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Gedenktafel für Leo Kestenberg

Zum 135. Geburtstag des deutsch-israelischen Pianisten und Musikpädagogen

Erschienen in Gazette Wilmersdorf Mai 2018
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Am 27. November wurde zu Leo Kestenbergs 135. Geburtstag an seinem ehemaligen Wohnhaus in der Barstraße 12 eine Gedenktafel in Anwesenheit von Leo Kestenbergs Enkelin Rachel Epstein aus Israel enthüllt.

1918 war Kestenberg als wissenschaftlicher Mitarbeiter ins Preußische Kultusministerium eingetreten, wurde 1920 zum Referenten der Kunstabteilung berufen und leitete die Musikabteilung des „Zentralinstituts für Erziehung und Unterricht“. Hier widmete er sich nicht nur der Modernisierung und Professionalisierung der schulmusikalischen Bildung, sondern leitete die gesamte preußische Berufungspolitik für die Berliner Theater und Orchester. Nur wenige Tage nach seinem 50. Geburtstag wurde Kestenberg aus politischen Gründen am 1. Dezember 1932 in den einstweiligen Ruhestand versetzt.

Leo Kestenberg wurde am 27.11.1882 als Sohn eines jüdischen Kantors in Rözsahegy/Rosenberg im damaligen Königreich Ungarn der Habsburgmonarchie geboren. Als er vier Jahre alt war, siedelte die Familie nach Prag über und von dort zwei Jahre später nach Reichenberg. Den ersten Klavierunterricht erhielt Kestenberg bei seinem Vater, danach 1894/95 bei Musikdirektor Gustav Albrecht in Zittau. Mit 15 Jahren begann er in Berlin bei Franz Kullak Klavier zu studieren. Die Begegnung 1898 mit Ferruccio Busoni, mit dem und dessen Familie ihn eine innige Freundschaft verband, führte zur entscheidenden Wende seines künstlerischen Lebens. Nach Klavierunterricht bei Jose Vianna da Motta, Hermann Scholtz und Felix Draeseke besuchte Kestenberg 1900 in Weimar einen Meisterkurs Busonis und setzte sich mit den Werken Bachs, Schumanns und vor allem Liszts auseinander. Im gleichen Jahr trat er in die Militärkapelle in Josefsstadt ein und begann seine Konzerttätigkeit als Solist. Er wurde musikalischer Berater der Volksbühne Berlin, Lehrer für Klavier am Sternschen Konservatorium und am Klindworth-Scharwenka Konservatorium in Berlin und begann seine Tätigkeit in den Bildungssauschüssen der Sozialdemokratischen Partei, derer 1900 beigetreten war.

Unmittelbar nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten emigrierte Kestenberg 1933 zunächst nach Prag, wo er seine tschechoslowakische Staatsbürgerschaft reaktivieren konnte. Als es 1934 in Prag zur Gründung der „Gesellschaft für Musikerziehung“ kam, übernahm er daher die Leitung der Sektion für internationale Beziehungen. Im Herbst 1938 musste er erneut vor den Nationalsozialisten fliehen und kam nach Paris, wo er mit Hilfe von Freunden und Kollegen die in Prag gegründete „Internationale Gesellschaft für Musikerziehung“ weiterführen wollte. Die politisch immer bedrohlicher werdende Lage in Europa veranlasste ihn Ende 1938, erneut zu emigrieren und nach Tel Aviv überzusiedeln. In Tel Aviv übernahm er zunächst die Stelle des Generalmanagers des Palestine Orchestra. Diese Tätigkeit bedeutete aber eine rein administrative Aufgabe, die ihm aber als schaffendem Künstler und aktivem Bildungspolitiker fremd war.

Leo Kestenberg verstarb am 13. Januar 1962 in Tel Aviv.

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