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Schlütter statt Schüttler

Neuer Leiter der Gartenarbeitsschule Steglitz-Zehlendorf

Neuer Leiter Stephan Schlütter (r.) und Imker Uwe Sommer von der Gartenarbeitsschule Steglitz-Zehlendorf.
Neuer Leiter Stephan Schlütter (r.) und Imker Uwe Sommer von der Gartenarbeitsschule Steglitz-Zehlendorf.
Erschienen in Gazette Steglitz September 2018
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Das „L“ in ihren Nachnamen sitzt zwar an verschiedenen Stellen, doch beide haben ein gleichgroßes Herz für naturnahes Gärtnern: Seit März hat der 56-jährige Stephan Schlütter sich an der Seite seines Vorgängers in die neue Aufgabe als Gartenschulleiter eingearbeitet. Im September geht Ulrich Schüttler nun nach sechs Jahren in Ruhestand und überlässt damit seinem Nachfolger und den kleinen und großen Naturfreunden mit einem lachenden und einem weinenden Auge das Feld.

Das 10.000 Quadratmeter große Areal der in den 50er-Jahren gegründeten Gartenarbeitsschule Steglitz-Zehlendorf besteht aus zehn Parzellen, die in jeweils vier Quadrate eingeteilt sind. Hier, auf grüner Oase inmitten alten und jungen Obstbaumbewuchses und unterschiedlichster Lebensräume, mit Teich und in Sichtweite zum Kreisel, können kleine und große Gärtner, Schüler und Kita-Kinder säen, pflanzen, jäten und ernten. Sie lernen hier spielerisch in Theorie und Praxis vom Imker angeleitet und auf einem der ersten Wildbienenlehrpfade, aber auch an einem der zahlreichen öffentlichen Besuchstage der Anlage, Wichtiges über die Natur, ihre Produkte und über Biene & Co. Wer weiß schon, dass es über 30.000 Bienenarten gibt, und welche von ihnen in der Gartenarbeitsschule ein- und ausfliegen? Und schmeckt ihr Frühjahrshonig eigentlich anders als der Sommerhonig?

Schüttlers Naturerlebnisgarten bleibt…

Saftige Johannisbeeren, blutrote Kirschen, knackiger Salat aus eigenem Anbau und süßer Honig von den Garten-Bienen waren dann auch köstliche Begleiter bei der Verabschiedung Ulrich Schüttlers vor den Sommerferien, die Uwe Sommer von der auf dem Gelände an der Haydnstraße in Lichterfelde beheimateten „Die Schul-Imker gGmbH“ initiiert hatte.

Uwe Sommer wies in der Verabschiedung auf die während der letzten sechs Jahren erreichten Fortschritte der Gartenarbeitsschule hin, die dem großen Engagement Schüttlers zu verdanken sind. Er habe die ruhige Oase an der Haydnstraße in einen spannenden Naturerlebnisgarten verwandelt, der im Jahr 2017 immerhin 11.000 Besucher verzeichnen konnte. Und Steffie Mosch von der Schulaufsicht ergänzte: „Er hinterlässt an diesem besonderen Lernort eine glänzende Visitenkarte.“

Der nach 40 Jahren Schuldienst frischgebackene Ruheständler Schüttler erklärte vor den Gästen, darunter Bezirksstadtrat Frank Mückisch und Isabell Simonsmeier, die als „guter Geist des Senats für die Gartenarbeitsschulen“ betitelt wurde: „Zwar freue ich mich über meinen Nachfolger mit dem grünen Daumen, doch ist mein ganzes Herzblut in diese Gartenarbeitsschule geflossen, so dass ich sie, ihre Mitarbeiter und meine kleinen Naturfreunde aus Schulen und Kitas sehr vermissen werde.“

Zukünftig werde er dennoch nicht viel Zeit für Besuche auf der Anlage finden, da die Zeit knapp sei – dank Sohn in den USA, seiner Tochter und zweier Enkelkinder.

Reisen stehe außerdem auf seinem Programm, und Langeweile komme da bestimmt nicht auf.

Bereits einen Tag nach der Verabschiedung aber schlenderte Schüttler am Tag der StadtNatur gemeinsam mit seinen Enkeln über die Anlage.

…und wird von Schlütter weiterentwickelt

Dennoch bleibt für seinen Nachfolger Stephan Schlütter noch genug zu tun. Beste Voraussetzungen dafür bringt er mit: Nach seiner Lehrerausbildung in Freiburg ging er in die Jugendarbeit und beschäftigte sich – selbst auch ausgebildeter Gärtnermeister – mit jugendlichen Arbeitslosen im Landschaftsgartenbau. Es folgte seine Weiterbildung zum Landschaftsarchitekten. Nach Berlin kam Schlütter, als er ins Grünflächenmanagement der von viel Grünfläche umgebenen Berliner Wasserwerke einstieg.

Dann kam der Lehrermangel. „Ich wollte an mein früheres Studium anknüpfen und habe so mein Referendariat abgeschlossen“, erzählt Schlütter. Übers Bezirksamt erfuhr er von der freien Stelle und bekam Kontakt zu Ulrich Schüttler.

Von Spandau wechselte Schlütter nach Steglitz, wo er jetzt wohnt und als Lehrer an der Grundschule an der Bäke arbeitet. Mit einer halben Stelle hat er die Leitung der Gartenarbeitsschule übernommen und damit die Möglichkeit erhalten, seine beiden Leidenschaften, Schule und Natur, zu verbinden.

Mit viel Elan geht er an seine neue Aufgabe, deutliche Ziele vor Augen, die er erreichen will:

Neben der Anlage eines Wunderlauchgartens, der einer für Berlin typischen schmalblättrigen Art des Bärlauch Platz bieten wird, gibt es im Gartenbereich viel zu organisieren, weiterzuentwickeln und zu pflegen. Als einziger Anlage von 12 Berliner Gartenarbeitsschulen fehlt der Steglitz-Zehlendorfer Anlage die Gärtnerstelle, die auch die Anleitung des Gartenarbeiter-Teams übernehmen könnte. – Schlütter will dies bald geändert sehen.

Und dann ist da die Wasserproblematik: Zwar wird die Gartenarbeitsschule über einen Brunnen mit Wasser versorgt, der auch die sanitären Einrichtungen erreicht, ist aber als unerschlossenes naturbelassenes Gelände nicht an die Kanalisation angeschlossen, so dass es kein Trinkwasser gibt. Im Winter muss der Wasserzulauf vom Brunnen gesperrt werden, weshalb die Toiletten dann nicht benutzt werden können.

Und auch ein geeigneter Rückzugsort für die jungen Besucher aus Schule und Kita bei kaltem und nassem Wetter oder als adäquater Lernort fehlt. Zwar gibt es da die nach vorne offene Veranda, die mit Anbau und Wirtschaftsräumen nur im Sommer genutzt werden kann, im Winter aber brach liegt.

Mit Beseitigung der Wasser- und Platzproblematik wäre die Gartenarbeitsschule ein über das ganze Jahr nutzbarer Naturerlebnisort, der auch in den kälteren Monaten des Gartenjahres reichlich Entdeckenswertes bereithält.

Um dieses Platzproblem für die kleinen Gartengäste zu lösen, hat der neue Leiter eine Idee, die er gerne realisiert sähe. Sie findet auch Anklang bei Achim Müller, dem Leiter der benachbarten Kita Haydnstraße, die von Zeit zu Zeit im Bollerwagen zum Honigfrühstück in der Gartenarbeitsschule anrollt:

In Anlehnung an die als mobile Kindergarten-„Bau“wagen bekannten „Wichtelwagen“, die Kinder als Zielgruppe haben, könnte ein eigens auf die Bedürfnisse der Gartenarbeitsschule zugeschnittenes, beheizbares Modell als mobiler Lernort dienen. – Einen Entwurf gibt es bereits. Doch die Kosten würden bei etwa 60.000 Euro liegen.

Naturfreunde, die Stephan Schlütter bei der Realisierung dieser Idee auf dem Weg zu dem noch besser nutzbaren Naturerlebnisort Gartenarbeitsschule Steglitz-Zehlendorf unterstützen wollen, sind willkommen.

Informationen, Kontaktdaten, Termine und Aktuelles über die Gartenarbeitsschule Steglitz-Zehlendorf über Blog www.gartensteglitz.de oder über www.gartenarbeitsschulen.de

Zum Imker geht´s über www.die-schul-imker.de

Jacqueline Lorenz

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