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Royal ruhen

Paradebett König Friedrichs I. restauriert

Erschienen in Gazette Charlottenburg Oktober 2017
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Friedhof Treuhand Berlin - FTB -
Das Paradebett vor 1888 an seinem ursprünglichen Aufstellungsort im Staatsappartement König Friedrichs I. im Schloss Charlottenburg. Archiv: SPSG
Das Paradebett vor 1888 an seinem ursprünglichen Aufstellungsort im Staatsappartement König Friedrichs I. im Schloss Charlottenburg. Archiv: SPSG

Das Schloss Charlottenburg hat ein königliches Kleinod zurückbekommen – ein Bett, das König Friedrich I. (1657 – 1713) für sich selbst gestalten ließ. Es wurde nach dem Tod von Sophie Charlotte für ihn gebaut. Der Herrscher ließ das Paradebett mit gelbem Damast und silbernen Tressen schmücken. Nach seinem Tod wurde es im Siebenjährigen Krieg von plündernden russischen und österreichischen Truppen zerstört. Friedrich der Große ließ das Bett nach Kriegsende wieder originalgetreu herstellen. Da die Hochzeiten des preußischen Adels im Schloss Charlottenburg gefeiert wurden, hatte das Paradebett eine wichtige Aufgabe zu erfüllen. Es diente am „ Vermählungstage zum Beylager“. So symbolisierte es auch die Fruchtbarkeit und den Fortbestand der Dynastien.

Für die Erneuerung des Seidengewebes 1888 wurde wieder das ursprüngliche Stoffmuster gewählt. 1893 kam das Möbel ins Berliner Schloss, wo es als Schlafstatt für hohe fürstliche Gäste genutzt wurde. 1933 kehrte es in die Charlottenburger Paraderäume zurück. Die Zerstörungen des Schlosses im November 1943 machten eine Verlagerung des noch nahezu intakten Bettes nach Potsdam erforderlich.

Bestandsaufnahme

Heute sind noch sämtliche textilen Teile des Baldachins sowie der unteren Bettbehänge erhalten. Dazu gehören u. a. die Baldachinbekrönung, Baldachinlambrequins (Zierblenden bzw. -behänge), der Baldachinhimmel, Bettbehänge sowie das Fußbrett. Die Stücke weisen jedoch erhebliche Schäden auf. So ist z. B. der aus dem 19. Jahrhundert stammende Damast der Lambrequins verblichen, verschmutzt, brüchig und an einigen Stellen gerissen. Hinzu kommen Substanzverluste in den Randbereichen. Die auf dem Damaststoff befindlichen Silberposamente aus dem 18. Jahrhundert sind korrodiert, verschmutzt, allgemein brüchig. Lahn und Gespinstfäden sind teilweise verloren, die Fransenborten verwirrt. Zudem fehlen die Crepinenblüten.

Die Restaurierung

Der Damast wurde mit einem Feinentstauber trocken gereinigt, die Silberposamente mit einem Alkohol-Reinstwasser-Gemisch nebelfeucht gereinigt, verworrene Fransen ebenfalls nebelfeucht gerichtet und mit Insektennadeln zum Trocknen fixiert. Anschließend erfolgte die nähtechnische Sicherung der Posamente. Die Lambrequins erhielten Stützgewebe aus farblich angepasstem Seidenatlas. Vorhandene Risse wurden mit Spannstichen gesichert und alle Damastbereiche mit einem farblich angepassten Tüllgewebe zum Schutz abgedeckt. Zudem erhielten die Lambrequins neue Futter aus Baumwollatlas. Sämtliche Restaurierungsmaßnahmen orientierten sich an der zu erwartenden Belastung für die Objekte, die vertikal am Baldachin bzw. am Bettkasten hängen.

Darüber hinaus wurden das verloren gegangene hölzerne Bettgestell und zwei Matratzen rekonstruiert. Des Weiteren werden Kopien des Seidendamastes (von 1890) und der Silberposamente (von 1763) für das Kopfteil angefertigt. Kopiert werden außerdem die Paradedecke, zwei Vorhänge mit Tressenbesatz und der Bezug des Fußbretts.

Das Bett wurde am 1. Oktober wieder aufgestellt. Alle fertigen Teile werden präsentiert, die unfertigen Bereiche bleiben holzsichtig. Die vollständige Restaurierung und Rekonstruktion soll bis 2019 abgeschlossen sein.

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