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Zu Gast im Atelier Sabine Gaudszun

Hans Gaba stellt aus

Kunst- und Gewerbehof mit Remise.
Kunst- und Gewerbehof mit Remise.
Erschienen in Dahlem & Grunewald Journal Dezember/Januar 2017
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Ende 2016 übernahm Künstlerin Sabine Gaudszun das Atelier auf dem Kunst-und Gewerbehof Breite Straße 20, in dem zuvor die „Galerie Julia Dorsch“ untergebracht war. Die Malerin, die in ihre Werke immer stärker surrealistische Züge einfließen lässt, arbeitete künstlerisch zuvor in ihrem privaten Atelier und in einem Gemeinschaftsatelier in Pankow, bevor sie die reizvollen Räume auf einem der schönsten noch bestehenden Höfe Schmargendorfs für sich entdeckte.

Ihrem Künstlerkollegen und –freund Hans Gaba, der seine Arbeiten zu öffentlichen Anlässen nur selten zeigt, stellt sie nun für seine Gastausstellung „SPECTRES“ vom 12. bis 19. November 2017 ihr Schmargendorfer Atelier zur Verfügung. Die Vernissage findet am 11. November in der Zeit von 18.00 bis 21.00 Uhr statt.

Beiden Künstlern wurde schon früh in ihrem Leben klar: „Kunst ist weitaus mehr als ein Hobby“, und so machten die Beiden sie zu ihrem Lebensmittelpunkt.

Atelier und Künstlerin

Betritt der Besucher von der lebendigen Breite Straße aus die Toreinfahrt zum Kunst- und Gewerbehof, vorbei an dem für manchen Geschmack etwas zu grellbunten Wandgemälde, eröffnet sich ihm dahinter, wohltuende Ruhe ausstrahlend, der Hof mit Malschule, Design-Tischlerei, Therapiepraxis und dem Atelier mit Ausstellungsraum von Sabine Gaudszun. Die Malerin besaß bereits vor der Übernahme des Ateliers einen engen Bezug zum Bezirk, da sie für längere Zeit in der Rheinbabenallee gelebt hat.

Stets in ihrem Schmargendorfer Atelier willkommen, lohnt es sich durchaus, hier vorbei- und der Künstlerin bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen.

Aus dem Ausstellungsraum, der mit eisernem Anbindering an der Wand und Holz-Deckenbalken noch an seine frühere Nutzung als Remise erinnert, geht es über eine Stiege hinauf in das luftige Atelier der gebürtigen Berlinerin, deren Großmutter nahe der Kulturbrauerei einst in einer ähnlichen Remise mit Tischlerwerkstatt aufgewachsen ist.

Im Schmargendorfer Atelier entstehen nun ihre Arbeiten beeindruckender Objekt-, Collagen- und neuartiger Intarsien-Kunst, in der immer wieder der unermessliche Kosmos, mit der Bedeutung des Menschen darin, Thema ist. – Einen regelrechten Entwicklungsschub in ihrem künstlerischen Schaffen erlebe sie in diesen Atelier-Räumen, verrät Sabine Gaudszun voller Energie.

„Mich haben von jeher Gebiete der Weltraumforschung und Astrophysik fasziniert. Ich habe mich in Richtung Science Fiction mit der Zeit künstlerisch wohl immer weiterentwickelt und werde mich noch weiter entwickeln“, ergänzt die Künstlerin, in deren Werken existentielle Fragen nach Zeit und Raum sowie nach Endlichkeit und Vergänglichkeit eine Rolle spielen. Dabei begegnen dem Betrachter in den meist abstrakten Gemälden mythisch angereicherte Landschaften mit antik anmutenden Architekturformen.

Bereits im Alter von fünf Jahren fesselten Sabine Gaudszun im Pergamon-Museum die antiken Kunstwerke und Materialien. Später waren es Dada und Surrealismus, Werke von Giorgio de Chirico und Hannah Höch, Figuration und Abstraktion, die Vielfalt verwendeter Mal-Techniken und Collagen, denen ihr Interesse galt, aber auch Casper David Friedrich und die Italienische Renaissancemalerei.

Sabine Gaudszun machte eine professionelle Malerei-Ausbildung bei der Schweizer Malerin Elisabeth Brunner, lernte Grundlagen und Techniken kennen. Ihre ersten eigenen künstlerischen Arbeiten waren Experimente aus Sand, Salz, Holz, getrockneten Pflanzen, Kaffee und Spielzeug, die sie immer wieder veränderte, dann letztendlich aber doch vernichtete.

Mit einem Galeriebesuch Ende der 80er aber entsteht ihre inspirierende Verbundenheit zum Werk von Max Ernst. Die verschwimmenden Grenzen zwischen gegenständlicher und abstrakter Malerei, zwischen Konkretem und Vision will sie selbst erreichen und erforscht Eigenschaften und Möglichkeiten von Acrylfarben und –pasten auf Leinwand, kombiniert sie mit Einsprengseln verschiedener Materialien, ohne dabei Max Ernst zu imitieren. Ihre Bilder, die bei Kunstsammlern und –liebhabern hängen, zeigen immer neue, eigene Möglichkeiten und Techniken, mit denen sie sich und ihr malerisches Anliegen ausdrückt.

In ihrem neuen Atelier in Schmargendorf will sie sich und ihre Malerei weiterentwickeln, sich verstärkt nach außen öffnen, Kunstliebhaber und –sammler erreichen, mit anderen Künstlern und Galerien kooperieren.

Künstlerische Ideen hat sie genug für den im Hof gleich gegenüber liegenden alten Stall mit den steinernen Futterkrippen, der aktuell als Abstellraum dient, doch durchaus zu Größerem taugt.

Dass sie auch diejenigen erreicht, für die Kunst und Kultur unerschwinglich ist, dazu engagiert sie sich seit 2010 aktiv im von ihr mitbegründeten gemeinnützigen „KulturLeben Berlin – Schlüssel zur Kultur e. V.“. Indem sie hilft, Kulturplätze an einkommensschwache Menschen zu vermitteln und kostenlose Tickets an sie zu verteilen, setzt sie sich gleichzeitig für Barrierefreiheit und Integration ein.

Um aber auch anderen Künstlern zu helfen, vermehrt an die Öffentlichkeit zu treten, dafür öffnet Sabine Gaudszun zeitweise ihr Atelier für Gastausstellungen.

Gastkünstler und sein Werk

Hinter dem Künstlernamen Hans Gaba steht ein bildender Künstler, den mit Schmargendorf und den Bezirk ebenfalls einiges verbindet: So wohnten die Großeltern väterlicherseits bis zur Ausbombung in der Schlangenbader Straße. Gaba selbst lebte Jahre später in der Umgebung des Rosenecks, wo er sich auf teils reale und teils virtuelle Spurensuche seiner familiären Wurzeln begab: Da ist noch derselbe Bordstein, derselbe Sonnenlichteinfall auf den Kleingarten wie auf dem Familienfoto aus dem Jahr 1927, und auch einige von der Brandbombe verkohlte Balken im Dachstuhl erinnern noch heute an Gabas Familiengeschichte.

Sichtbare Spuren des Krieges verarbeitete der Künstler in seinem Werk „Einschüsse“ und stellt in einer Serie kleinformatiger Aquarelle die Frage: Gehen diese Bilder mit ihrer Umgebung und ihren Menschen verloren oder bleiben sie als Nachbilder, Schemen, Phantome bestehen?

Auch in seiner aktuellen Atelier-Ausstellung „SPECTRES“ im Kunsthof wird er Schemenhaftes, aber auch gespenstisch Phantomhaftes mit seinen Werken darstellen.

Hans Gaba, der im selben Atelier in Pankow wie Sabine Gaudszun malte und inzwischen in der Schöneberger Leberstraße lebt und arbeitet, experimentiert grundsätzlich mit Themen der Wahrnehmung und des Wiedererkennens. Abgeleitet aus selbstfotografierten Eindrücken, die mit eigenen Erlebnissen verknüpft sind, entstehen seine Bild-Motive mithilfe unterschiedlicher Möglichkeiten der Aquarelltechnik. Dabei gelingt es ihm, durch die unterschiedlichen Techniken eine Verfremdung des eigentlichen Bildes zu erreichen. Das Auge des Betrachters aber erkennt bekannte Schemen der fotografischen Realität, wobei es jedoch zu ganz neuen Deutungsmöglichkeiten geführt wird.

In Sabine Gaudszuns Atelier kann sich der Betrachter ab dem 12. November davon sein eigenes Bild machen und dabei mit den Künstlern ins Gespräch kommen (von Mittwoch bis Freitag 16 – 19 Uhr, Samstag und Sonntag 14 – 17 Uhr sowie nach Vereinbarung).

Weitere Informationen zu den Künstlern unter www.sabinegaudszun.de und www.hans-gaba.de

Jacqueline Lorenz

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