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Ein Löwe für die Gefallenen

Denkmal in Alt-Lietzow

Gefallenendenkmal in Alt-Lietzow.
Gefallenendenkmal in Alt-Lietzow.
Erschienen in Gazette Charlottenburg Juli 2019
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Guthmann & Guthmann

Der Löwe liegt schon seit langem in Alt-Lietzow. Hier war einst Lietzow, das Dorf, das als Keimzelle von Charlottenburg gilt. Das majestätische Tier wurde zwischen 1873 und 1875 geschaffen und erinnert an die Gefallenen mehrerer Kriege. Zunächst mit einer Tafel an der Stirnseite, die an den preußischen Krieg gegen Dänemark im Jahr 1864, an den gegen Österreich 1866 sowie den gegen Frankreich 1870 und 1871 erinnert. Gestiftet wurde sie im Jahr 1875 von der Bürgerschaft Charlottenburgs. Weitere Erinnerungstafeln wurden nach dem Ersten und nach dem Zweiten Weltkrieg an den Längsseiten angebracht. Die Tafel an der Rückseite ist eine Widmung an die Schöpfer des Denkmals.

Regierungsbaumeister und Bahnhofsarchitekt

Der an einen Sarkophag erinnernde Sockel des Denkmals ist nach einem Entwurf von Hubert Oswald Stier (1838 – 1907) gestaltet. Hubert Stier schlug zunächst die Laufbahn eines Architekten ein und war am Bau des Roten Rathauses beteiligt. 1868 erhielt er den Posten des Regierungsbaumeisters in Berlin. 1876 wechselte er zur Königlichen Eisenbahndirektion in Hannover. In der Folge zeichnete er für den Bau zahlreicher Bahnhöfe verantwortlich. Darunter die Hauptbahnhöfe von Hannover, Hildesheim, Uelzen und Bremen.

Albert Wolff, Schüler von Rauch

Die Figur des majestätisch blickenden Löwen wurde von Albert Wolff geschaffen. Er war ein Lehrling von Christian Daniel Rauch. 1844 war er für die Ausführung der Marmorskulpturen zuständig, die die oberste Terrasse des Schlosses Sanssouci zieren. Hierfür wurde er nach Carrara in Italien geschickt. In der Folgezeit arbeitete er weiter für Rauch, begann aber auch selbständig Aufträge anzunehmen. Nach Beendigung seiner Lehrzeit schuf er in seiner eigenen Werkstatt zahlreiche Werke und Modelle. Das bekannteste ist vermutlich das Sachsenross in Hannover. In Berlin entwarf er unter anderem das Reiterstandbild Friedrich Wilhelms III., dass aber im Zweiten Weltkrieg nach Beschädigungen eingeschmolzen wurde. Ein weiterer Löwe aus seiner Werkstatt steht vor dem Kriminalgericht in der Wilsnacker Straße in Moabit. Dieser liegt allerdings nicht, sondern kämpft wütend gegen eine Schlange.

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