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Wir sind wieder da

Zehlendorfer Backpacker zurück im Alltag

Erschienen in Gazette Zehlendorf Oktober 2019
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„Die Eingewöhnung fällt nicht ganz leicht“, gesteht Gaby, auch wenn Freunde und Bekannte beim Begrüßungs-Gartenfest sie und ihren Mann Benedetto herzlich willkommen geheißen hatten. Sie fährt fort: „Zwar gibt es nach fast einjähriger Abwesenheit einiges zu erledigen, aber man kann sich nur schwer in den alten Rhythmus einfinden, noch ganz von den Erlebnissen dieser so unvergesslichen Reise gefangen.“

Gemeinsam waren beide vom 18. September 2019 (siehe GAZETTE 10/18) bis zum 14. Juli 2019 auf Weltreise unterwegs. Mit Rucksack, viel Neugier und Abenteuerlust legten die zwei junggebliebenen Globetrotter 2.063 Kilometer zu Fuß, 1.500 Kilometer per Boot und Fähre, 15.100 Kilometer per Bahn und Bus, 15.340 Kilometer per Auto und Moped sowie 64.860 Flugkilometer zurück, bevor sie wohlbehalten wieder Europa erreichten. Wie viele Kilometer im und unter Wasser mit Schnorchel noch dazukamen, lässt sich nur schwer schätzen.

In Europa gelandet, ging´s zur Erholung erst einmal für ein paar Wochen nach Norditalien auf Benedettos lauschige Berghütte.

Wieder in ihr Haus nach Berlin-Zehlendorf zurückgekehrt und kaum, dass die rund 15.000 Fotos der Backpacker-Tour gesichtet sind, planen die beiden Reiselustigen bereits ihre nächste mehrwöchige Reise für den Spätherbst: „Nach Asien oder Venezuela, da sind wir uns noch nicht einig“, lacht Gaby.

Jenseits von Afrika leben wie Crocodile Dundee

Die Reiseroute führte von Afrika mit Namibia und Johannesburg über Hongkong, Neuseeland mit Nord- und Südinsel, Fidschi, Samoa (Weihnachten 2018), Australien mit Sydney (Silvester), über Indonesien, Singapur, Malaysia, Bangkok, Myanmar und Südthailand. Die daheimgeblieben Freunde wurden von Gaby regelmäßig in ausführlichem Tagebuchformat per E-Mail auf dem Laufenden gehalten, und bei You Tube sind unter „Gaby und Benedetto“ rund 175 Videos eingestellt.

Besondere Eindrücke dieser Zeit? „In Neuseeland hat es am besten gerochen, dort war Frühling, zwar noch kühl, aber mit einer beeindruckenden gelben Blütenpracht. In Malaysia waren die Menschen am freundlichsten und zuvorkommensten, schon alleine deshalb möchten wir dort noch mal hin“, erklärt Gaby. Überhaupt habe man auf der gesamten Reise viele wunderbare Bekanntschaften gemacht und immer wieder selbstlose Menschen getroffen, die bereit waren, für die Fremden aus Deutschland ihr letztes Hemd zu geben.

Am schönsten aber war es für die Backpacker in Australien: „An Australiens Westküste mit seinem tier- und pflanzenreichen Nationalpark wären wir am liebsten geblieben.“ Weniger begeistert sind die Beiden dagegen vom doch sehr tourismusorientierten Thailand. Ihr Empfinden: „Ein herrliches Land, dessen Natur und Kultur seine Bewohner jedoch für den zahlungskräftigen Tourismus opfern.“ Das Thema Plastikmüll wurde Gaby und Benedetto besonders dort und in Indonesien überdeutlich vor Augen geführt: Vermüllte Strände, Plastik unter und über Wasser.

Quokkas, wilde Affen und Tasmanische Teufel

So waren die beiden deutschen Backpacker unter den letzten Reisenden, welche die berühmten Warane auf Komodo-Islands besuchen durften: Ab diesem Sommer soll die Insel für den seit Jahren ansteigenden Tourismus gesperrt werden, um dieser besonderen Tierart eine Überlebensperspektive zu geben und dem Bestand eine Erholung zu gönnen.

„Wir haben stets nur in Begleitung von anerkannten Guides Nationalparks und geschützte Gebiete besucht“, versichert Gaby. So auch bei der nach vorherigem Gesundheitszeugnis erfolgten Gletscherwanderung am 2.995 Meter hohen Franz Josef-Gletscher in den „neuseeländischen Alpen“ oder an der Australischen Exmouth-Westküste beim streng überwachten Schnorchelausflug an der Seite eines acht Meter langen Walhais – für die Zehlendorfer Globetrotter eines ihrer stärksten Reiseerlebnisse. Der als friedlich geltende Walhai ist einer der größten Haie und Fische der Gegenwart, der mit bis zu 14 Metern Länge stattliche Walgröße erreichen kann.

Aber auch faszinierende Regenwaldwanderungen und der direkte Kontakt zu australischen Kängurus gehen den beiden Tierliebhabern nicht mehr aus dem Kopf.

Da waren die allerliebsten Quokkas –Kurzschwanzkängurus auf Rottnest Islands, Elefantenfamilien an Wasserlöchern, prachtvolle Papageien, und da waren die frechen Affen in Kuala Lumpur, die dem Buddha die Schau stahlen, und deren thailändische Genossen mit ihren spitzen Zähnen am Monkey Beach Benedetto Beine machten. Ein direkter Kontakt mit zänkischen Tasmanischen Teufeln blieb den Weltenbummlern hingegen erspart, die behäbigen Wombats aber hatten es ihnen angetan.

Skorpion zum Frühstück und Benzin statt Diesel

Abenteuerlich war es mancherorts: Besonders mitten in der Australischen Wüste, als der Wagen nicht mehr ansprang, den die beiden Backpacker hatten überführen wollen. – 10 Kilometer früher hatten sie an einsamer Tankstelle Benzin statt Diesel getankt. Doch vorbeikommende Engländer halfen weiter, und die 2.500 Euro Lehrgeld verschmerzen die Globetrotter inzwischen: „Wir haben mit rund 60.000 Euro für die gesamte Reisezeit doch deutlich weniger ausgegeben als geplant“, freut sich Gaby, die Reisenden rät, durch Autoüberführungen die Kosten für Mietwagen einzusparen.

Und auch die Gesundheit spielte mit. „Wir hatten nicht eine Erkältung, haben Regenwasser aus Tonnen getrunken, geröstete Skorpione aus der Straßen-Suppenküche gegessen und sind dennoch ohne Montezumas Rache davongekommen“, freuen sie sich. Ihre Rücken haben sie jedoch hier und da zu spüren bekommen, nach langen Busfahrten über Schotterpisten, Hostel-Nächten auf durchgelegenen Matratzen oder unter Sternenhimmel im Auto.

Nur einmal bekamen es Gaby und Benedetto wirklich mit der Angst zu tun: Auf Samoa schlug am Flughafen bei Gabys Koffer der Zollhund an, und sie sah sich bereits im Gefängnis zwischen Ratten und Mäusen bei Wasser und Brot. Doch dank falschen Alarms kann sie heute auch darüber lachen.

Jacqueline Lorenz

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