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Ein großer Sohn Zehlendorfs

Johann Peter Süßmilch, Theologe und Wissenschaftler

Der alte Erbbbaukrug in Zehlendorf. Hier wurde Johann Peter Süßmilch geboren. Archiv HVZ
Der alte Erbbbaukrug in Zehlendorf. Hier wurde Johann Peter Süßmilch geboren. Archiv HVZ
Erschienen in Gazette Zehlendorf September 2019
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Prominente in Zehlendorf – davon gab und gibt es viele. Doch der erste bekannte Wissenschaftler ist fast in Vergessenheit geraten. Johann Peter Süßmilch war ein Universalgelehrter, der sich besonders mit seinen statistischen Werken einen Namen gemacht hatte. Doch sein Wirken reichte darüber hinaus.

Von Zehlendorf an die Akademie der Wissenschaften

Sein Geburtsort war der Zehlendorfer Braukrug, der am heutigen Teltower Damm Ecke Berliner Straße lag. Heute befinden sich dort Woolworth, Fix-Foto und weitere Geschäfte. Die Familie Süßmilch war seit ca. 1662 Besitzer des Braukrugs, der 100 Jahre später an die Familie Pasewaldt ging. Am 3. September 1707 kam der Junge zur Welt, der als Hanß Peter Süßmilch ins Kirchenbuch eingetragen wurde. Seine Familie mütterlicherseits stammte aus Brandenburg an der Havel. Als Schulkind kam er ins Haus seines dort lebenden Großvaters, wo ihn ein Hauslehrer unterrichtete, anschließend besuchte er das Gymnasium in Brandenburg. 1715 starben die Großeltern und Johann Peter Süßmilch ging zurück nach Zehlendorf. Seine Eltern ermöglichten ihm den Besuch des Gymnasiums zum Grauen Kloster in Berlin. Zunächst begeisterte der Junge sich für Medizin und wollte Arzt werden. Seine Eltern bestanden jedoch auf einem Jurastudium. Damit folgte er der Tradition seiner aus Böhmen stammenden Familie, deren Vorfahren Erbrichter waren. Doch daraus wurde nichts. Während er sich in der Nähe von Halle sprachlich weiterbildete und auf das Jurastudium vorbereitete, entdeckte der junge Mann seine Begeisterung für die Theologie. Zunächst schrieb er sich an der Universität in Halle für das Theologiestudium ein. Nach dem Tod seines dortigen Professors setzte er das Studium in Jena fort, um auch andere Sichtweisen kennenzulernen. Mit einer Nebentätigkeit als Privatlehrer verbesserte er seinen Lebensunterhalt. Nach Beendigung des Studiums zog Süßmilch zurück nach Berlin und arbeitete als Hauslehrer für den ältesten Sohn von General Kalckstein. Seine Karriere als Lehrer endete, als er eine Stelle als Feldprediger im Regiment des Generals bekam. Damit war er wirtschaftlich so gut gestellt, dass er sich eine Hochzeit leisten konnte. Am 27. Juni 1737 heiratete er Charlotte Dorothea Lieberkühn. 1741 hatte Süßmilch sein erstes statistisches Werk, die „Göttliche Ordnung“ fertiggestellt. Bereits 1742 gab es einen Nachdruck. Im gleichen Jahr berief man ihn zum Probst für Berlin-Cölln. 1745 bekam er einen Sitz an der Akademie der Wissenschaften, an der er zu den fleißigsten Akteuren gehörte.

Vielseitiger Unternehmer

Obwohl er mit seiner „Göttlichen Ordnung“ – die später aus drei Bänden bestand – bekannt wurde, war Süßmilch deutlich vielseitiger. Seinen Erbbaukrug in Zehlendorf hatte er als Station für den Pferdewechsel der Post und für die Erfrischung der Reisenden genutzt. Doch da er als Probst kaum Zeit für dieses Unternehmen aufwenden konnte, kam bald eine Abmahnung wegen Nachlässigkeit. Er gab das Geschäft wieder auf und verkaufte den Erbbaukrug im Jahr 1756. Bereits 1749 gehörte Süßmilch zu den Zensoren für Druckerzeugnisse, ernannt von König Friedrich II. Süßmilch war für die Kontrolle der theologischen Veröffentlichungen zuständig. Unter dem Eindruck des Todes seines fünften Kindes – wobei nur dieses verstarb, die anderen neun Kinder des Ehepaares Süßmilch überlebten – machte er sich für die Gründung einer Hebammenschule stark. Auch im kulturellen Bereich wünschte er sich mehr Anspruch. Aber eine Intervention seinerseits gegen einen Schausteller, der mit possenreißenden Stücken unterwegs war, scheiterte kläglich. Nach dem Verkauf seines Zehlendorfer Besitzes zog er nach Friedrichshagen, wo er das Schulzengehöft kaufte. Er ließ viele Maulbeerbäume pflanzen und widmete sich unter anderem der Seidenraupenzucht. 1763 erlitt Süßmilch einen Schlaganfall. Danach war er halbseitig gelähmt. 1765 zog er sich aus der Öffentlichkeit zurück, zwei Jahre später starb er. In Zehlendorf waren seine Werke lange weitgehend unbekannt und auch eine Ehrung – in Form der Benennung des Probst-Süßmilch-Wegs erfolgte erst im Jahr 1985. An der Stelle, an der einst der Erbaukrug stand, erinnert heute eine Tafel an Johann Peter Süßmilch.

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