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Fünf vor zwölf

Fadenalgen schwächen die kleine Grunewaldseenkette

Ist der Dianasee  noch zu retten?
Ist der Dianasee noch zu retten?
Erschienen in Gazette Wilmersdorf August 2019
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Von Deutschlands Seen befinden sich derzeit nur 24 Prozent in ökologisch gutem und 2,3 Prozent in sehr gutem Zustand. Abwässer, die immer wieder den Weg in die Seen finden, gelten als Hauptverantwortliche dieses ernüchternden Ergebnisses.

Und auch die Berliner Hegefischer vom Sportfischerverein Wilmersdorf 1947 e. V. (SFVW) sorgen sich als langjährige Pächter um Diana-, Koenig-, Hertha- und Hubertussee – künstlich angelegte und untereinander verbundene Seen, die parallel zur Havel verlaufen und „die kleine Grunewaldseenkette“ genannt werden. Gemeinsam mit den Naturseen Halensee und Hundekehlesee bilden sie die Wilmersdorfer Seenkette.

Besonders für den Dianasee schlägt der Verein nun Alarm: Fadenalgen haben sich in den letzten Wochen besonders in diesem Gewässer stark vermehrt, fauliger Geruch liegt in der Luft. Anstatt fröhlich nach Insekten schnappender Fische treiben Fischkadaver an der Wasseroberfläche, die an vielen Stellen rötliche Verfärbung zeigt. Diese sei auf eine chemische Reaktion zurückzuführen, vermutet Jürgen Hänig, ehemaliger SFVW-Gewässerwart.

Schattenseite des Sommers

Harald Bröse, erster Vorsitzender des SFVW, fürchtet, dass sich die Fadenalgen ebenso heftig wie im Dianasee auch in den angrenzenden Seen ausbreiten könnten. Nicht ausmalen will er sich die Auswirkungen auf den Fischbestand des Sees, der sich aus Fried- und Raubfischen von Karpfen und Schlei bis Hecht und Zander zusammensetzt. „Es ist fünf vor zwölf“, erklärt Bröse.

Der entstandene Algenteppich – dem aus Straßenwasser-Fehleinleitungen resultierenden hohen Nährstoffangebot zu verdanken – lässt derzeit am Dianasee weniger Licht zu dem unter der Wasseroberfläche wachsenden Hornblatt vordringen. Das hatte im Frühjahr den See zwar gut mit Sauerstoff versorgt, stirbt aber unter dem algenbedingten Lichtmangel nun verfrüht ab. Es kommt damit zu einem erhöhten Sauerstoffverbrauch im Wasser, der durch heiße Sommertemperaturen, aber auch durch Starkregenfälle noch begünstigt wird. Fische sterben auf Grund von Sauerstoffmangel, der See verschlammt und wird deutlich flacher, gerät aus dem Gleichgewicht. „Den Koenigsee können wir bereits nur noch mit dem Ruderboot durchstaken, das Ruder bleibt sonst in den Pflanzenteilen hängen“, berichtet Harald Bröse, der sich vom bezirklichen Grünflächenamt eine baldige Seensanierung erhofft.

Fehleinleitungen und Rohrbrüche

Der Grund für das starke Algenwachstum ist auch Viola Hügerich vom Bereich Gewässeraufsicht des Grünflächenamtes Charlottenburg-Wilmersdorf gut bekannt. Auf Nachfrage erklärt sie der GAZETTE, dass die Wasserbetriebe bemüht sind, die Schwachstellen rasch zu finden, die zu den Fehleinleitungen aus dem Straßennetz geführt haben. Von einer Säuberung von abgestorbenen Pflanzenteilen – späterer Sondermüll – und einer Entschlammung des Dianasees, wie im Jahr 2012 schon einmal geschehen, hält die Gewässeraufsicht nur wenig. Fachbereichsleiterin Jutta Sperling dazu: „Das wäre nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Vielmehr weiß man im Grünflächenamt ebenso wie Harald Bröse, dass möglichst bald Frischwasser in die belasteten Seen fließen muss, um Schlimmeres zu verhindern.

Doch bei den aktuellen Bauarbeiten am Hundekehlegraben, der Dianasee und Grunewaldsee verbindet, kam es in deren Verlauf zu einer fatalen Havarie: Frischwasserzuleitungsrohre brachen und drehten damit der kleinen Grunewaldseenkette den Frischwasserhahn zu. An einer Rohr-Umleitung werde nun fieberhaft gearbeitet, versichert Viola Hügerich. Zwar werde ein neues, die Seen versorgendes Pumpwerk erst 2021 fertiggestellt sein, jedoch würden die belasteten Seen deutlich früher mit dem für ihr Überleben dringend notwendigem Frischwasser versorgt werden können.

Bis dahin müssen die strapazierten Gewässer durchhalten, doch für viele ihrer Fischbewohner kommt jede Hilfe zu spät.

Jacqueline Lorenz

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