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Für eine nachhaltige Mierendorff-INSEL

Gemeinsam die Zukunft gestalten

Mierendorffplatz
Mierendorffplatz
Erschienen in Gazette Charlottenburg August 2019
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Die Mierendorff-INSEL wird mit Recht als eine der charmantesten Gegenden Charlottenburgs bezeichnet: Mit ihrer kleinstadtähnlichen Struktur bietet sie auf einer Fläche von rund 180.000 Hektar ihren derzeit etwa 16.000 Einwohnern Platz zum Wohnen, für Gewerbe, öffentliche Institutionen und private Dienstleistungen.

Aufgelockert wird das Gebiet durch erholungsspendende Grünanlagen und Kleingärten. Bewohner und Institutionen wie der DorfwerkStadt e. V. arbeiten mit verschiedenen Projekten darauf hin, der Mierendorff-INSEL eine nachhaltige Zukunft zu geben.

In den nächsten vier Jahren wird mit einem Anstieg der INSEL-Einwohnerzahl auf 23.000 gerechnet.

INSEL mit Vergangenheit und Zukunft

Keine Insel ohne Wasser: Umgeben wird die Mierendorff-INSEL von der Spree, dem Westhafenkanal und dem Charlottenburger Verbindungskanal. In alten Landkarten trägt sie den Namen „Kalowswerder“ und wird ab etwa 1857 „Kahls-Werder“ genannt. 2014 wählten die Stadtteil-Bewohner den Namen „Mierendorff-INSEL“ für das Areal.

Mitte des 19. Jahrhunderts hatten sich hier erste Fabriken angesiedelt. Die noch selbstständige Stadt Charlottenburg expandierte allmählich Richtung Norden. Stadtviertel-Mittelpunkt war der Gustav-Adolf-Platz, 1950 in Mierendorffplatz umbenannt. Mit Gaswerk und Kraftwerk Charlottenburg entwickelte sich Kalowswerder zum zentralen Standort der Energieversorgung Charlottenburgs.

Die Bebauung nahm zu, die Zugbrücke wurde zur stabilen Schlossbrücke ausgebaut. Das „Gebiet über der Spree“, wie es aus Schlossperspektive genannt wurde, diente überwiegend Holzhandlungen und kleineren Produktionsanlagen als Standort.

Ab dem Jahr 2000 startete das Bezirksamt als Präventivmaßnahme für nachhaltige Stadtteilentwicklung ein Pilotprojekt, um die „INSEL“ auch für die Zukunft attraktiv, lebens- und liebenswert zu machen. Gemeinsam entwickeln nun Verwaltung, Wirtschaft und Einwohner dazu Ideen. Die erfolgreiche Beteiligung am Wettbewerb „Zukunftsstadt 2030“ und das im vergangenen Jahr entstandene Handlungskonzept für nachhaltige Stadtentwicklung mit den Themenschwerpunkten Klimaveränderung, Flucht und Resilienz auf der wachsenden Mierendorff-INSEL machen neugierig auf die Lösungsansätze.

DorfwerkStadt e. V., INSEL-Akteure und –Projekte

Wichtiger „Strippenzieher“ im Stadtteil ist der gemeinnützige DorfwerkStadt e. V., der sich überwiegend aus Projektmitteln, aus EU- und FEIN-Fördermitteln finanziert. Er ist Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband und im Verband für soziokulturelle Arbeit. Anfangs ausschließlich in der Kinder- und Jugendarbeit deutschlandweit unterwegs, ist der Verein nun auch in den Bereichen Sozialraumentwicklung, Beratung und Seniorenarbeit tätig. Seit dem Jahr 2000 ist er kontinuierlicher Projekt-Begleiter der Mierendorff-INSEL bei deren kommunalen Planungs- und Entwicklungsprozessen.

Vereins-Geschäftsführerin Andrea Isermann-Kühn erklärt die „Hilfe zur Selbsthilfe“, die ihr Verein leistet, so: „Partizipation spielt für uns eine wichtige Rolle, um den Stadtteil eigenverantwortlich und mit den Ressourcen seiner Einwohner in die Entscheidungsprozesse mit einzubinden. Der DorfwerkStadt e. V. hat den bezirklichen Auftrag übernommen, die Beteiligten vor Ort zu befördern. “

Viele Akteure von jung bis alt sowie mit und ohne multikulturellem Hintergrund finden sich in den themenbezogenen AGs des Zukunftsteams der Mierendorff-INSEL und lassen die Arbeit des DorfwerkStadt e. V. dank vielfältiger Ideen und spannender Projekte nie langweilig werden:

Da ist beispielsweise der INSEL-Rundweg neu zu gestalten, der 2015 eröffnet wurde und über 5,3 Kilometer am Wasser entlang um die Mierendorff-INSEL und ihre Sehenswürdigkeiten herumführt. In den nächsten Jahren soll dieser Weg zu einer bedeutsamen sozio-kulturellen Begegnungsstätte ausgestaltet werden. An guten Ideen von Seiten der Bewohner mangelt es dabei nicht. Ihre Vorschläge reichen von Sitzgelegenheiten mit Lademöglichkeiten über essbare Anpflanzungen bis hin zu Kunstobjekten. Projekt-Hauptziel aber ist die Schaffung einer Unterquerung der Schlossbrücke für Fußgänger und Radfahrer sowie einer barrierefreien Rampe als Zugang zum Schlosspark am Tegeler Weg.

Und auch die Jugend überzeugt mit nachhaltigen Projekten wie der Müllaktion „Saubere INSEL“. Dazu trafen sich im Frühjahr 50 kleine und große INSEL-Bewohner auf dem Marktplatz, um unter Anleitung von 13 Schülern des Gottfried-Keller-Gymnasiums die Aktion durchzuführen. Ausgestattet mit Müllsammelutensilien der BSR, war allein der sichtbare Erfolg beeindruckend: In zwei gemeinsam von der DorfwerkStadt und der Jugendkunstschule gefertigten speziellen Müllkäfigen á zwei Kubikmeter Rauminhalt wurde der Abfall gesammelt und vierzehn Tage ausgestellt. – Für ein verstärktes Nachdenken zum Thema Müllvermeidung, -trennung und -recycling. Die nächste Müllsammelaktion folgt im Herbst.

„Am Spreebord“ – Transparenz und Mitsprache für neues Quartier

Diese und andere Projekte und Aktionen sind Thema bei den regelmäßig stattfindenden, von der DorfwerkStadt organisierten INSEL-Konferenzen, die Anwohner, Mitglieder des Zukunftsteams und Interessierte zu Wort kommen lässt.

Hauptthema der 4. Konferenz Ende Mai 2019 war die Bebauung „Am Spreebord“ auf der Mierendorff-INSEL, derzeit größtes Neubauvorhaben des Bezirkes.

Neben rund 200 Einwohnern war auch Bezirksstadtrat Oliver Schruoffeneger erschienen. Er erklärte, dass der Zuwachs an Einwohnern keine Verdrängung, sondern vielmehr eine höhere Wohnqualität für alle zur Folge haben solle.

In vier wesentlichen Punkten gibt es aktuell Veränderungen zum im Jahr 2017 vorgelegten Bauplan: So wurde die Baumasse um 14.000 Quadratmeter reduziert, was Kritik bei den Konferenz-Anwesenden wegen der reduzierten Anzahl Wohnungen hervorrief.

An der dem Kraftwerk zugewandten Bauseite wird es aus Lärmschutzgründen keine Wohnbebauung, sondern einen gewerblichen Bereich geben. Mehr freie Fläche ist ebenfalls geplant, was eine stärkere Bebauung in die Höhe bedingt.

Nicht nur die DorfwerkStadt dürfte aber freuen, dass im Rahmen der Baumaßnahmen ein Sozial- und Nachbarschafts-Campus entstehen soll. Denn Raum für Jugendliche fehle auf der INSEL, wie Andrea Isermann-Kühn erklärt. Mit dem Bau des neuen Quartiers müsse auch rechtzeitig an die Planung geeigneter Räume für Jugendliche gedacht werden.

Für das Gesamtquartier sind zur guten sozialen Durchmischung 30 Prozent Sozialbau-Wohnungen vorgesehen. Außerdem seien wichtige Aspekte der frühen Planung großzügiger Freiraum, Durchwegung für die Öffentlichkeit, Zugang zum INSEL-Rundweg, E-Mobilität, Raum für Fahrräder, Fassaden- und Dachbegrünung sowie der Sozial-Campus, wie der Geschäftsführer der „Am Spreebord“ Projektmanagement GmbH Harald Großkinsky auf der Konferenz betonte.

Der Bebauungsplanentwurf ist auf der Internetseite des Bezirksamtes einsehbar. Weitere Veranstaltungen zum Thema „Am Spreebord“ sind vorgesehen.

Übrigens, nicht nur gemeinsames Planen, auch gemeinsames Feiern beherrschen die Akteure und Einwohner der Mierendorff-INSEL gut:

Das diesjährige INSEL-Kiezfest findet auf dem Mierendorffplatz am 23. August von 15 – 22 Uhr statt. Wie jedes Jahr erwartet die kleinen und großen Besucher ein buntes Bühnenprogramm, Informations- und unkommerzielle bzw. sozial verträgliche Verkaufsstände, Kunsthandwerk sowie Speis und Trank – in diesem Jahr mit Mehrweg- anstelle von Einweggeschirr.

Spenden für das Kiezfest sind willkommen (www.betterplace.org/p69522).

Nähere Informationen unter www.mierendorffinsel.org

Jacqueline Lorenz

DorfwerkStadt e. V.

Mierendorffstraße 6
10589 Berlin

Telefon: 030 – 344 58 74
E-Mail: kiezbuero@dorfwerkstadt.de
www.dorfwerkstadt.de

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