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Arbeiten von Albert Weis und Thomas Lucker

Kunsthaus Dahlem mit zwei neuen Ausstellungen

Erschienen in Dahlem & Grunewald Journal Dezember/Januar 2018

Utopische Programme und Raumvorstellungen der Moderne und Nachkriegsmoderne im 20. Jahrhundert stehen im Fokus von Albert Weis’ Werk. Die Architekten Bruno Taut (1880-1938) und Hans Scharoun (1893-1972) haben mit ihrem Werk die Identität der Stadt Berlin maßgeblich geprägt. Weis zeigt ihre Architektur, etwa die Berliner Philharmonie von Scharoun und die Siedlung Onkel Toms Hütte von Taut, aus ungewöhnlichen Blickwinkeln. Seine Fotografien und Papierarbeiten bilden nicht die Bauten ab, sondern erforschen ihre architektonische Sprache. Dabei nähert sich Weis mit dem Blick des Bildhauers seinen Motiven, seine Fotografien legen die skulpturalen Qualitäten architektonischer Details offen.

Mit dem Werkkomplex „philharmonie“, begonnen um 2010, untersucht Weis die Struktur des 1960-1963 von Hans Scharoun errichteten Baus und dessen kristallines Formenvokabular. Über den Prozess von Faltung und Überlagerung entwickelt sich eine komplexe Werkgruppe aus Papier- und Fotoarbeiten sowie recherchierten Materialien, die teilweise skulptural ergänzt wird. Ein weiterer Fokus der Ausstellung „taut scharoun“ liegt auf der Siedlung Onkel Toms Hütte in der Nähe des Kunsthaus Dahlem. Mit einer neuen Serie von Fotografien, kombiniert mit Collagen und Papierarbeiten, erforscht Weis auch hier Formensprache und Farbrepertoire der von Bruno Taut 1926-1931 erbauten Wohnanlage.

Getriebene Zeit – Arbeiten von Thomas Lucker

Der Bildhauer Thomas Lucker nennt seine Objekte »Steinarchiv«. Seine künstlerischen Materialien sind Licht und Stein, seine Motive entstammen privaten Fotosammlungen und setzen sich häufig mit Biografie und Familiengeschichte auseinander. Er belichtet Kalksteinplatten mit Fotografien vorzugsweise aus den 1950er und 1960er-Jahren, arbeitet aus dem Stein die Darstellung heraus, bringt mit Schwamm und Pinsel Farben auf. So entstehen Köpfe, Figuren und Reliefs, deren Schichtungen, Überarbeitungen und Überlappungen in Analogie zu Prozessen der Speicherung von Erinnerung stehen und zugleich Zeugnis einer kollektiven Erinnerung sind, wie sie sich in unserem Gedächtnis eingeschrieben hat.

Die Ausstellungen sind bis zum 14. Januar 2019 zu sehen. Museumseintritt 6 Euro, erm. 4 Euro. Führungen sind kostenlos. Kunsthaus Dahlem, Käuzchensteig 12, 14195 Berlin.

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Montag von 11 bis 17 Uhr. Dienstag geschlossen. Führung durch die aktuellen Ausstellungen und zur Geschichte des Hauses: Mittwoch, 19. Dezember 15.30 Uhr.

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