Tempelhof-Schöneberg
30 Jahre Kabarett Korsett
Alles andere als steif

19.03.2025: Mit dem Wort „Korsett“ verbinden nicht nur Frauen das Bild eines steifen einengenden Unterkleides. Doch was die Damen vom Kabarett Korsett seit nunmehr 30 Jahren auf die Bühne bringen, ist alles andere als steif und einengend. Vielmehr sprechen sie in ihrem vielseitigen Programm befreit und ganz unverblümt an, was ihnen unter den Nägeln brennt. Die im kostenpflichtigen Kurs an der Albert-Einstein-Volkshochschule Tempelhof-Schöneberg ganz nach ihrer jeweiligen Art erarbeiteten Texte und überwiegend aktuellen Themen tragen derzeit neun Frauen im Alter von 50 und 70 Jahren mit Schwung und Humor zweimal jährlich dem Publikum vor. Dabei ist nicht nur auf der Bühne noch Platz für weitere spielfreudige Frauen, die durchaus auch jünger sein dürfen.
Die Fäden der Spielleitung im Kabarett Korsett hält seit 25 Jahren Dorothee Wendt, Dozentin an der Volkshochschule und Regisseurin, in der Hand. Musikalisch unterstützt wird sie darin seit mehr als 20 Jahren vom Komponisten und Pianisten Erik Kross.

Von der Idee zum Kabarett
1994 war auf Initiative des damaligen Kulturstadtrates Klaus Wowereit der Kurs „Kabarett für Frauen“ als Dankeschön für das ehrenamtliche Engagement von Frauen im noch jungen Frauenmärz an der damaligen VHS-Tempelhof gegründet worden. Bereits zum Frauenmärz 1995 gab die erste Kursgruppe als Kabarett Korsett dann ihr Bühnendebüt. Im Programmheft bezeichneten sich die damaligen Akteurinnen als „zum einen sehr interessiert, neugierig und bühnengeil. zum anderen aber schwatzhaft, streitsüchtig und ahnungslos“. Sich dieser Ambivalenz bewusst, verfolgten die beteiligten Frauen das gemeinsame Ziel, sich in keiner Weise einengen zu lassen, sondern vielmehr befreit und unverblümt auf der Bühne eigene Interpretationen zu präsentieren.
Bereits fünf Jahre später stieß Autorin, Schauspielerin und Sängerin Dorothee Wendt dazu, die bis heute die wechselnden Teilnehmerinnen im VHS-Probenkurs fachkundig anleitet, von ihnen entwickelte Ideen zur Sketchreife zu entwickeln. Darüber hinaus leitet Dorothee Wendt auch noch den VHS-Kurs „ImproTanten“. Die Regisseurin freut sich darüber, immer wieder neue Frauen mit neuen Themen und Ansätzen kennenzulernen, die letztendlich das Kabarett Korsett lebendig und zeitgemäß halten. „Die von den Frauen eingebrachten Themen, selbstgeschriebenen Texte und Lieder müssen pointiert auf den Punkt gebracht werden“, weiß die Regisseurin und erarbeitet mit den ambitionierten Amateur-Kabarettistinnen über Diskussionen, Analysen und Anregungen ein humoristisches bühnenreifes Programm, das auch nach 30 Jahren das Publikum immer wieder neu begeistert und als einzigartiges Frauenkabarett inzwischen zum Geheimtipp weit über den Berliner Südwesten hinaus geworden ist.

Einen nicht geringen Anteil an diesem Erfolg hat auch der Komponist, Pianist und Kapellmeister Erik Kross, der als einziger Mann in der Damenriege mit musikalisch sicherem Händchen die Kabarettistinnen zur Vortragsreife bringt und bei den Auftritten am Flügel begleitet. Er erklärt: „Meine Aufgabe, die musikalische Einrichtung, macht mir auch nach über 20 Jahren noch viel Freude. Sobald die Texte von den Damen erarbeitet sind, vertone ich sie, und bin außerdem für die Zwischen- und Begleitmusiken zuständig.“ Gut singbar müssen die Lieder sein, denn schließlich sind es keine ausgebildeten Sängerinnen, die sie vortragen. Anhand eines von Erik Kross erstellten Demobandes studieren die Frauen sie während der Proben ein, zu denen mit Näherrücken der Präsentation der Komponist dazukommt, um den musikalischen Vorträgen den letzten Schliff zu geben. Auf der Bühne dann agiert er an seinem Instrument als musikalischer Fels in der Brandung.
Übung macht die Kabarettistin
Themen gibt es viele, die von den Frauen eingebracht werden: Da geht es um Warnstreik, Gendern, Klima und Politik, aber auch um alltägliche Banalthemen wie Figur, Ehe und Sport; auf den kabarettistischen Punkt gebracht, dann nicht nur für Frauen verständlich und intelligent unterhaltsam. Der Probenkurs geht über 12-13 Abende in einer Jugendfreizeiteinrichtung in Tempelhof, zuzüglich Haupt- und Generalprobe im Gemeinschaftshaus Lichtenrade. Neue Probenkurs-Teilnehmerinnen sind immer gern gesehen. Denn mit den neuen Frauen sind auch neue Sichtweiten und Ideen verbunden, die das Kabarett-Programm entsprechend bereichern.
Die Aufführungen, die regelmäßig als Abschlusspräsentation der halbjährigen Volkshochschulkurse im März und im November an jeweils drei Abenden im 366 Plätze zählenden Gemeinschaftshaus Lichtenrade bei freiem Eintritt stattfinden, sind schnell ausgebucht. Daher gilt schon heute Save-the-Date für eine rechtzeitige Vorbestellung zu den diesjährigen Kabarett-Aufführungen „30 JAHRE BEST OF“ am 21. November um 19 Uhr, am 22. November um 18 Uhr und am 23. November um 16 Uhr.
Weitere Informationen unter www.kabarett-korsett.de
Jacqueline Lorenz