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Der Kaffee ist fertig ... und der Tee auch

10 Jahre Charlottenburger Genusshandwerk mit Seele

Frisch gerösteter Kaffee – ein Genuss. Foto: Charlottenburger Genusshandwerk
Frisch gerösteter Kaffee – ein Genuss. Foto: Charlottenburger Genusshandwerk
Erschienen in Gazette Wilmersdorf April 2025

Anfang der 80er weckte Peter Cornelius mit seinem Song Begehrlichkeiten nach duftendem Kaffee, der das Aufstehen am Morgen leichter macht. Und auch heute noch ist für viele Menschen die erste Tasse Kaffee am Morgen Lebenselixier.

Das wissen auch die Macher des Charlottenburger Genusshandwerk und setzen mit ihren vor Ort frisch gerösteten sechs Kaffeesorten für jeden Geschmack Genussakzente. – Wen aber eine Tasse Tee eher erfreut, auch an den wird in der Charlottenburger Manufaktur gedacht: Unter 12 Sorten Früchte-, Schwarz- und Grüntees kann er wählen, die frei von künstlichen Geschmacksverstärkern und Aromastoffen ungetrübtes Teevergnügen generieren.

Jan Bonus
Jan Bonus, Mitgründer des Charlottenburger Genusshandwerk. Foto: Charlottenburger Genusshandwerk

Vor 10 Jahren gegründet, hat sich das Charlottenburger Genusshandwerkwerk längst in der Hauptstadt einen Namen gemacht, werden seine unter umweltfreundlichen und sozialverträglichen Bedingungen hergestellten hochwertigen Produkte ebenso von Privatkunden wie von großen Verlagen, Büchereien und Firmen bezogen. – Nicht zuletzt wegen der Projektidee, die seelisch beeinträchtigten Klienten als arbeitstherapeutisches Beschäftigungsangebot des VITA e. V. Berlin eine niederschwellige Vorbereitung auf ein Leben in Gemeinschaft und eine sinnvolle Tätigkeit in spannungsfreiem Umfeld ermöglicht.

Kaffee als Seelentröster

An der Heerstraße 12-14 in der einstigen Jugendamt-Kantine liegen im Untergeschoss die Produktions- und Verkaufsräume der Manufaktur. Kaum zu verfehlen, denn appetitlicher Kaffeeduft weist immer der Nase nach den Weg in dieses kleine Paradies für Genießer, in dem allein schon der Anblick von Röstkesseln und fertigverpackten Kaffees und Tees gute Laune macht. – In großen Jutesäcken warten Kaffeebohnen auf ihre fachgerechte Röstung in einem der großen Kessel, von denen jeder etwa den Wert eines Kleinwagens hat. Aufgebaut wurde das Charlottenburger Genusshandwerk 2015 von Projektmanager Jan Bonus und seinen Mitarbeitern.

Simone Helbig und Oliver Kellermann.
Simone Helbig und Oliver Kellermann.

Seit Juni 2024 dabei ist Oliver Kellermann, gelernter Koch und Barista. „Ich wollte gerne unter Menschen arbeiten“, verrät er, weshalb er sich für diesen Arbeitsbereich in der Manufaktur entschieden hat. Wie alle Mitarbeiter ist er mit großer Leidenschaft für Kaffee, Tee und menschlich Persönliches als Anleiter dabei, hat sich das nötige Fachwissen über Kurse und Weiterbildungen angeeignet. Simone Helbig von der Bereichsleitung Eingliederungshilfe des VITA e. V. Berlin erklärt: „Ursprünglich haben wir in der Wohnbetreuung für die Menschen mit psychischen Erkrankungen eine Branche gesucht, mit der sie sich identifizieren können und die bei ihnen beliebt ist.“ Die Kaffeebranche schien da geeignet. Im geschützten Raum an der Heerstraße arbeiten aktuell 12 Klientinnen und Klienten und erhalten dafür je nach Leistung kleine Motivationsprämien. Hier lernen sie niederschwellig die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft, wozu auch Hygiene, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit zählen. Idealerweise finden sie darüber in ein geregeltes Alltagsleben, das sie empfänglich für die Maßnahmen des Arbeitsamtes macht.

Wie selbstgepflückt

Die Arbeitsgänge, die von den Klienten unter Anleitung erledigt werden, sind vielseitig, guter Kaffee braucht Fingerspitzengefühl: So muss der Rohkaffee zuerst vorsortiert werden, wobei Steinchen und schadhafte Bohnen entfernt werden. Dann erst geht es ans Rösten. Bevor der Röstkaffee aber gemahlen und verpackt werden kann, muss er mehrere Tage zum Ausgasen lagern. Wenn er dann verpackt und etikettiert verkaufsfertig in Bohnenform oder als Espresso, Filter-, Siebträger- oder gemahlener Kaffee in den Regalen steht, haben viele Klientenhände dafür gesorgt, dass aus den eher blassen Bohnen ein kräftig schmeckendes Genussmittel bester Qualität geworden ist. Auch beim Zusammenstellen der Tees beweist hier manch Mitarbeiter viel Feingefühl und entwickelt bei so viel Handarbeit mit arbeitstherapeutischem Hintergrund ein ganz persönliches Verhältnis und Verantwortungsgefühl für „seinen“ Kaffee oder Tee. Und so hält es dann mancher mit Peter Cornelius: „Der Kaffee ist fertig, das klingt für mich wie Musik.“

Waren anfangs nur kleine Röstmaschinen im Einsatz, sind die mit den Jahren und der Nachfrage größer geworden, werden doch immerhin drei Tonnen Rohkaffee pro Jahr im Charlottenburger Genusshandwerk geröstet. Dazu kommen 200-300 Kilo naturbelassener Tee, der erst später ins Sortiment kam. Rohkaffee und Tee als Rohware werden von Hamburger Großhändlern bezogen. Während der Tee u. a. aus China und Indien kommt, stammt der Rohkaffee – von Fair gehandelt über Biobohnen bis von kleineren Unternehmern – aus Brasilien, Äthiopien, Indonesien und Nicaragua.

Kaffee und Tee – auch als Präsent – können Online sowie direkt vor Ort im Kaffeekontor und im Teekontor der Charlottenburger Manufaktur gekauft werden, wo auch in VITA-Werkstätten gefertigte Taschen und Körbe erhältlich sind. Einen Ausschank im Haus gibt es nicht. Dafür aber einen mobilen Kaffee Truck, den man für Events mieten kann, Näheres unter info@charlottenburger-genusshandwerk.de zu erfragen.

Die Finanzierung des Genusshandwerk-Projektes erfolgt aus Eingliederungshilfe und Verkauf.

Weitere Informationen unter www.charlottenburger-genusshandwerk.de

Jacqueline Lorenz

Charlottenburger Genusshandwerk

Heerstraße 12-14
14052 Berlin

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