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Friedenaus alte Mitte

Friedrich-Wilhelm-Platz mit Kirche Zum Guten Hirten

Erschienen in Gazette Schöneberg & Friedenau April 2019
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Auf dem Reißbrett geplant: Der Landerwerb- und Bauverein auf Actien erwarb ein Großteil der Äcker der Ritterguts Deutsch-Wilmersdorf. Damit knüpfte er an die Villenkolonie an, die Johann Anton Wilhelm von Carstenn begonnen hatte. Dieser hatte in seiner Carstenn-Figur den heutigen Friedrich-Wilhelm-Platz als Mittelpunkt von Friedenau vorgesehen. Auf heutigen Karten ist die Figur immer noch gut erkennbar. Nur führt die Bundesallee – damals Kaiserallee – nicht mehr direkt auf den Platz zu. Im Zuge von Umbauten für die „autogerechte Stadt“ kam es zu der heutigen Streckenführung. Dominiert wird der Platz von der Kirche Zum Guten Hirten, eingeweiht zum 410. Geburtstag Martin Luthers am 10. November 1893 – vor 120 Jahren. Bei der Einweihung gab es hohen Besuch: Kaiserin Auguste Viktoria, die Schirmherrin des Evangelischen Kirchenbauvereins, ließ es sich nicht nehmen, die schöne Friedenauer Kirche persönlich in Augenschein zu nehmen.

Wachsende Gemeinde

Ursprünglich war die Wilmersdorfer Dorfkirche Anlaufpunkt für die Friedenauer Gemeinde. Aber diese genügte nicht einmal mehr für die wachsende Bevölkerung Deutsch-Wilmersdorfs und wurde durch die größere Auenkirche ersetzt. Die Friedenauer Kirchengemeinde wollte selbständig werden und so legte man im Jahr 1891 den Grundstein für die Kirche Zum Guten Hirten. Das Grundstück hatte die Landgemeinde schon im Jahr 1883 zur Verfügung gestellt. Die Baukosten der Kirche brachten die Landgemeinde Friedenau, die Muttergemeinde Deutsch-Wilmersdorf, der Evangelische Kirchenbauverein und Kaiserin Auguste Viktoria auf. Die Kirche wurde nach Entwürfen des Architekten Karl Doflein im gotischen Stil errichtet. Der rote Backstein und die zahlreichen Verzierungen an der Fassade, deren längere Betrachtung immer mehr Details offenbart, machen sie zu einem Schmuckstück.

Neuer Aufzug am Bahnhof Friedrich-Wilhelm-Platz

Seit 1971 ist der Platz mit der U-Bahn erreichbar. Der Bahnhof, der zu der damaligen Strecke zwischen Walther-Schreiber-Platz und Spichernstraße gehörte, liegt etwas östlich der Kirche. Der Entwurf und die Gestaltung des Bahnhofs stammen von dem damaligen Senatsbaudirektor Rümmler. Seit dem 25. Februar ist er stufenlos erreichbar.

An diesem Tag ging in der Station der Linie U9 der neue Aufzug in Betrieb. Er verbindet die Straßenebene (Mittelinsel) mit der Bahnsteigebene. Neben dem Aufzug wurde im Bahnhof auch ein taktiles Leitsystem für Blinde und Sehbehinderte installiert.

Der barrierefreie Ausbau kostete rund 1,7 Millionen Euro. Parallel dazu lief und läuft die Grundsanierung des Bahnhofs. Diese Arbeiten dauern noch an. Neben den Fliesen werden dabei die Decken und Hintergleiswände sowie die Ausgänge erneuert. Die Ausgänge in Richtung Friedrich-Wilhelm-Platz sind für diese Arbeiten aktuell geschlossen. Sie sollen im Frühjahr 2019 wieder eröffnet werden.

Mit der Inbetriebnahme des neuen Aufzugs sind nun insgesamt 127 Berliner U-Bahnhöfe stufenlos erreichbar. 119 Stationen haben Aufzüge, acht weitere verfügen über Rampen.

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