Gazette Verbrauchermagazin DIN-A4-Bezirks-Magazine DIN-A5-Ortsteil-Journale

SeeGarten-Freu(n)de am Lietzensee

Vorbild-Projekt für Urban Gardening

Bezirksstadtrat Oliver Schruoffeneger machte sich vor Ort ein Bild vom SeeGarten am Lietzensee. Foto: Sebastian Kringel
Bezirksstadtrat Oliver Schruoffeneger machte sich vor Ort ein Bild vom SeeGarten am Lietzensee. Foto: Sebastian Kringel
Erschienen in Gazette Charlottenburg September 2018
Anzeige
Profi ServiceMÄHRENFoto-Video-DrogerieSteuerberaterKiwusOwens Training

Schon länger macht der gemeinnützigen ParkHaus Lietzensee e. V. positiv von sich reden wegen seines rund um den Lietzensee engagierten Einsatzes. Da geht es nicht nur darum, das über 90-jährige Parkwächterhäuschen beharrlich wiederzuerwecken, um es in jugendlicher Schönheit erstrahlen zu lassen. Ein Aspekt ist den Mitgliedern der Initiative um die Hauptakteure Katja Baumeister-Frenzel, Carsten Knobloch und Thomas Lorenz bei ihrer Arbeit besonders wichtig: Als Partner des Bezirksamtes kleine und große Menschen aus der Nachbarschaft mit einzubeziehen bei ihrem Einsatz für eine lebenswerte Umwelt, in der auch der Natur noch genügend Raum zum Atmen bleibt.

Dies wird mit ihrem Projekt „SeeGarten am Lietzensee“ auf dem Grundstück an der Kuno-Fischer-Straße 11 umgesetzt. Gemeinsame Gartenarbeit verbindet dort ungezwungen Jung und Alt, wobei allen viel Freude in und aus der Natur erwächst.

Bürger und Bezirksamt als Partner

Als „gelungenes Vorzeige-Projekt, bei dem Kinder und Jugendliche lernen können, wie Gemüse und Obst wirklich schmeckt, wenn es nicht unter drei Plastikfolien verpackt ist“, lobt Charlottenburg-Wilmersdorfs Bezirksstadtrat für Umwelt Oliver Schruoffeneger den „SeeGarten“, dem er am Ende der Sommerferien einen Besuch abstattete. Aus dem eher schmalen, ehemals brachliegenden Baugrundstück, das an den Kuno-Fischer-Platz mit Wiese am Lietzensee angrenzt, ist unter der ehrenamtlichen Pflege des ParkHaus Lietzensee e. V. innerhalb von 1 ½ Jahren ein bemerkenswertes urbanes Paradies entstanden, in dem alles prächtig gedeiht als blühender Beweis für fruchtbare Partnerschaft zwischen Bezirk und Bürger.

Während in den kommenden Jahren der durch einen Zaun vom SeeGarten abgegrenzte Platz in Anlehnung an die ursprünglichen Entwürfe Erwin Barth´s restauriert werden wird, lernen praktisch gleich nebenan ganz im Sinne der ParkHaus-Vereinssatzung rund 50 Kinder aus drei benachbarten Kitas und Schüler der Peter-Ustinov-Schule nun in urbanem, vom Bezirk zur Verfügung gestellten Raum das Gartenjahr, seine Früchte und die damit verbundene Arbeit von der Bodenbearbeitung bis zur Ernte kennen.

Dazu ist das Grundstück nach Plänen von Gartenplaner Klaus Rehbein in verschiedene Bereiche unterteilt worden: Technik der Permakultur, Ackerbau, Hochbeete, Wildblumen-Wiese und Trockenmauer lehren hier praktisch ganz unterschiedliche und nützliche Varianten der Gartenpflege und bieten immer neue Reize. Darüber hinaus leistet der ParkHaus e. V. damit seinen Beitrag zur Förderung der Biodiversität und Unterstützung heimischer Bestäuber.

In Kooperation mit der GemüseAckerdemie, einem umfangreichen und begleitenden Bildungsprogramm des Ackerdemia e. V., erhalten Verein, Erzieher und Lehrer wichtiges Fachwissen vermittelt und Anleitung, um im SeeGarten sinnvolle Bildungsarbeit leisten zu können, von der auch die Natur profitiert.

Begeisterte Gartenfreunde

Die Gäste aus Bezirksamt, Nachbarschaft, GemüseAckerdemie, Schule und Kita empfängt an diesem Morgen kurz vor Ferienende strahlender Sonnenschein; wie so oft in diesem Sommer, in dem es reichlich zu gießen gab. Dennoch grünt und blüht es üppig auf den Hochbeeten und Beeten der Permakultur, Wildbienen und Schmetterlinge laben sich an süßen Blüten-Säften, und Radieschen-Stauden stecken auf dem Kita-Acker die jungen Blätter neugierig in die noch frische Morgenluft.

Wassermangel brauchten Kürbis & Co hier nicht zu erleiden. Liebevolle Gießpaten haben nicht nur in den Sommerferien dafür gesorgt. „Ich habe viel gegießt“, erklärt der kleine Steppke aus der Kita „umme Ecke“ stolz, der mit Freundin Nadja und Erzieher an diesem Tag „gut behütet“ ebenfalls vorbeischaut. Er lernt hier mit seinen Kita-Freunden und mit erdverkrusteten Händchen und allen Sinnen, spannende Dinge beim Säen, Graben, Gießen und Ernten zu entdecken. Dass unterschiedliche Tomatensorten nicht gleich schmecken, und dass der Regenwurm wichtiger Freund des Radieschens ist, das weiß seine kleine Freundin Nadja schon längst.

Gerne vorbei schaut inzwischen auch SeeGarten-Nachbarin Liane aus Holland, die anfangs, als das Grundstück zum Bürgergarten umgegraben wurde, noch etwas skeptisch war. Jetzt gehört sie fest zum Team der Ehrenamtlichen. Kanne für Kanne hat sie in den heißen Tagen getragen, um den jungen Pflanzen ein Verdursten zu ersparen, und scherzt: „Von meinem Fenster aus passe ich akribisch auf unseren SeeGarten auf.“

Gewisse Erleichterung beim Gießen bringt, dass ein Wasseranschluss des Grünflächenamtes im benachbarten Park mit genutzt werden darf, wofür der ParkHaus-Verein dankbar ist.

Gemeinsam für Gemüse, Grün und Garten

An diesem Vormittag ist es dann Leo, Sohn der Vereinsvorsitzenden Katja, der unaufgefordert den Gartenschlauch ausrollt, um zu wässern, während seine Mutter eine im Garten unwillkommene Stechapfelstaude entfernt.

„Ich will, dass der SeeGarten noch schöner wird“, erklärt ihr Sohn bestimmt. Regelmäßig packt er mit an, wenn es etwas zu tun gibt: Da ist beispielsweise das kleine Gartenhäuschen für Geräte, aus FEIN-Mitteln des Bezirks finanziert. Eltern und Kinder, Vereinsmitglieder und Unterstützer haben mitgeholfen, aus dem Bausatz das zu machen, was es jetzt ist: Ein schmuckes Gerätehäuschen mit Gießkannen, Schubkarre, Harken und Pflanzutensilien. Leo hat beim umweltfreundlichen Anstrich des Schuppens kräftig mitgeholfen. Man spürt deutlich, wie viel ihm das SeeGarten-Projekt bedeutet.

Das sei bei vielen der Schüler aus der Garten-AG so, bestätigt Lehrerin Heidi Klotz von der Peter-Ustinov-Schule. Schüler würden häufig mit der SeeGarten-AG neue Talente bei sich entdecken, selbstbewusster werden und dabei echtes Verantwortungsgefühl für „ihren“ Acker entwickeln. Heidis Begeisterung für das Garten-Projekt steckt an, besonders, wenn sie von den Besonderheiten der Permakultur schwärmt, von der wichtigen Aufgabe erzählt, die Gartenerde hat und von der Überraschung aller, wenn wieder etwas gewachsen ist, das man doch gar nicht ausgesät hatte(!) Bei ihr lernen Schüler auch die Zusammenhänge kennen. – Dass Kürbisse deutlich sichtbar männliche und weibliche Blüten besitzen, und wie wichtig es ist, Samenstände stehen zu lassen, um für das nächste Jahr vorzusorgen. An Heidis Seite, nicht weniger begeistert, stehen da ihre Schüler Kimberly und Victor. Kimberly bringt von ihrer gartenbegeisterten Mutter schon reichlich Gartenbau-Erfahrung aus Simbabwe mit.

Stolz präsentiert sie die ersten reifen Weintrauben und prüft mit leichtem Druck fachmännisch die Erntereife der Strauchtomaten. Beim Wässern löst sie Leo ab und greift, wo immer der Garten Hilfe benötigt, unaufgefordert zu.

Kein Wunder, dass bei so viel Projekt-Begeisterung und Unterstützern unterschiedlichster Bereiche – darunter auch der Rotary-Club Berlin-Kurfürstendamm – es an allen Ecken im SeeGarten kräftig grünt und summt. Pralle Kürbisse kugeln sich in der Sonne, Tomaten warten in reifem Rot auf die Ernte, Ringel- und Sonnenblume begrüßen summende Gäste.

Hier und da wird von den leckeren Früchten genascht. Während die Insekten auch ohne Einladung zugreifen, lassen sich die Besucher, die am frisch gezimmerten Informationskasten Neues aus dem SeeGarten erfahren, gerne von Katja Baumeister-Frenzel verführen, bei frisch geernteten Gartenfrüchten zuzugreifen.

Früchte, die wohl kaum so saftig und wohl geraten wären, wenn nicht ein begeistertes Team aus ParkHaus-Verein, Bezirk, Nachbarn sowie gartenbegeisterten kleinen und großen Menschen hinter dem SeeGarten stände, die allesamt aus tiefer Überzeugung und Liebe für Umwelt und Natur sich für ihren SeeGarten einsetzen.

Carsten Knobloch, der dabei auch für sich spricht, bringt es auf den Punkt: „So viel Arbeit ist es ja gar nicht, wenn es letztlich doch so viel Freude bringt.“

Aktuelles vom ParkHaus Lietzensee e. V. und seinen Projekten unter www.parkhaus-lietzensee.de

Jacqueline Lorenz

Anzeige
Café K - Kunst unter KiefernWRF ReinigungstechnikBatrole Ing. IngenieurgesellschaftKinderschuhweltBOWE OPTIKBallettschulenATALA GmbH & Co.Freilicht GmbH & Co. KGEckard Kanold GmbH & Co. KG

© Gazette Verbrauchermagazin GmbH 2019