Steglitz
Nachbarschaft und Umwelt schätzen und schützen
MarkusGarten-Initiative und Klimaverein mit Vorbildfunktion

28.03.2025: Wenn Elke und Helmut Lübbeke aus dem Fenster schauen, blicken sie auf einen grünen gepflegten Markusplatz, der mit der dahinterliegenden Markuskirche eine friedliche Einheit bildet. Und das nur wenige Schritte vom brodelnden Steglitzer Damm entfernt. Doch das war nicht immer so. Noch vor 12 Jahren gab es hier deutlichen Handlungsbedarf, waren Beete und Platz eher trist und so gar kein Augenschmaus für die Anwohner.
Doch was man erreichen kann, wenn man selbst aktiv wird, zeigt das vorbildliche Ergebnis: Aus interessierten Nachbarn vor 11 Jahren zur Initiative MarkusGarten zusammengeschlossen, hat die Initiative dem Platz zu hoher Aufenthaltsqualität verholfen und ihn zum beliebten Entspannungs- und Aktionsort gemacht. Und nicht genug damit: Als dies erreicht war, trugen die Engagierten sozusagen als besonderes Bonbon zum zehnjährigen Bestehen der Initiative MarkusGarten vor genau einem Jahr den gemeinnützigen Verein „Klimafreundliches Stadtparkviertel Steglitz (KliV Steglitz)“ ins Vereinsregister ein. Initiative MarkusGarten und Klima-Verein ergänzen sich nun als zwei eigenständige Einrichtungen, in denen sich jeweils – ganz nach Interesse und Überzeugung – Anwohner einbringen und etwas für Nachbarschaft und Umwelt tun können.

Von Anfang dabei und – auch wenn es das nicht gerne hört – in hohem Maße für das Gelingen mitverantwortlich ist das Ehepaar Elke und Helmut Lübbeke, beide pensionierte Lehrer. „Unser Sommerhaus in der Provence steht am Markusplatz“, scherzt Elke Lübbeke, wenn sie wieder einmal gefragt werden, wohin denn die nächste Reise der beiden Pensionäre gehen soll. Hier rund um den Platz finden sie so viele spannende Aufgaben und gleichgesinnte Nachbarn, dass das Paar nach jedem Kurzurlaub erwartungsvoll in seinen Kiez nach Hause zurückkehrt. Doch ohne die vielen Mitstreiterinnen und Mitstreiter, die über die Jahre zu einem verantwortungsbewussten Aktionsteam geworden sind, wäre es wohl kaum zu diesem nachhaltigen Erfolg am Markusplatz gekommen, denn, wie Elke Lübbeke betont: „Wir Gleichgesinnten halten zusammen.“

Gemeinsam geht ganz viel
Den Anstoß für die Beteiligung der Lübbekes am MarkusGarten-Projekt hatte ursprünglich die Freundschaft zu Veronika und Wolfgang Rettig gegeben, die die Umsetzung ihrer Vision von der Umwandlung des verwahrlosten Markusplatzes in einen sozial ausgewogenen Nachbarschaftstreff mit der damals noch jungen Initiative angingen. „Als wir dann in Andernach am Rhein das Projekt der ‚Essbaren Stadt‘ mit eigenen Augen sahen, haben wir uns gefragt, ob das nicht auch hier angepasst auf unsere Gegend umzusetzen sein könnte, nach dem Motto ‚Pflanzen erwünscht, statt Betreten verboten‘“, erinnert sich Helmut Lübbeke. Gesagt, getan, aber Berlin ist eben nicht Andernach: Die an das hiesige Grünflächenamt gestellte Anfrage der Initiative nach Beetpatenschaften wurde nach anfänglicher Skepsis dann aber doch positiv beantwortet und die ersten sechs Beete auf dem Markusplatz dafür freigegeben.

Erfolgsmodell Initiative MarkusGarten
Dass das Gesamtmodell MarkusGarten sich über die kommenden Jahre so positiv entwickelte, ist der ausgesprochen diplomatischen Vorgehensweise der Initiatoren ebenso zu verdanken wie dem gemeinsamen Einsatz der Hauptaktiven, zu denen sich bis heute als Unterstützer u. a. die Ev. Markusgemeinde, die benachbarte Schule sowie Einrichtungen wie die Bürgerstiftung Steglitz-Zehlendorf gesellen. So begeisterte der Klimaschutzbeauftragte des Bezirks Peter Schrage-Aden die Initiative für die Anwendung von Terra Preta, das nährstoff- und wasserspeichernde Schwarzerde-Kultursubstrat.
Alle Platznutzer haben letztendlich etwas davon, wenn Engagierte aus der Initiative wie Cornelia Mühlhoff jeden Morgen Zigarettenkippen auf dem Markusplatz aufsammeln, die Beete gießen oder Buchfreunde wie Veronika Rettig die BücherboXX vor dem Vermüllen bewahren. „Wenn die Leute dann sehen, wie gepflegt und schön alles ist, bewahren sie diesen Zustand auch eher und räumen dazu den eigenen Müll weg“, weiß Elke Lübbeke aus Erfahrung. – Und so freut es nicht nur sie, wenn sich Passanten honorierend für den gepflegten Zustand des MarkusGartens bedanken, der sich längst zum gut angenommenem Nachbarschaftstreff entwickelt hat. Helmut Lübbeke, dessen fachmännische Schmiedeerfahrung in Initiativkreisen nicht nur geschätzt wird, weil er damit beispielsweise den Brunnen auf dem Platz wieder zum Sprudeln gebracht hat, ist inzwischen Jörn Klick als direkter Ansprechpartner für die Initiative MarkusGarten nachgerückt. Als ehemaliger Landschaftsgärtner bringt er das nötige Know-how für den gärtnerischen Bereich mit. Die Beetpaten von den 12 Beeten konzentrieren sich zunehmend darauf, die Pflanzenauswahl so zu gestalten, dass zu jeder Jahreszeit etwas blüht und ein farblich ästhetisches Bild entsteht. – Ein Ergebnis, das auch das Grünflächenamt überzeugt hat. Weitere Verbesserungen strebt die Initiative an, wünscht sich für den Park öffentliche Toilette und Trinkbrunnen, auch wenn die aktuellen öffentlichen Einsparungsmaßnahmen derartige Projekte zur Zeit auf Eis legen.

Längst aber sind die gemeinsamen Frühjahrs- und Herbstsäuberungsaktionen auf dem Markusplatz bei Alt und Jung Tradition, ist der beliebte ökologische Wochenmarkt „LebensMittelPunkt“ unverzichtbar, der in diesem Jahr am 16. Mai – einen Tag vor dem Frühjahrsputz – unter der großen Gemeindekastanie vor der Markuskirche startet und bis Oktober jeden ersten und dritten Freitag im Monat stattfindet, organisiert vom Nachbarschaftsverein und seinem Kooperationspartner, dem BUND. Derzeit feilt die Initiative an der Idee, anlässlich der Saisoneröffnung in der Karl-Stieler-Straße eine lange Tafel aufzustellen, an der Nachbarn und Gleichgesinnte bei Speis und Trank und guten Gesprächen zusammenfinden. – Das Marktangebot wird auch in diesem Jahr wieder überwiegend regional sein: Mit Honig vom Imker, frischem Gemüse und Fair gehandelten Waren spielen da Nachbarn wie Elke Lübbeke Kaufmannsladen mit ernstem Hintergrund, und auch ein Fahrradreparatur-Angebot wird es wieder geben: Der Nachhaltigkeit mehr Raum zu geben und sie fester in die Köpfe der Verbraucher zu etablieren, ist dabei wichtiges Ziel. Um auch möglichst viele berufstätige Bürger zu erreichen, soll die Kernzeit des Marktes zukünftig zwischen 14.30 und 18.30 Uhr liegen, wobei ab 17 Uhr Suppe, Brot und Zutaten für ein kaltes Abendbrot angeboten werden.
Elke Lübbeke wäre eben nicht Elke Lübbeke, wenn sie nicht aus vollem Herzen für neue Ideen brennen würde, die in der Nachbarschaftsinitiative gemeinsam entwickelt und umgesetzt werden. Und so ist es kaum verwunderlich, dass anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Initiative MarkusGarten vor einem Jahr ein zweites, nicht weniger spannendes und zukunftsweisendes Projekt der emsigen Nachbarn an den Start gehen konnte: Mit dem eingetragenen Verein

„Klimafreundliches Stadtparkviertel Steglitz (KliV Steglitz)“
startete auch zugleich das Klimaschutzprojekt „Nuss – Nachbarschaft und Umwelt schätzen und schützen“. „Die Gartenarbeit in der Initiative und der Verein sind eigentlich zwei Paar Schuhe“, betont Elke, auch wenn sich beide wunderbar ergänzen. So sei niemand gezwungen, weil er in der MarkusGarten-Initiative gärtnerisch aktiv ist, auch in den Verein eintreten zu müssen, das sei vielmehr eines Jeden freie Entscheidung. Dennoch sind bereits sieben der 12 Beetpaten in den inzwischen 35 Mitglieder zählenden Klimaschutzverein eingetreten, der sich mit seinen verschiedenen Arbeitsgruppen in erster Linie klimafreundlichen Projekten widmet.
Den eigentlichen Anstoß zur Gründung des Vereins hatte der im Bezirk engagierte Bürgeraktivist Christian Küttner gegeben, als er noch zu Corona-Zeiten einen Vortrag über die Klimaprojekte der Zehlendorfer Papageiensiedlung gehalten und damit auch Elke Lübbeke beeindruckt hatte. „Wir Rentner sind es eben, die Zeit haben, etwas auf die Beine zu stellen. Wir schieben etwas an, das die jungen Leute dann weiterentwickeln können“, bemerkt sie, die sich daraufhin intensiver mit dem Gedanken eines Vereins zum Klimaschutz im Kiez anfreundete und diesen akribisch mit Gleichgesinnten, Küttner‘s Starthilfe und unter der fachkundigen Begleitung von Umwelt-Bezirksstadtrat Urban Aykal bis zum Vereinseintrag brachte. Dabei nutzt der Verein, dessen 1. Vorsitzender Helmut Lübbeke ist, Fördermittel aus dem Senatsprogramm Freiwilliges Engagement in Nachbarschaften (FEIN) für seine Projekte, die gemeinsam gutes Klima schaffen sollen. Und diese sind vielversprechend angelaufen:
Da geht es um Abfallvermeidung, die bereits mit vom Verein ausgegebenen Mehrwegboxen am Steglitzer Damm an der Pizzeria Il Cardellino und am Restaurant Duo erfolgreich gestartet ist und auf noch mehr Lokalitäten ausgeweitet werden soll. Als weiterer Schwerpunkt befindet sich das Thema „Schwammstadt“ in praktischer Umsetzung: So wird das vom Dach der Markuskirche ablaufende Regenwasser über die Regenrohre nun in speziell dazu installierten Containern „geerntet“ und anstatt wertvollen Trinkwassers für die Beet- und Gartenpflege von der MarkusGarten-Initiative genutzt. – Immerhin etwa 150.000 Liter pro Jahr.

Außerdem wichtiges Vereinsthema ist die Stadtnatur, für die vom Verein klimaresistente Bäume gepflanzt werden, aber auch Baumscheiben im Stadtparkviertel bepflanzt und klimagerecht begrünt werden sollen. Und auch die Installation von Balkonkraftwerken unterstützt KliV Steglitz und informiert regelmäßig in der Kiez-Akademie über all diese Themen. Doch es gibt noch viele weitere Ideen, welche Vereinsmitglieder und Nachbarn in ehrenamtlicher Vorbildfunktion für ein effektives Miteinander und eine zukunftsfähige Umwelt spannend umsetzen wollen: Sei es mit der alljährlichen Modenschau, mit kooperativen Schulprojekten, Plastikfreiheit im Verkauf oder einer Broschüre, die Hitzeschutzorte im Bezirk benennt.
Wer sich in den Arbeitsgruppen einbringen möchte, Interessierter oder potentiell Unterstützender des gemeinnützigen Vereins KliV Steglitz werden will, findet weitere Informationen und Kontakt unter stadtparkviertel.berlin und für die Initiative MarkusGarten unter markusgarten.wordpress.com
Jacqueline Lorenz