfel sowie Weidegang stehen ihnen zur Verfügung und sorgen dafür, dass die Tiere für anstrengende Einsätze genügend Energiereserven aufbauen können. Futtermeisterin Schmidt und die fünf Pfleger haben Futterkammer und Tiere genau im Blick. Polizeihauptkommissar Adam betont, dass bei dieser energiereichen Ernährung äußerst genau auf eine täglich ausreichende Bewegung der konditionierten Pferde geachtet wird, um sie einsatzfähig ausgeglichen und verlässlich unter dem Sattel halten zu können. – Ein absolutes Muss für das Bewegungstier Pferd, von dem etliche Privatreitpferde jedoch nur träumen können.

In der Schmiede wird für den regelmäßigen Spezialbeschlag gesorgt, der die empfindlichen Hufe und Gelenke der Dienstpferde schonen hilft. Beim Umzug vom Grunewald bot der Transport des rund 550 Kilo schweren Amboss´ einen besonderen Kraftakt für das Umzugsunternehmen.

Im Durchschnitt zwischen 10 und 15 Jahre Dienstzeit absolviert ein Staffelpferd, bevor es häufig von seinem langjährigen Reiter in den privaten Ruhestand übernommen wird. Pro Tag und Tier fallen durchschnittlich etwa 15 Euro Gesamtkosten an.

Artgerechtes Quartier für vierbeinige Einsatzkräfte

Im neuen, 30 Boxen umfassenden Stall, der mit viel atmendem Holz hoch und luftig gebaut ist, stehen beheizbare Sattelkammer, Waschbox und Pferdesolarium für eine schnellere Felltrocknung und zum Lockern der Muskulatur bereit – beide mit Tränke versehen. „Beim Bauen wurden diese beiden Räume mit den Boxen verwechselt und haben nun diesen zusätzlichen Luxus der Tränken erhalten“, lacht Adam.

Praktische Ausbildung und Training der Pferde und ihrer Reiter – 37 Polizeivollzugsbeamtinnen und –Beamten – finden auf dem 40x80 Meter-Reitplatz und in der 20x60 Meter-Reithalle statt. Gelenkschonender Boden und eine intelligent ausgefeiltes Bewässerungssystem vom Rand aus sorgen für höchsten Reitkomfort und die Nutzung des Platzes bei nahezu jedem Wetter. – Beste Ausweichmöglichkeit bietet für die Wintermonate die mit Aussichtsgalerie versehene Halle, die gut durchlüftet, mit Windschutz, schwebender Bewässerungs- sowie Musikanlage ausgestattet keinen Wunsch bei Pferd, Reiter und Ausbilder offen lässt. Für beliebte Abwechslung bei Pferd und Reiter sorgt hier regelmäßig das Quadrille-Reiten, mit dem auch die Öffentlichkeit bei gegebenem Anlass auf Veranstaltungen von der Reiterstaffel begeistert wird.

Wie bei jedem Bau stehen auch auf der Stahnsdorfer Anlage noch kleine Nachbesserungen an, wie Stefan Adam erklärt: Die zum Reitplatz und Longierzirkel führenden Wege sind zu tief und sandreich angelegt, was Gelenke von Pferd und Reiter unnötig belastet und bei Wind einen mittleren Sandsturm verursacht. Doch Abhilfe wird bald geschaffen.

Die Anlage wird 24 Stunden lang bewacht, Alarmanlage und hoher Zaun schützen die Dienstpferde vor ungebetenen Gästen. Und so können nicht nur die Stall-Bewohner des neuen Domizils ruhig schlafen, sondern auch Pferdefreunde, die die dienstleistenden Vierbeiner hier in artgerechter Versorgung und Unterbringung wissen.

Indessen wartet das ehemalige BIM-verwaltete Domizil im Grunewald auf seine Nachnutzung. Derzeit wird überlegt, während der anstehenden Sanierung des Polizeiabschnittes 43 in Nikolassee die Polizeidirektion 4 aus der Alemannenstraße vorübergehend in die Büroräume des verwaisten Anlage an der Koenigsallee 75 zu verlegen.

Jacqueline Lorenz

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