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„Leben ist Glühn“.

Der deutsche Expressionist Fritz Ascher in einer Sonderausstellung im Museum Charlottenburg-Wilmersdorf

Erschienen in Gazette Charlottenburg Januar 2018
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Viele Künstler sind mit ihrem Werk infolge der Diskriminierung, Unterdrückung und Verfolgung durch das nationalsozialistische Regime in Vergessenheit geraten. Dazu zählt auch der spätexpressionistische Künstler Fritz Ascher (1893–1970). Sein Schicksal steht exemplarisch für zahlreiche Künstlerinnen und Künstler der sogenannten „verlorenen Generation“, deren Karrieren 1933 abrupt unterbrochen oder beendet wurden.

Verfolgung und Haft

Den Großteil seines Lebens verbrachte der in bürgerlichen Verhältnissen aufgewachsene Fritz Ascher in Berlin. Bereits 1933 war er als „politisch verdächtiger“ und als „entartet“ geltender Künstler, zudem mit jüdischem Hintergrund, Verfolgungen ausgesetzt. Diesen versuchte er sich durch mehrfachen Wohnortwechsel in Berlin, Steinstücken und Neubabelsberg zu entziehen. Im Zuge der Novemberpogrome 1938 wurde Ascher in Potsdam inhaftiert und an das Konzentrationslager Sachsenhausen überstellt. Nach erneuter Haft in Potsdam kam er 1939 unter Auflagen frei. Im Juni 1942 entging er der drohenden Deportation, in dem er sich in einer Villa in Berlin-Grunewald versteckte. In diesem Berliner Ortsteil lebte er auch nach 1945, gezeichnet von den traumatischen Erfahrungen und fast gänzlich von der Gesellschaft zurückgezogen, bis zu seinem Tod 1970.

Einzigartige künstlerische Stimme

125 Jahre nach seiner Geburt stehen die Kunst und Biografie Fritz Aschers im Zentrum einer umfassenden monografischen Werkschau. In Gemälden, Zeichnungen, Aquarellen, Gouachen und in Gedichten entwickelte er eine starke und einzigartige künstlerische Stimme. Die Ausstellung umspannt Aschers Werk von ersten Studienzeichnungen über expressive Figurenkompositionen der Weimarer Republik bis zu seinen späten Naturdarstellungen nach 1945. Den Gemälden und Grafiken sind seine Gedichte, die er in der Zeit der Verfolgung und Isolation des Verstecks schrieb, gegenübergestellt.

Zur Retrospektive hat die Fritz Ascher Society die Begleitpublikation „Der Expressionist Fritz Ascher. Leben ist Glühn“ herausgegeben (Wienand-Verlag Köln 2016, 292 Seiten, zahlreiche Abbildungen). Der Katalog ist in der Villa Oppenheim zum Museumspreis von 29 Euro erhältlich.

Die Ausstellung ist bis zum 11. März 2018 im Museum Charlottenburg-Wilmersdorf in der Villa Oppenheim, Schloßstraße 55 in Charlottenburg zu sehen. Sie wird von einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm begleitet. Darüber hinaus bietet das Museum öffentliche Führungen für Einzelbesucher und Gruppenführungen (Termine nach Absprache) an. Für Kinder und Jugendliche (ab 6 Jahren, Grundschulen und Sekundarstufe I und II) gibt es ein spezielles Bildungs- und Vermittlungsprogramm. Öffnungszeiten: Di bis Fr 10 bis 17 Uhr, Sa, So, Feiertage: 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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