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Kita-Mäuse im Kleingartenverein Kolonie Abendruh

Paradies für Klein und Groß

Erschienen in Gazette Steglitz Oktober 2019
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Ruhig ist es an diesem Montagvormittag im Rosen- und Asternweg des Kleingartenverein Kolonie Abendruh e. V. Nur das leise Summen der Insekten ist zu hören, die hier am herbstlich leuchtenden Blütenband mit über 50 verschiedenen Pflanzen und im Steppengarten einen reich gedeckten Tisch vorfinden.

Doch schon wenig später hallt fröhliches Kinderlachen durch die Kleingartenkolonie, und der knallrote Bollerwagen der Lichterfelder Kita „Loftschloss“ rollt um die Ecke, besetzt mit vier kleinen Gartenfreunden. Im Alter zwischen ein und drei Jahren sind Elise, Jasmin, Rion und Leif. Erzieherin Simone zieht das Holzwägelchen, denn die kurzen Beinchen benötigen für den Weg von der Kita an der Goerzallee zur Kolonie an der Elmshorner Straße und „ihrem Garten“ noch etwas Unterstützung.

Kinder-Garten zum Anfassen

Am Gartentor der Kinderparzelle – gleich gegenüber vom Spielplatz mit Rutsche Eisenbahn und Sandkasten – werden sie bereits erwartet. Wolfgang Koch, erster Vereinsvorsitzender, und Wegewart Hubert Wittwer mit Sohn Michael freuen sich, nun etwas Hilfe bei der Gartenarbeit zu bekommen. Nach der Idee von Wolfgang Koch wurde hier – unter Verantwortung von Hubert und Michael Wittwer und aus Vereins-Spenden finanziert – rund um den Apfelbaum ein Kinder-Garten unter emsigem Einsatz des Wegedienstes angelegt; mit kindgerechten Hochbeeten, einer Regenwassertonne, Insektenhotel, leckeren Gemüse- und Obstsorten. Die Kleingärtner kümmern sich selbstlos um die Pflege des Gartens.

„Schon die Kleinsten können hier unter Anleitung lernen, dass Obst und Gemüse nicht aus der Verpackung kommt, sondern wie es schmeckt, frisch von Baum und Beet geerntet. Bei uns erleben die Kinder Natur pur“, erklärt der Vereinsvorsitzende.

Die Nutzer aus umliegenden Kitas, denen daraus keinerlei Kosten entstehen, ließen nicht lange auf sich warten. Die „Loftschloss“-Kitaeinrichtung besucht regelmäßig die Kolonie. Sie wurde 2012 eröffnet, betreut derzeit 36 Kinder zwischen 1-3 und 3-6 Jahren und setzt u. a. auf viel Bewegung an frischer Luft mit Wald- und Gartentagen zu jeder Jahreszeit, bietet Essschule und gesunde Ernährung.

Der Geschäftsführer der Loftschloss gGmbH, Robert Schieferdecker, erklärt das auf die Kinderärztin und Kleinkindpädagogin Emmi Pickler (1902-1984) zurückgehende, in der Kita verwirklichte Erziehungskonzept: „Wesentlich ist, dass die Kinder möglichst viele Dinge selbst entdecken. Aus dem selbstständigen Experimentieren lernen sie weitaus mehr, als aus fertig präsentierten Lösungen.“

Probieren geht über studieren – auch bei Kita-Mäusen

Im Kolonie-Kinder-Garten sieht man an diesem Vormittag viel erstaunte Kinderaugen: Knackige und süße Früchte werden da von kleinen Händchen geerntet. Elise muss kräftig zupacken, um eine große Gurke von der Mutterpflanze zu trennen, und Rion kann den Kürbis kaum tragen, der später in der Kita zu leckerer Suppe verarbeitet werden wird.

Jasmin gräbt eine Mini-Möhre aus, die eigentlich noch etwas hätte wachsen müssen. Mit allen Sinnen sind die Kinder dabei, trippeln geschäftig über den weichen Mulchboden. An erster Stelle ihres Gärtnerns steht natürlich das Naschen: Da wandern süße Minitomaten und leckere Erdbeeren in die Schnuten. Aber auch säuerliche Äpfel werden mit verzogenen Gesichtchen probiert. Die mitgebrachten Buddeleimer füllen sich schnell mit reicher Ernte, und der Maiskolben, dessen Barthaare so lustig kitzeln, wird im Bollerwagen noch oben auf gepackt.

Während Elise und Jasmin Äpfel der Größe nach sortieren, füllen Rion und Leif emsig grüne Gießkännchen an der Regentonne. Kürbis, Gurken und Äpfel bekommen eine erfrischende Dusche. Erzieherin Simone gießt lieber die Pflanzen statt Früchte, und Elise macht es ihr nach.

Rion und Leif beschließen bald, ihre Gartenarbeit zu beenden.

Zu verführerisch lockt gegenüber der Kolonie-Spielplatz. Kurz darauf liefern sie sich mit den Tretautos dort ein heißes Rennen und machen einen kurzen Ausflug mit der selbstgezimmerten Holzeisenbahn.

Elise und Jasmin backen noch knirschende Sandkuchen im Sandkasten, bevor die Mäuse-Gruppe wieder Richtung Kita Loftschloss aufbricht. – Zu Fuß, denn im Bollerwagen haben nun Tomate, Kürbis, Gurke, Apfel & Co Platz genommen.

100 Jahre Kolonie Abendruh

Die drei „Gartenarchitekten“ Wolfgang Koch, Hubert und Michael Wittwer nehmen nach dem Kinderbesuch nebenan auf der gemütlichen Terrasse der Kolonie-Kantine Platz. Mit seinen alten Laternen, Bühne und der Litfaßsäule mit Zeitungsmeldungen der letzten 100 Jahre, die anlässlich des runden Koloniegeburtstages vor wenigen Wochen aufgestellt worden ist, hat der vor der Terrasse gelegene Platz Altberliner Charme. – Noch hat er keinen Namen, aber die mit rund 170.000 Quadratmetern größte Kolonie von Steglitz-Zehlendorf will demnächst einen passenden finden. 486 Parzellen á 300 Quadratmeter werden von den Kleingärtnern, die im Alter zwischen 30 und 95 Jahren sind, bewirtschaftet. Junge Familien haben bei der Parzellen-Verteilung Vorrang. Die aktuelle Wartezeit für einen Abendruh-Kleingarten liegt bei etwa zwei Jahren. Indessen bekommt der Nachwuchs erste Gartenkenntnisse im Kinder-Garten vermittelt.

Auch Michael Wittwer lernte hier vor 46 Jahren Radieschen von Erdbeeren zu unterscheiden. Seine Eltern sind alteingesessene Abendruh-Kleingärtner. Vater Hubert – mit Tabakspfeife und Schnurrbart passt er bestens ins Altberliner Bild des Platzes – packt an, wo Not am Mann ist. Der ehemalige Maurer ist dabei, wenn es etwas zu bauen gibt und schwingt dann routiniert die Kelle. – Sei es für die Ausstattung des Spielplatzes, des Kinder-Gartens oder auch sonst in der Kolonie.

„Früher war es selbstverständlich, dass man mit anpackte, wenn ein neues Vereinsmitglied im frisch übernommenen Kleingarten Hilfe brauchte. Heute ist das für einige nicht mehr selbstverständlich“, erklärt der Wegewart. Wachsende Freizeitangebote und immer stärkere Alltagsauslastung, die auch am Wochenende greift, lassen nur noch wenig Zeit, das Vereinsleben zu pflegen. Doch in der Kolonie Abendruh scheint das gemeinschaftliche Vereinsleben noch zu pulsieren, nicht zuletzt durch das Engagement verantwortungsbewusster Vereinsvorsitzender wie Wolfgang Koch und seine Vorgänger.

Mit Blütenband und Klimagarten in die Zukunft

Nachhaltig Gärtnern, das hat sich die Kleingartenkolonie Abendruh auf die Fahne geschrieben: Auf Initiative der Gartenfreundin Regine Heppner und durch Spenden der Gartenfreunde unterstützt, wurde das „Blütenband“ angelegt, ein zu jeder Jahreszeit zugänglicher Nektar- und Pollenlieferant. Wildblumen und über 50 Wildpflanzen liefern Faltern, Schmetterlingen und Wildbienen den nötigen Kraftstoff. Spezielle Naturgarten-Plaketten geben darüber hinaus Auskunft, welche Pflanze welchem Insekt zuzuordnen ist. Augen- und Insektenweide zugleich also ist das Blütenband, in dessen Mittelpunkt die einst vom ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder gepflanzte Eberesche steht.

Als weitere Neugestaltung anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums der Kolonie wurde die Ruhezone zum insektenfreundlichen und klimafesten Steppengarten umgestaltet, der in blaulila Farbtönen bezaubert. Fördermittel aus dem Berliner Haushalt trugen ebenso zum Gelingen bei wie der Einsatz der Gartenfreunde unter der fachkundigen Begleitung von Uta von Debschitz. Die Gartenfachberaterin der Kolonie bietet für die Klimagarten-Gruppe monatliche Veranstaltungen an, als wichtigen Beitrag zum naturnahen und klimagerechten Gärtnern auf den Parzellen.

Der Kleingartenverein Kolonie Abendruh steht aber nicht nur seinen Mitgliedern offen: Auf der Anlage sind alle gartenliebenden Besuchern willkommen, die aus dieser blühende Lunge Kraft schöpfen und sich Anregungen für umweltgerechtes Gärtnern holen wollen. Und zum krönenden Abschluss lohnt sich die entspannende Einkehr in die Gaststätte der Kolonie Abendruh allemal.

Jacqueline Lorenz

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