75 Jahre Georg Kolbe Museum
Jubiläumsausstellung „Tea and Dry Bicuits“

Erschienen in Gazette Charlottenburg April 2025
2025 jährt sich die Eröffnung des Georg Kolbe Museums zum 75. Mal. Es war 1950 die erste museale Neugründung im Nachkriegs-West-Berlin. Das Museum war anfangs als Gedenkort für den 1947 verstorbenen Bildhauer Georg Kolbe gedacht, der hier seine Kunst schuf. Als die Atelierräume der Öffentlichkeit vor 75 Jahren zugänglich gemachten wurden, schienen sie seit dem Tod Kolbes unberührt. Zahlreiche ausgestellte Skulpturen sowie persönliche Gegenstände erlaubten einen Einblick in das Gesamtschaffen des Künstlers. Die Besucher hatten den Eindruck, ein unversehrtes Stück deutscher Geschichte in Augenschein zu nehmen. Das außergewöhnliche Ensemble aus den Jahren 1928/29 in der Sensburger Allee gilt als bedeutendes Werk der Berliner Architektur der 1920er-Jahre.Geschaffen wurde es von den Architekten Ernst Rentsch und Paul Lindner.
Formen der Erinnerung
Die aktuelle Jubiläums-Ausstellung „Tea and Dry Biscuits“ richtet den Blick auf die Inszenierung von Erinnerung und untersucht das Erinnern in seinen unterschiedlichen – privaten wie auch öffentlichen – Formen. Zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler eröffnen durch eigene Reflexionen des Themas vielfältige Perspektiven auf Vergangenes und Gegenwärtiges. Woran wurde 1950 erinnert? Wie und an was erinnern wir heute und welche Formen nimmt diese Erinnerung an? In der Ausstellung geht es um die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen institutionellen Geschichte, mit imaginierten, gefühlten und gelebten (Familien-)Banden, die das Museum nachhaltig prägten. Mit Werken von Georg Kolbe und Christian Borchert, Cao Fei, Ryan Gander, Itamar Gov, Heike Kabisch, Taus Makhacheva, Laure Prouvost, Hande Sever, Álvaro Urbano, Marion Verboom, Danh Vo, Ruth Wolf-Rehfeldt sowie Kaari Upson.
Die Ausstellung wird vom 17. April bis zum 28. September 2025 im Georg Kolbe Museum an der Sensburger Allee 25 gezeigt. Weitere Informationen unter www.georg-kolbe-museum.de

Georg Kolbe (1877 – 1947)
Der 1877 geborene Georg Kolbe kam nach seiner Ausbildung zum Maler an der Kunstakademie München sowie nach Aufenthalten in Paris, Rom und Leipzig im Jahr 1904 nach Berlin. Der Start war in der neuen Heimat nicht einfach, doch schließlich stellte sich der künstlerische Erfolg ein. Seine Begeisterung für den expressionistischen Tanz führte ihn zu wichtigen zeichnerischen oder bildhauerischen Werken, die den Menschen in Bewegung zeigen. Die Stars des russischen Balletts, Vaslav Nijinsky oder Tamara Karsawina, inspirierten ihn ebenso wie die Wegbereiterinnen des Ausdruckstanzes Gret Palucca, Mary Wigman, Vera Skoronel, Charlotte Bara oder Ted Shawn, ein früher Pionier des American Modern Dance. 1912 erwarb die Berliner Nationalgalerie seine Plastik „Die Tänzerin“.
Austausch mit Kollegen
Ob als Mitglied der Berliner Secession oder später als Vorsitzender der Freien Secession, Kolbe suchte immer den Austausch mit seinen Kolleginnen und Kollegen. Die später berühmte Tierbildhauerin Renée Sintenis stand ihm als junge Frau Modell, zeitweise arbeitete er im selben Atelierhaus wie Max Beckmann. Er ging auf Reisen mit seinen Freunden Karl Schmidt-Rottluff und Richard Scheibe. Er pflegte eine enge Beziehung zu Max Liebermann und führte intensive Briefkorrespondenzen unter anderem mit Ernst Barlach oder Gerhard Marcks.

Skulpturen in der Öffentlichkeit
Kolbes Skulpturen fanden in heute ikonischen Gebäuden der architektonischen Moderne ihre Aufstellung. Zu seinen öffentlich aufgestellten Figuren zählen neben denen im benachbarten Georg-Kolbe-Hain auch „Der Morgen“ und „Der Abend“ in den Ceciliengärten in Tempelhof-Schöneberg. Berühmte Architekten wie Walter Gropius, Bruno Taut, Hans Poelzig oder Henry van de Velde schätzten seine Skulpturen und brachten sie in Beziehung zu ihren modernen Bauten. Georg Kolbe starb 1947 und wurde auf dem Friedhof Heerstraße begraben.